Großes Treffen in Hamm

FOC-Gegner kritisieren Werler Planung erneut scharf

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In Hamm haben sich zum vierten Mal Oberbürgermeister, Bürgermeister und Planungsverantwortliche von 21 Kommunen zu einer gemeinsamen Sitzung getroffen.

HAMM/WERL - Um den aktuellen Stand des Projektes Factory Outlet Center Werl (FOC) und dessen Auswirkungen auf die Nachbarstädte zu diskutieren, haben sich in Hamm erneut Verantwortliche von 21 Kommunen getroffen. Erneut wurde scharfe Kritik an dem Vorhaben geübt.

Gemeinsames Ziel der zum vierten Mal in Hamm versammelten Oberbürgermeister, Bürgermeister und Planungsverantwortlichen ist die Verhinderung des FOC Werl „auf der grünen Wiese“, da sie Umsatzverluste für ihre Innenstädte befürchten. Bei der Sitzung wurde verabredet, dass alle Kommunen im Zuge des von der Stadt Werl eingeleiteten Bauleitplanverfahrens Stellungnahmen mit der klaren Aussage abgeben, dass die Planungen für das FOC gegen die Ziele der Landesplanung und die Darstellungen des rechtswirksamen Regionalplanes verstoßen.

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Dabei stieß die Tatsache, dass die Stadt Werl ohne eine rechtliche Grundlage die Planung vorantreibt mit dem Hinweis darauf, das Landesrecht sei offensichtlich rechtwidrig, auf großes Unverständnis. Darüber hinaus werde man Kontakt zur Staatskanzlei Nordrhein-Westfalen aufnehmen, um diese gemeinsamen Einschätzungen dort vorzutragen, hieß es.

Nach wie vor herrscht unter den Mitgliederstädten Unverständnis über das Vorgehen der Stadt Werl. Unter Einbeziehung der Stadt Werl habe man –zum Schutz der Innenstädte das „Regionale Einzelhandelskonzept Östliches Ruhrgebiet und angrenzende Bereiche“ beschlossen. Factory Outlet Center seien bei zentraler Lage akzeptabel und könnten dem Innenstadt-Einzelhandel durch ihre Anziehungskraft sogar neue Impulse geben. Die Planungen der Stadt Werl mit einem Center „auf der grünen Wiese“ verstießen aber eindeutig gegen die Landes- und Regionalplanung, hieß es in einer Stellungnahme der Stadt Hamm.

Umsatzverluste in Millionenhöhe

So stellt sich Betreiber und Investor „Neinver“ das Factory Outlet Center in Werl vor.

Das von der Stadt Werl betriebene Planungsverfahren mit der verfehlten Standortplanung zum FOC schädige schon jetzt, da sowohl Investoren wie Anbieter von innerstädtischen Sortimenten verunsichert werden. Kürzlich war von Seiten der Stadt Werl ein Gutachten von ecostra zum FOC vorgelegt worden, wonach die Verwirklichung des Projekts in der Hammer Innenstadt 3,9 bis 4,0 Millionen Euro projektrelevante Umsatzeinbußen in verschiedenen Sortimentsbereichen verursachen würde. Auch für die umliegenden Städte werden Umsatzverluste berechnet.

Das Gutachten über die Auswirkung des Shopping-Centers auf der grünen Wiese kommt zum Schluss, dass die Auswirkungen auf die Nachbarstädte als „wirtschaftsstrukturell, städtebaulich und raumordnerisch verträglich einzustufen sind“. Diese Einschätzung teilt die „Koalition der Region“ gegen das FOC ausdrücklich nicht. Die Kommunen sehen bei dem Gutachten allerdings den Schwerpunkt einer quantitativen Bewertung, die qualitative Auswirkungen nicht berücksichtigt. Bei allen besteht - auch aus Erfahrungen bei anderen FOC - die Befürchtung , dass das Center zu einem Verlust hochwertiger Bekleidungsgeschäfte in den benachbarten Stadtzentren führt, die zum Teil als wichtige Ankermieter die Attraktivität dort maßgeblich bestimmen. Folgenutzer seien dann Anbieter in einem niedrigeren Preissegment, die eine Schwächung der Einzelhandelsstrukturen verursachen.

Einzelhandel ohnehin schon unter Druck

Blick auf die Landkarte: Unmittelbar neben der Autobahnauffahrt zur A44 soll das neue Factory-Outlet-Center Werl gebaut werden. Hier klicken zum Vergrößern.

Zu beachten sei, dass der innerstädtische Einzelhandel außerdem durch Faktoren wie den Internethandel massiv unter Druck stehe, weshalb weitere Belastungen wie durch die Einrichtung von FOC oder auch andere sogenannte innenstadtrelevanten Betriebe an nicht integrierten Standorten verhindert werden müssten. „Natürlich werden die Einzelhändler in unseren Innenstädten durch dieses Projekt nicht reihenweise Pleite gehen. Aber Factory Outlet Center sind auch auf Erweiterungen angelegt. Und wenn dieses FOC auf der grünen Wiese rechtlich durchgesetzt wird, lässt das nächste nicht lange auf sich warten“, sagt Stefan Kruse vom Dortmunder Büro Junker+Kruse, der als Einzelhandelsexperte die beteiligten Städte berät.

Gegen die Pläne der Stadt Werl für ein Factory Outlet Center „auf der grünen Wiese“ gibt es bereits seit Ende 2011 massiven Widerstand: Am 28. November 2011 wurde die „Gemeinsame Erklärung zum FOC Werl der Städte und Gemeinden“ von den 21 Kommunen in Hamm unterschrieben und damit ein gemeinsames Handeln gegen das geplante Factory-Outlet-Center vereinbart. Es handelt sich um folgende Städte und Gemeinden:. Arnsberg, Ahlen, Bönen, Dortmund, Hagen, Hamm, Iserlohn, Kamen, Lippstadt, Lüdenscheid, Lünen, Menden, Meschede, Oelde, Paderborn, Schwerte, Soest, Sundern, Unna, Warstein und Werne.

Werl hat Zusammenarbeit intensiviert

Die Einleitung der Bauleitplanverfahren in Werl hat die Zusammenarbeit der umliegenden Städte und Gemeinden intensiviert - das wurde bei dem vierten Treffen deutlich. Neben den Unterzeichner-Städten der gemeinsamen Erklärung werden die Zusammenarbeit und das gemeinsame Handeln mit dem kommunalen Verbund „Regionalen Einzelhandelskonzept Östliches Ruhrgebiet“ (REHK), dem REHK Hochsauerlandkreis/ Kreis Soest sowie dem Regionalverband Ruhr und die Beratung durch die beiden zuständigen Einzelhandelsverbände verstärkt. Auch bei den weiteren Planungsschritten der Stadt Werl – so stellte man einhellig fest, werde man gegen das FOC Werl gemeinsam vorgehen. - WA

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