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Wie NRW-Schulministerin Sylvia Löhrmann (Grüne) die Gemeinschaftsschule in Nordrhein-Westfalen etablieren will

Wie Ministerin Löhrman sich die Gemeinschaftsschule in NRW vorstellt

227.08.10|NRW|NRW|
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Artikel: Wie Ministerin Löhrman sich die Gemeinschaftsschule in NRW vorstellt

DÜSSELDORF ▪ Während CDU- und FDP-Politiker in NRW bereits vor Wut schäumen und der rot-grünen Minderheitsregierung einen Kampf bis aufs Messer ansagen, falls sie die Gemeinschaftsschule als neue Regel-Schulform in Nordrhein-Westfalen einführen sollte, hat NRW-Schulministerin Sylvia Löhrmann (Grüne) ihren Kritikern gestern erst einmal den Wind aus den Segeln genommen: Sie plane überhaupt kein neues Schulgesetz, sagte sie beinah lapidar an die Adresse ihrer Kritiker.

Sylvia Löhrmann im Landtag. ▪

© dpa

Sylvia Löhrmann im Landtag. ▪

Für die Genehmigung der gewünschten Gemeinschaftsschule reichen ihr zunächst die bereits bestehenden gesetzlichen Möglichkeiten, sagte Löhrmann und verwies auf die so genannte Experimentierklausel im Schulgesetz.

Ein Volksbegehren wie in den 70er Jahren gegen die Koop-Schule, wie es CDU und FDP jetzt gerne wieder initiieren möchten, dürfte so höchst unwahrscheinlich werden, glaubt Löhrmann. „Wir ändern das Schulgesetz doch gar nicht. Wogegen soll sich ein Volksbegehren denn richten?“, gab Löhrmann zu bedenken. „Will Herr Laumann allen Ernstes in Aachen Unterschriften gegen einen Schulversuch sammeln, den sein eigener Parteikollege Risthaus in Ascheberg beantragt hat?“, konnte sich Löhrmann einen Seitenhieb nicht verkneifen.

Die Schulministerin appellierte an den CDU-Landtagsfraktionschef, den Schulfrieden in Nordrhein-Westfalen nicht aufzukündigen. Seine Parteifreunde in anderen Bundesländern wie Niedersachsen und Thüringen hätten ähnliche Schulmodelle längst auf den Weg gebracht. Sollte sich die CDU hierzulande diesem Weg verschließen, füge die Union den Schülern, ihren Eltern und mancher Kommune erheblichen Schaden zu, mahnte Löhrmann zur Einsicht.

Die Gemeinschaftsschule sei die ideale Antwort auf das veränderte Wahlverhalten der Eltern und den demografisch bedingten Schülerrückgang. „Wenn wir nichts tun, droht ein massives Schulsterben. Gerade im ländlichen Raum geht es oft um die letzte weiterführende Schule vor Ort, die bedroht ist, wenn wir keine Perspektive aufzeigen“, sagte Löhrmann. Bürgermeister und Kommunalpolitiker wüssten ganz genau, dass ihre einzige Schule vor Ort ein wichtiger Standortfaktor sei. Die Angst vor der Gemeinschaftsschule sei unbegründet: „Wir schließen von Landesseite keine Schule und schaffen auch keine Schulform ab“, sagte die Ministerin. Die Schulträger vor Ort müssten selbst entscheiden, ob sie bestehende Schulen, die wegen sinkender Anmeldungen in ihrer Existenz bedroht wären, zu zukunftsfähigen größeren Einheiten zusammenführen wollen. Die Gemeinschaftsschule sei also ein Angebot an viele betroffene Kommunen, werde aber nicht von oben übergestülpt.

In der Gemeinschaftsschule sollen Kinder mindestens bis zur siebten Klasse zusammen unterrichtet werden. Wie es danach weitergeht, entscheidet der Schulträger; entweder wird bis zum Ende der Klasse 10 weiter zusammen gelernt, oder es gibt eine Aufsplittung der Lerngruppen nach Schulformen. Jede Gemeinschaftsschule muss auch mit einer Oberstufe kooperieren und seinen für die Oberstufe qualifizierten Schülern einen Platz verbindlich zusagen.

Massive Kritik kam von der Opposition: Rot-Grün bevorzuge eine Schulform. „Mit der CDU ist ein Konsens darüber nicht möglich“, erklärte CDU-Schulexperte Thomas Sternberg. FDP-Schulexpertin Ingrid Pieper-von Heiden warf Rot-Grün vor, die Kinder an den Gymnasien, Realschulen und Hauptschulen „massiv zu diskriminieren“. Aus rein ideologischen Gründen gebe es für die Gemeinschaftsschule kleinere Klassen und automatischen Ganztag. Die Leidtragenden sei die Mehrzahl der Kinder und Lehrer an den anderen Schulformen. Doch ändern wird diese Kritik zunächst gar nichts. Löhrmann wird einen Schulversuch nach dem anderen genehmigen.

Unterstützung dafür hat die Ministerin von der Lehrergewerkschaft Verband Bildung und Erziehung (VBE). Die neue Schulform sei „folgerichtig“, sagte Vorsitzender Udo Beckmann. Mit der Gemeinschaftsschule gebe die Landesregierung den Schulträgern die gewünschten Gestaltungsoptionen, um trotz rückläufiger Schülerzahlen ein wohnortnahes und vollständiges Schulangebot sichern zu können. Auch die Gewerkschaft Erziehung und Bildung (GEW) und der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) begrüßten das neue Schulform-Angebot.

DETLEF BURRICHTER

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