Türkischer Schützenkönig ausgeschlossen

Integration endet unter der Vogelstange

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Das Sönneraner Schützenkönigspaar Mithat und Melanie Gedik kurz nach der Krönung.

SÖNNERN/WERL - Ein Türke und gläubiger Muslim als möglicher Bezirkskönig – das mag sich der Vorstand der Schützen mit Blick auf die Satzung nicht vorstellen. Der Sönneraner Schützenkönig Mithat Gedik darf deshalb nicht am Königsschießen des Schützenbezirks Werl-Ense teilnehmen.

Das hat der Pressesprecher des Bezirks, Heinz Weber, auf Anfrage unserer Zeitung bestätigt.

Gedik selbst wurde von dieser Entwicklung zunächst völlig überrascht und wollte sich deshalb nicht äußern. Auch Olaf Schmitz, Brudermeister der St.-Georg-Schützen, für die Gedik den Vogel abgeschossen hatte, war für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Dabei war schnell nach dem Fest klar geworden, dass der Vorstand des Bezirksverbandes ein Problem mit dem König aus Sönnern bekommen würde. Die Toleranz unter der Vogelstange stieß beim Blick auf die Paragrafen 2 und folgende der Satzung des Bundes der Deutschen Historischen Schützenbruderschaften an ihre Grenzen.

Und eben diese Satzung ist es auch, auf die sich der Vorstand des Bezirks Werl-Ense beruft. Diese lasse die Teilnahme eines muslimischen Schützenbruders und Königs nicht zu, heißt es in einer schriftlichen Erklärung des Vorstandes.

In dem zweiseitigen Papier wird mitgeteilt, dass es in dieser Woche ein Gespräch bei Bezirksbundesmeister Alfons Wortmann in Ense gegeben habe, an dem der Sönneraner Brudermeister Olaf Schmitz und der Diözesanbundesmeister des Diözesanverbandes Paderborn, Eberhard Banneyer, teilnahmen. Dem Diözesanverband gehören rund 60.000 Mitglieder an.

„Die Auffassungen der Brudermeister aus Werl, Westönnen und Büderich stehen voll im Einklang mit den jeweiligen Satzungen der Bruderschaften, insbesondere der Satzung des BDHS“, betont der Pressesprecher. Ausdrücklich fügt Heinz Weber an: „Diese Auffassung vertritt auch der Bezzirksvorstand“. Angefügt wird der Satz: „Sämtliche Bruderschaften und Vereinigungen des BDHS legen Wert auf Integration und Migration, soweit es nicht den jeweiligen Satzungen widerspricht.

“Über die Reaktionen des BDHS-Präsidiums werde „zeitnah weiter informiert und unterrichtet“, kündigt Heinz Weber, der zugleich stellvertretender Bezirksbundesmeister und Geschäftsführer des Bezirksverbandes ist, an.

Mithat Gedik, der seit acht Jahren mit seiner Frau und den vier Kindern in Sönnern lebt und sowohl dem Vorstand der Schützenbruderschaft als auch der Freiwilligen Feuerwehr im Ort angehört, war am Abend des 18. Juli Schützenkönig der Bruderschaft St. Georg Sönnern-Pröbsting geworden – als erster türkischer Regent in der Geschichte der Hellwegstadt. Die Nachricht war nicht nur im Dorf selbst mit viel Sympathie aufgenommen worden. Brudermeister Olaf Schmitz hatte direkt nach dem Königsschuss versichert, für ihn sei vorrangig der Mensch und nicht etwa in erster Linie dessen Religion wichtig.

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