Jens-Daniel Herzog inszeniert den „Fliegenden Holländer“ in Dortmund

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    • 03.10.11
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Jens-Daniel Herzog inszeniert den „Fliegenden Holländer“ in Dortmund

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Von Edda Breski ▪ DORTMUND–Das Meer schimmert verlockend, wie auf einem Gemälde von Emil Nolde. Der Nebel wabert. Aber die Männer in der Dortmunder Inszenierung von Wagners „Fliegendem Holländer” haben dafür keinen Blick. Für sie zählt das Geschäft. Mit großem Jubel hat das Premierenpublikum in der Dortmunder Oper eine Produktion gefeiert, die musikalisch auf große Wucht setzt und szenisch Bedenkenswertes anreißt. Die Inszenierung des neuen Intendanten Jens-Daniel Herzog bietet bestechende Ideen, leidet aber an einem Mangel an Konsequenz.

Der Tod als Ausweg? Szene aus dem „Fliegenden Holländer“ in Dortmund mit Christiane Kohl.

© Jauk/Stage Picture

Der Tod als Ausweg? Szene aus dem „Fliegenden Holländer“ in Dortmund mit Christiane Kohl.

Herzogs Daland (Wen Wei Zhang) ist Herr über ein schäbiges Schiffahrtskontor, in dem seine Angestellten auf Löhnung warten. In dieses marode Büro – es ist der „schwarze Freitag”, der 25.Oktober 1929 – kommt der Holländer (Andreas Macco) gerade recht, denn obwohl er dem Steuermann (Lucian Krasznec) einen heillosen Schrecken einjagt, weil er versucht, sich mit dem Messer des jungen Mannes aufzuspießen, bringt er doch einen Koffer voll Geld mit. Fraglich bleibt, wozu das Geld gut ist in Zeiten der Inflation. Der Chor trumpft markig-männlich auf. Er wird marionettenhaft geführt, die Männer greifen hölzern nach Akten, Telefonen, Liebstenbildern. Ein Ballett von Abziehbildern, als wolle die Regie vermeiden, dass der Zuhörer sich bei den bekannten Chornummern behaglich zurücklehnt.

Für das Frauengemach hat Bühnenbildner Mathis Neidhardt einen „Salong” voll rosenblümchentapezierter Miefigkeit gebaut. Die Frauen stecken in Kitteln (Kostüme: Sibylle Gädeke) und werden von Mary (Andrea Rieche) zum Singen harmloser Liedchen angetrieben. Senta hält ein Blatt mit dem Konterfei des Holländers in der Hand wie das „Goldene Blatt” beim Friseur und träumt vom dunklen Ritter, der sie über den Alltag erheben soll – durch den Tod.

Der Holländer legt ihr eine Pistole hin, die sie mit Patronen bestückt. Er sucht Erlösung von seinem Fluch, sie von ihrem erdrückenden Leben. Beide sind Unberührbare, sehen sich kaum an. Ein bezwingender Moment, der intensivste des Abends. Am Ende wird nicht sie sich töten, sondern Erik zieht den Abzug und bleibt als Täter zurück. Dass sie sich selbst nicht zu töten vermag, ist hochinteressant, bleibt aber für sich stehen.

Erik (Mikhail Vekua mit expressivem Belcantotenor) ist der verdruckste Ordnungshüter in Person mit Heinz-Rühmann-Tolle und beleidigter Miene. Der berühmte Chor der Feiernden, „Steuermann, lass die Wacht”, dient als Hintergrund, vor dem die brutalen Seeleute Erik zusammentreten. Er wiederum tritt Senta. Herzog spielt librettofern mit Möglichkeiten, ohne die angerissenen Stränge zu bündeln. Sein „Holländer” ist eine Gesellschaftsstudie mit Geisterelementen wie den vier schwarzgekleideten Herren mit Geldkoffern, deren Inhalt vor Blut trieft.

Fremd irrt der Holländer durch die Handlung. Andreas Macco porträtiert ihn als einen, der sogar zu müde ist zu hoffen, mit nobel geführtem, mächtigem Bass, ein sensibles Rollenportrait. Auch die übrigen Sänger, fast alles Neuzugänge, gefallen. Christiane Kohl singt die Senta mit starkem, flexiblem Sopran, der sich zu bezwingender Leuchtkraft steigert. Machtvoll lässt Wen Wei Zhang als Daland aufhorchen, er mischt seinem Rollenportrait ein Maß Öligkeit bei. Als Steuermann bietet Lucian Krasznec einen flexiblen Tenor mit viel Schmelz. Die sängerische Leistung überzeugt; auch die der Chöre. Stürme werden im Orchestergraben entfesselt. Jac van Steen führt die Dortmunder Philharmoniker souverän zu einem vehementen, drängenden Klang.

8., 14., 16., 23.10.; 3., 13., 20.11.; Tel. 0231/ 50 27 222, http://www.theaterdo.de

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