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Die rumänische Sopranistin Angela Gheorghiu mit einem Arien-Abend in der Philharmonie Essen

Herzflattern in jeder Note

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ESSEN ▪ Drei Mal wechselt Angela Gheorghiu die Robe: von unschuldigem Weiß-Schwarz zu elegischem Schwarz-Silber zu einer rotchangierenden Tüllkreation, in der sie die Hüften schwingt und Evergreens singt: „I could have danced all night“ aus „My fair lady“ und „Granada“. Da ist man schon bei den Zugaben, von denen es gleich fünf gibt, zum krönenden Abschluss den unvermeidlichen Brindisi aus „La traviata“. Gheorghiu ergreift die Hände des Tenors, schmiegt sich an ihn, die beiden zelebrieren die große Pas-de-deux-Geste zum Publikum. Von Edda Breski

Der Auftritt der rumänischen Starsopranistin befriedigt alle Wünsche eines glamour- und schlagerfreundlichen Opernpublikums. In die Philharmonie Essen hat Gheorghiu zwar den Tenor Marius Manea und ein Orchester, die Philharmonie Südwestfalen unter Tiberiu Soare, mitgebracht, im Mittelpunkt steht aber sie. Die 46-Jährige ist ein Bühnenstar, der keine Gelegenheit auslässt, das zu unterstreichen.

Ihre superbe Stimmkontrolle und elegante Phrasierung beweist sie in Dvoraks „Lied an den Mond“. Die silbrige Harfen- und Violinbegleitung – hier sehr dunkel ausgeführt – unterstreichen ihre dunkel timbrierte Stimme mit der unterliegenden Stahlnote. Gheorghiu entschleunigt die Arie der Wassernixe. Jede Phrase wirkt kontrolliert und doch bebend vor Gefühl. Diese Nixe singt ihr Lied nicht für den fernen Mond, sondern für den sehr irdischen Geliebten. Atemberaubend.

Auf das reichlich gemixt wirkende Programm hat sie, gemäß dem Trend zu barocker Musik, die Arie „Lascia ch‘io pianga“ aus Händels „Rinaldo“ gesetzt. Sie singt das raffiniert, sinnlich, mit exquisiten Seufzereffekten und angedeuteter Bruststimmendramatik.

Mädchenhaft gibt sie sich als Ensoleillad in „Vive amour qui rêve“. Diese Rarität aus Jules Massenets „Chérubin“ ist ein Genrestück mit spanisch anmutender Gitarre, Mandoline und Flöte, eine ansprechende Miniatur in hispanischem Stil. Gheorghiu, die so dramatische Sängerin, kultiviert den jugendlich scheuen Ausdruck bis zum Ende, das sie furios, mit voller Stimmkraft bestreitet, als habe ihre Energie, nicht länger bezähmbar, sich vulkanartig einen Weg ins Freie gesucht.

Das wird man so in den Zugaben wieder hören, vor allem in „Granada“, eigentlich ein Klassiker für die Tenorkollegen. Hier klingen die Phrasen sogar etwas verhuscht und mehr piano als erwartet; Gheorghius herrliche, volle, fast erdige Mittellage wirkt zurückgehalten, bis die Stimme zum Schluss explodiert. Der Wechsel ins Pfeifregister tut hier nicht gut, der Spitzenton klingt grell. Der Stimmkontrolle entrutscht auch der Höhepunkt des Duetts „O soave fanciulla“ aus „La bohème“. Die Mimi ist eine Paraderolle Gheorghius und sie gestaltet sie mit zartem Beben und jugendlichem Ton; „vorrei dir ma non oso“ singt sie so, dass das Herzflattern der verliebten Mimi in jeder Note zu hören ist.

Marius Manea besitzt einen schlanken lyrischen Tenor mit angenehmen, wenn auch metallischem Timbre, den er meist auch kultiviert führt. Leider liegt er in Essen mehrfach daneben. Die Koordination zwischen ihm und dem Orchester stimmt nicht. In der Eingangsphrase von „O soave fanciulla“ liegt er fast durchgehend einen halben Takt hinter dem Orchester.

Tiberiu Soare feuert die Philharmonie Südwestfalen in den Repertoirestücken, die das Arienprogramm umrahmen, weidlich an, was unter anderem zu einer druckvollen, rasch phrasierten „Forza del destino“-Ouvertüre und einem äußerst markigen Kaiserwalzer führt.

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