LWL finanziert das Projekt "Lüsa"

Ein Altenheim für Junkies in Unna-Hemmerde eröffnet

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Sabine Lorey (rechts), Leiterin des Seniorenwohnheims für Drogenabhängige, telefoniert beim Nachmittagskaffee.

UNNA - Außerhalb von Unna, im Ortsteil Hemmerde, ist ein ehemaliges Erholungsheim zu einem Alterswohnsitz für Drogensüchtige umgebaut worden. Bis zu 14 Suchtkranke finden dort Ruhe und einen geregelten Tagesablauf - bleiben dürfen sie für den Rest ihres Lebens.

Nach dem Abzweig von der Landstraße wird es holprig. Durch Wiesen und Felder führt eine schmale Straße zu einer spärlichen Häuseransammlung mit dem passenden Namen Dreihausen. Die Siedlung gehört zu Hemmerde, einem ländlichen Ortsteil von Unna.

Bewohner Martin trinkt Kaffee bei einem Abschied von zwei Freiwilligen.

Das Auto passiert eine kleine Kapelle am Straßenrand. Wenige Meter oberhalb steht ein Erholungsheim, in dem vor Jahrzehnten Nonnen die Ruhe genossen haben. Direkt dahinter beginnt der Wald.

Lange Zeit standen die Bauten leer, nun ist wieder Leben eingekehrt. Seit einigen Wochen wohnen hier alternde Drogenabhängige, die dort den Rest ihres Lebens verbringen können.

Das Projekt Lüsa (Langzeit Übergangs- und Stützungsangebot) aus Unna hat das ehemalige Erholungsdomizil umgebaut in eine Art Altersheim für chronisch Suchtkranke.

Bewohner Bernd sitzt in seinem Zimmer.

Bis zu 14 Männer und Frauen, die für ein herkömmliches Altenheim aufgrund ihrer Lebensgeschichte meist nicht in Frage kommen, können dort auf unbestimmte Zeit leben: mit einem geregelten Tagesablauf und Rund-um-die-Uhr Betreuung durch Pfleger und Sozialarbeiter.

Medizinische Versorgung gesichert

Jeder Bewohner hat sein eigenes Zimmer mit Blick ins Grüne. Die Einrichtung gehört bundesweit zu den wenigen, die sich auf die Generation der alternden Suchtkranken spezialisiert hat und ihnen eine dauerhafte medizinische Versorgung garantiert. Sie wird finanziert durch den Landschaftsverband Westfalen-Lippe.

Bewohner Martin sitzt auf dem bequemen Sofa im Aufenthaltsraum und steckt sich eine Zigarette an. Er hat eine lange Drogenkarriere hinter sich. Als er 13 ist, stirbt seine Mutter. Danach spritzt er sich das erste Mal Heroin.

Bernd (links) und Jan essen zu Mittag.

Von nun an dient sein Leben jahrelang bloß einem Zweck: der Beschaffung von neuem Stoff. Bis er vor zehn Jahren mit der Substitution beginnt, umsteigt auf das Ersatzmittel Methadon.

"Ich bin glücklich"

Vor zwei Jahren zieht er dann bei Lüsa ein, ins Haupthaus in der Innenstadt von Unna. Dieser Schritt rettet ihn. "Ohne Lüsa wäre ich so gut wie tot", sagt Martin, der nun gewechselt ist in die Einrichtung auf dem Land. Erster Eindruck? "Die Ruhe ist fantastisch. Ich bin glücklich."

Mit 50 Jahren gehört Martin zu den ältesten Bewohnern. Die Spanne reicht von 38 bis 57 Jahren. "Drogensüchtige altern vor, etwa 15 Jahre", sagt Sabine Lorey, Leiterin des Hauses.

Bewohner Bernd spült in der Küche.

Die Menschen sind in der Regel schwer krank: Infiziert mit HIV, leiden an Leberkrankheiten, haben Lungenprobleme, mit Zahnerkrankungen gehen Herz-Kreislauf-Beschwerden einher. "Das ist ein komplexes Bündel an Krankheiten", sagt die Suchtforscherin Irmgard Vogt von der Fachhochschule Frankfurt/Main.

Geregelter Tagesablauf

Erst die Substitution mit Ersatzstoffen wie Methadon mache ein längeres Leben überhaupt möglich. Aufgrund der Krankheiten kann den Bewohnern nicht allzu viel zugemutet werden - trotzdem gibt es für sie einen geregelten Tagesablauf.

Ein paar helfende Handgriffe in der Küche, ein bisschen putzen, Ergotherapie. Im Sommer soll die Gartenarbeit dazu kommen, viele wünschen sich einen Gruppenhund und eine Katze.

Bewohner Martin repariert eine Schublade.

"Das Programm endet am frühen Nachmittag", sagt Lorey. "Dann sind alle wirklich platt." Wer in die Stadt oder ins Haupthaus will, kann morgens in den angebotenen Shuttlebus einsteigen.

Einen Neuanfang starten

Elf ehemalige Junkies wohnen derzeit in der neuen Einrichtung, sie haben jahrelang Heroin konsumiert und können nicht ohne Ersatzstoffe leben. Rund ein Drittel trinkt zudem Alkohol und nimmt Tabletten.

"Die gehen jetzt nacheinander in die Entgiftung und wollen einen Neuanfang starten", sagt Sabine Lorey. Klappt das nicht und wird dadurch der Gruppenfrieden gefährdet, droht als letzte Konsequenz die Entlassung aus der Gemeinschaft.

Das Modellprojekt "Lüsa" bietet 14 chronisch drogenabhängigen Menschen in Unna-Hemmerde eine Wohnung mit Methadonausgabe und weiteren speziellen Versorgungsangeboten.

Der Bedarf für Einrichtungen wie der in Unna ist groß. Vogt schätzt, dass rund 48.000 über 40-Jährige in Deutschland Methadon und andere Ersatzstoffe benötigen.

Am Dorfleben teilnehmen

Die Verantwortlichen bei Lüsa hatten sich schon viele Jahre mit der Idee eines Alterswohnsitzes für Süchtige beschäftigt, auch weil die Leute im Haupthaus immer älter wurden.

Als die Finanzierung gesichert und der Ort gefunden ist, versuchen sie, die anfänglichen Bedenken der Anwohner auszuräumen. Das gelingt.

"Wir wurden gesegnet und die Landfrauen kamen zur Eröffnung vorbei", erzählt Lorey und betont: "Wir wollen hier am Dorfleben teilnehmen." - dpa

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