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Ulrich Zaums „Monsterballad“ bei den Ruhrfestspielen

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Von Edda Breski ▪ RECKLINGHAUSEN–Mary Shelley hat nichts mehr: Ihr Mann, der Dichter Percy Bysshe Shelley, ist ertrunken. Der Dichter Byron verweigert ihr ihre Nichte Allegra, die er mit ihrer Schwester Claire gezeugt hat.

Gruselige Blicke: Anneke Schwabe spielt in der „Monsterballade“ bei den Ruhrfestspielen. ▪

© Driessen

Gruselige Blicke: Anneke Schwabe spielt in der „Monsterballade“ bei den Ruhrfestspielen. ▪

Da legt sich Mary (Anneke Schwabe) auf den Tisch, an dem Byron noch eben gesoffen hat, wie auf einen Altar, im weißen Kleid, die Knie gespreizt wie im Fieber. In dem Stück „Monsterballade“ verknüpft bei den Ruhrfestspielen in Recklinghausen Ulrich Zaum Motive aus Shelleys berühmtestem Werk „Frankenstein oder Der moderne Prometheus“ mit Fragmenten aus ihrem Leben, dem Lord Byrons und seiner Tochter Allegra, die als Kind in einer Klosterschule starb. Wie Moritaten werden Lieder eingeflochten, die von Schauer und Angst erzählen. Die Handlung wechselt in die Romanszenerie und zurück.

Zaum ist Hörspiellektor, das merkt man dem Stück an. Eine Kapelle mit Streichinstrumenten, Klavier, Bläsern und Percussion sorgt für gruselig-schräge Begleitung (Musik: Manuel Weber), ein Hamburger Kinderchor hat schauerliche Intervalle für die Begleitung eingesungen. Die Klangatmosphäre stimmt. Nur die Szenen bleiben allzu oft Andeutung. Wäre die „Monsterballade“ wirklich ein Hörspiel, so müsste sie einen Erzähler haben. Die Regie von Dania Hohmann tut nicht viel dazu, mehr aus dem Stück herauszuholen.

Frankensteins Monster (Matthias Deutelmoser als grobschlächtiger, aber eigentlich liebenswerter Unhold) entwischt seinem Schöpfer und entdeckt seine Umgebung und sich selbst wie eine Art Kleiner Prinz der Schauerromantik: Wer bin ich? Warum darf ich niemanden lieben? fragt er, beobachtet Kinder und verabscheut sich, weil er so hässlich ist. Natürlich führt der Selbsthass zu verschiedenen Morden und zur finalen Konfrontation mit seinem Schöpfer. Christian Bayer spielt den Frankenstein mit blonder Scheitelfrisur und steifem Gehabe als preußische Variante des verrückten Deutschen. In dieser Version tötet er das Monster, besiegt damit seinen Dämon. Frankensteins Verlobte Elisabeth – Anneke Schwabe spielt sie und Mary Shelley in einer Doppelrolle – wandert mit aufgerissenen Augen im weißen Kleid umher und sieht Böses voraus. Das erinnert an Sheridans berühmte Regieanweisung vom Auftritt der Verrückten in Weiß. Alexander Wüst als Byron röhrt mit raunziger Stimme Lieder und bügelt Mary ab: „Wie viele Kinder sind dir nochmal krepiert?“ Nina Schwabe bewegt sich durch das Stück wie das verkörperte Unheimliche, als Leichendieb und Blinde taucht sie unvermutet auf, ihre Worte enthalten immer eine Bedrohung. Beeindruckend.

Die Bühne ist schwarz, wenig Licht lockert die Szenerie aus schiebbaren Wänden auf (Design: Georg & Paul). Byron trinkt und bemitleidet sich selbst an einem geschnitzten Holztisch mit einem Spiegel dahinter: stimmungsvolles Gruselelement. Mehr als Versatzstücke der Dunkelromantik enthält das Stück allerdings nicht. Wirklich ärgerlich ist: es zeigt Mary Shelley als Männeropfer, als schwache Frau, nicht mehr als die halluzinierende Elisabeth ihres Romans oder eine Figur von Wilkie Collins. Das ist das Kind der Frauenrechtlerin Mary Wollstonecraft: ein Opfer auf dem Altar von Byrons Selbstmitleid? Etwas mehr Differenziertheit wäre angebracht.

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