Kostenintensive Insellage

Enervie stellt Missbrauchsantrag

+

HAGEN / MÄRKISCHER KREIS - Im Streit um die Stromkosten hat der regionale Energieversorger Enervie den nächsten Schalter umgelegt. Nachdem im September vergangenen Jahres die eigenen Kraftwerke bei der Bundesnetzagentur zur Stilllegung angemeldet wurden, hat Enervie in der Vorwoche bei der Behörde einen „Missbrauchsantrag“ gegen den Übertragungsnetzbetreiber Amprion gestellt.

Nach Ansicht von Enervie muss der Betreiber die Kosten für den Einsatz der Kraftwerke bezahlen, der die Netzstabilität in Südwestfalen sicherstellt. Außerdem soll Amprion, einer der vier bundesweiten Betreiber, den Netzengpass in Hagen-Garenfeld beseitigen. Bei der Stromerzeugung weist Enervie derzeit einen Verlust von 50 Millionen Euro aus – mit steigender Tendenz.

Das Enervie-Versorgungsgebiet gleicht derzeit einer Insel – von Idylle aber keine Spur. Knackpunkt ist die so genannte „Koppelstelle“ zwischen Enervie und dem Übertragungsnetzbetreiber Amprion in Garenfeld. Dort lassen sich über die einzige Schnittstelle derzeit aber nur 600 Megawatt Strom einkoppeln. Die Region braucht aber rund 1100 Megawatt in der Spitze, wenn an Werktagen Industrie und Haushalte viel Energie benötigten. Ohne ausreichende Netzfrequenz würde das gesamte System in kürzester Zeit zusammenbrechen. Da Südwestfalen nicht ausreichend Strom von außen aus dem Übertragungsnetz beziehen kann, muss Enervie die Kraftwerke betreiben. Das führt im Ergebnis zur kostenintensiven und speziellen Insellage.

 „Es bestehen deutliche Meinungsunterschiede hinsichtlich der Kostenverantwortung für den Einsatz der Kraftwerke“, so Enervie-Vorstandssprecher Ivo Grünhagen. Das Unternehmen befürchtet Preissteigerungen von rund 30 Prozent für jeden Kunden (unabhängig vom Stromanbieter), wenn die Region die Lasten alleine tragen müsste. „Das würde zu untragbaren Belastungen für Bürger und Unternehmen führen.“

Ob der Enervie-Vorstoß zum Erfolg führt, ist völlig offen: Bislang steht die Bundesnetzagentur auf dem Standpunkt, dass die Kosten allein dem Enervie-Verteilnetz und nicht dem großen Betreiber Amprion zugerechnet werden können. - be

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare