Berlin - Der Streit um einen möglichen Wulff-Nachfolger hat begonnen. Obwohl die Koalition Kompromissbereitschaft signalisiert hat, haben die Parteien klare Vorstellungen davon, welche Kandidaten nicht in Frage kommen.

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Der Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Volker Kauder, schließt einen Kandidat "von Gnaden der SPD" aus
Unions-Fraktionschef Volker Kauder hält die Wahl eines neuen Bundespräsidenten erneut nur mit einer schwarz-gelben Mehrheit für möglich. Die Koalition habe eine Mehrheit in der Bundesversammlung, sagte der CDU-Politiker Bild am Sonntag. Einen Kandidaten „von Gnaden der SPD“ werde es nicht geben.
Bei der Suche nach einem Wulff-Nachfolger sehen sich SPD und Grüne gegenüber der Koalition im Vorteil. Merkel habe sich selbst beschädigt, weil sie ihren Parteifreund unbedingt als Bundespräsidenten haben wollte, sagte SPD-Fraktionsvize Florian Pronold Handelsblatt Online. „Es rächt sich jetzt, dass Frau Merkel den SPD-Vorschlag, nach einem überparteilichen Kandidaten zu suchen, abgelehnt hat“, sagte Pronold. „Die Kanzlerin muss diesen Fehler diesmal wieder gut machen.“
Union und FDP hätten nun in der Bundesversammlung nicht mehr ausreichende Mehrheiten, um zum dritten Mal einen schwarz-gelben Kandidaten „durchzupauken“, sagte Grünen-Fraktionsgeschäftsführer Volker Beck Handelsblatt Online. Daher sei Merkel gar nichts anderes übrig geblieben, als der Opposition Gespräche anzubieten.
Der Fraktionsvorsitzende der FDP in Schleswig-Holstein, Wolfgang Kubicki, sagte dem Hamburger Abendblatt, es dürfe jetzt nicht um Parteitaktik bei der Suche nach einem Nachfolger Wulffs gehen. „Die Menschen brauchen vor allem wieder Vertrauen in das Amt des Präsidenten - und das bekommen sie mit einem Kandidaten Joachim Gauck. Ich würde ihn sofort wählen.“
Die Linkspartei fordert von Merkel eine Beteiligung an der Suche nach einem neuen Bundespräsidenten. Das höchste Amt habe Schaden genommen und auch das Vertrauen in die Politik, sagte Parteichef Klaus Ernst der Rheinischen Post. „Wenn der Schaden nicht tiefer werden soll, dann muss das Signal lauten, dass es miteinander und nicht gegeneinander geht.“
Linke-Fraktionschef Gregor Gysi sagte dem Hamburger Abendblatt, es sei hoffentlich nur ein Versehen der Kanzlerin gewesen, „die Linke nicht bei der Kandidatensuche zu nennen“. Wenn man das Vertrauen in das Amt wiederherstellen wolle, „müssen wir das kleine Wunder vollbringen, gemeinsam eine Kandidatin oder einen Kandidaten zu finden, der von der CSU bis zur Linken akzeptiert wird“.
Die Piratenpartei erwägt unterdessen die Nominierung eines eigenen Kandidaten. „Wir Piraten sind offen für Vorschläge der Regierungskoalition und der anderen Bundestagsparteien. Aber wir können uns auch vorstellen, einen eigenen Kandidaten zu nominieren“, sagte der Parteivorsitzende Sebastian Nerz der Zeitung Bild am Sonntag.
Nerz kritisierte das zurückgetretene Staatsoberhaupt als uneinsichtig: „Der Rücktritt von Bundespräsident Wulff war längst überfällig.“ Seine Erklärung habe aber leider gezeigt, dass er nichts verstanden hat: „Er hat keine Reue gezeigt, sondern nur eine beleidigte Trotzreaktion. Das war menschlich enttäuschend.“
Die Mehrheit der Deutschen wünscht sich einer Umfrage zufolge einen überparteilichen Nachfolger Wulffs. In einem am Freitagabend veröffentlichen ARD-„Deutschlandtrend Extra“ sprachen sich nur 31 Prozent für einen erfahrenen Parteipolitiker, 58 Prozent aber für einen überparteilichen Kandidaten aus.
Finanzminister Wolfgang Schäuble sähen nur 21 Prozent als gute Wahl. Arbeitsministerin Ursula von der Leyen kam auf 23 Prozent, Ex-Umweltminister Klaus Töpfer und Verteidigungsminister Thomas de Maizière auf 25 Prozent. Für Bundestagspräsident Norbert Lammert (alle CDU) wären 34 Prozent. Gauck kam auf 43 Prozent.
dapd
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