Von Ralf Stiftel ▪ PADERBORN–In einer einfachen Kutte kommt er daher, barfuß und mit einem Strick gegürtet statt mit eitlem Leder. Er tritt auf als schlichter Mönch, in Demut und Armut. Und doch wendet sich Franziskus von Assisi auf dem um 1250 entstandenen Gemälde von Margaritone d‘Arezzo dem Betrachter und der Welt zu. An Händen und Füßen trägt er die Wundmale der Kreuzigung. Als „Christus alter“, als anderer, neuer Christus, sahen ihn viele Anhänger.

© Museum
Margaritone d‘Arezzos Bild des „Hl. Franziskus“ (um 1250) kam aus dem Vatikan in die Paderborner Schau. ▪
Jetzt widmet ihm das Erzbischöfliche Diözesanmuseum Paderborn die spektakuläre Ausstellung „Franziskus – Licht aus Assisi“, in der die eindringliche Tafel eins der Prunkstücke ist. Franziskus sei einer der kulturhistorisch wirksamsten Heiligen, erläutert Museumsdirektor Christoph Stiegemann. Nicht nur, dass drei Männer- und ein Frauenorden sich auf ihn berufen. Wenige Heilige wurden so oft von Künstlern dargestellt wie er, und Episoden seines Lebens wie der spektakuläre Bruch mit dem Vater oder die Vogelpredigt sind ausgesprochen populär. Die Schau dokumentiert mit rund 200 Exponaten Leben, Nachleben, das Wirken der Franziskaner und die fortdauernde Verehrung.
Der 1181 oder 1182 geborene Sohn eines reichen Tuchhändlers muss eine charismatische Persönlichkeit gewesen sein. 1228, schon zwei Jahre nach seinem Tod, wurde er von Gregor IX. heiliggesprochen. Eigentlich sollte er einen ganz anderen Lebensweg beschreiten. Als Krieger zog er in den Städtekrieg zwischen Perugia und Assisi. Er geriet in eine einjährige Gefangenschaft, eine traumatische Erfahrung, die zu einer Neuorientierung führte. Nun kommt es zu den überlieferten Episoden: Wie er einen Aussätzigen trifft, sich erst ekelt, den Mann aber dann umarmt. Wie er Waren aus dem Laden an die Armen verteilt, so dass sein Vater ihn vor dem Bischof anklagt. Öffentlich legt er alle Besitztümer ab, selbst die Kleidung, und sagt sich von der Familie los. Er gründet eine Ordensgemeinschaft, die auf Besitzlosigkeit, Friedfertigkeit und Fürsorge beruht. Schon um 1210 erhielt er die Anerkennung der Regel von Papst Innozenz III. Franziskus gilt heute in vielem als Leitfigur, sei es in seiner ganzheitlichen Betrachtung der Schöpfung, als Tierschützer, der sogar den Vögeln predigte, sei es als Pionier des Dialogs zwischen den Religionen, suchte er doch während der Kreuzzüge den Sultan von Ägypten zu einem Disput auf. Ein Visionär der Demut. Schließlich, erinnert der Paderborner Generalvikar Alfons Hardt, hat Franziskus der Legende nach als erster Weihnachten mit einer Krippe gefeiert.
Die Ausstellung prunkt mit exquisiten Leihgaben nicht nur aus Museen wie dem Pariser Louvre und dem Vatikan, der unter anderem einige altitalienische Gemälde auslieh wie die um 1250 entstandene Vitentafel des hl. Franziskus. Aus Assisi selbst kamen Kelch und Patene des Franziskus, Geräte, die der Heilige bei der Kommunion benutzt haben könnte, ein Brevier aus seiner Zeit und ein Reliquiar, das einst zur Aufbewahrung seines Gewandes diente. Aus der Oberkirche, die 1997 einem Erdbeben zum Opfer fiel, sind erstmals geborgene Bruchstücke der Fresken zu sehen, ein ramponiertes Porträt des Franziskus von Palmerino di Guido (vor 1339), aber auch Splitter, die noch nicht wieder zu einem Bild montiert werden konnten.
Eigens restauriert wurde das „Sanzkower“ Franziskusretabel, das auf acht Feldern das Leben des Heiligen erzählt. Imposant sind auch barocke Gemälde, zum Beispiel ein Porträt aus Rubens‘ Werkstatt, das Franziskus in tiefer Gefühlsbewegung zeigt. Die großformatige Szene „Ekstase des hl. Franziskus“ nach einem verlorenen Original von Georges de la Tour (ca. 1645/50) spielt virtuos mit dem Kerzenlicht und zeigt den Heiligen mit größter Expressivität.
Franziskus – Licht aus Assisi im Diözesanmuseum Paderborn. 9.12.– 6.5.2012; di – so 10 – 18, jeden ersten Mittwoch im Monat bis 20 Uhr,
Tel. 05251/ 12 51 400, www. dioezesanmuseum-paderborn. de; Katalog, Hirmer Verlag, München, 29,50 Euro
Im Franziskanerkloster Paderborn zeigt eine Schau das soziale und missionarische Engagement des Ordens vom 19. Jahrhundert bis heute.
Eine Filminstallation des Künstlerduos M+M in der Fußgängerzone bietet eine moderne Lesart der Franziskuslegende.



Empfehlen Sie diesen Artikel Ihren Freunden und Bekannten!
Bitte berichtigen Sie oben aufgeführte Fehler und klicken danach noch einmal auf den Absenden Button.
Bitte setzen Sie sich mit der technischen Abteilung in Verbindung.
Nicht alle Aufgaben konnten abgearbeitet werden.