BESTWIG ▪ Ein junger Mann hat die Betreiber des "Fort Fun" zum Narren gehalten. Matthäus Ziegler kaufte für einen Millionenbetrag den Freizeitpark - dummerweise hat er gar kein Geld. Hier die spannenden Hintergründe:

Da hatte er noch große Pläne: Matthäus Ziegler (rechts) im Fort Fun. ▪
Von Torsten-Eric Sendler
Mit seiner Biografie und Creditreform-Auskunft hätte er nicht einmal einen Handyvertrag bekommen. Stattdessen langte Matthäus Ziegler, Nachkomme einer baden-württembergischen Edelbrenner-Dynastie, voll zu und erfüllte sich kurz vor Weihnachten den ultimativen Lebenstraum.
Er kaufte für einen siebenstelligen Betrag mit dem Fort-Fun-Abenteuerland in Bestwig gleich einen kompletten Freizeitpark – und hielt über vier Wochen hinweg eine gesamte Region zum Narren. Seit Freitag sitzt der vermeintliche Millionenerbe in U-Haft, Dienstagabend wurde der Verkauf rückabgewickelt.
Eine geschliffene Rhetorik und weltmännisches Auftreten – der Hochstapler Felix Krull hätte seine Freude an dem Baden-Württemberger gehabt, der es immer wieder schafft, sich das Vertrauen von anderen zu erschleichen. Das aber auch Dank seines Namens, denn Zieglers Nr. 1 hat es als Kirschbrand zu Weltruhm gebracht, wird von Fluglinien und der gehobenen Gastronomie als Spezialität kredenzt.
Was Matthäus Ziegler jedoch verschwieg: Die Familie hat schon lange nichts mehr mit der Nr. 1 zu tun. Sein Vater musste 1992, nachdem das damals tatsächlich vorhandene Millionenvermögen durchgebracht worden war, an einen Konzern verkaufen. Er verfiel dem Alkohol und lebte bis zu seinem Tod von den Almosen anderer.
Matthäus Ziegler leistete beim Kauf des Fort-Fun-Abenteuerlandes lediglich eine kleine Anzahlung. Der Rest sollte folgen, Sicherheiten einer Bank wurden vorgelegt. Doch die waren gefälscht, das Kreditinstitut erstattete Anzeige. Am Freitagabend wurden die Geschäftsräume in Bestwig durchsucht und Matthäus Ziegler festgenommen.
Somit ist der Traum dahin, dass die One World Group, – so nannte Ziegler hochtrabend sein Firmenimperium rund um „Ziegler international“, das nur auf dem Papier und einigen inhaltslosen Internetauftritten besteht – im Sauerland mit Millioneninvestitionen für eine bessere (Tourismus)-Welt sorgt und die heimische Wirtschaft anheizt.
Recherchen im Vorfeld hätten die peinliche Millionenpleite verhindern können. So wäre zum Beispiel ein Anruf bei der Edelbrennerei Ziegler oder ein Blick in die Unterlagen von Creditreform ausreichend gewesen, wo neben einem dicken Ausrufezeichen der Vermerk „Es liegen Informationen zu Insolvenzverfahren vor“ zu finden ist.
Und Matthäus Ziegler ist auch ansonsten kein unbeschriebenes Blatt. Zunächst startete er eine Musikkarriere, dann wollte er eine Großraumdisco in Wörth zum Nobelschuppen umbauen. Aus den Projekten wurde nichts, Handwerker blieben auf Material- und Lohnkosten sitzen. 2010 wurde der Möchtegern-Millionär dann rechtskräftig in Aschaffenburg verurteilt, weil er sich mit gefälschten Arztrechnungen, Rezepten sowie Überweisungsträgern etwa 300 000 Euro ergaunert hatte. Eigentlich müsste der Felix Krull des Sauerlandes noch hinter Schloss und Riegel sitzen, doch die Strafe wurde aus gesundheitlichen Gründen vorübergehend ausgesetzt.
Die Mitarbeiter des Fort-Fun-Abenteuerlandes können indes aufatmen: Die Compagnie des Alpes teilte gestern Nachmittag mit, dass der Kaufvertrag rückgängig gemacht wurde und sie die Regie im Fort Fun wieder übernehmen wird.



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