DRENSTEINFURT ▪ Als der Wechsel zwischen zwei Bundespräsidenten noch glatt und ohne Skandale ablief und Fidel Castro in Kuba die Macht übernahm, wurde sie 1959 gepflanzt - die alte Robinie auf dem Spielplatz im Fliederweg. Nun muss der 53 Jahre alte Baum weichen, dessen morsches Holz eine Gefährdung für die Bürger darstellt.

Die alte Robinie auf dem Spielplatz im Fliederweg muss gefällt werden. ▪
Vor allem im Sommer kann man den Baum mit dem saftig grünen Blattwerk, dem majestätischen Wuchs und der tieffurchigen Borke wohl als echten Blickfang bezeichnen. Doch der Schein trügt: Bereits seit Jahren ist die Robinie, auch Scheinakazie genannt, krank und das Holz im Laufe der Zeit immer morscher geworden. Pilze und Bakterien haben es befallen und weite Teile des Stammes zerstört. Fast widerstandslos kann man einen Schraubenzieher in den weichen Kern des unteren Baumstammes drücken – für die Gärtner des Bauhofes sei dies ein Warnsignal.
Im Falle der Robinie, hat sich das Ende lange angedeutet. Schon vor mehreren Jahren kam der Verdacht auf, der Baum könne auf Grund der Vermorschung nicht mehr standsicher sein, erklärte Bürgermeister Paul Berlage. Ein Gutachter wurde zu Rate gezogen, der feststellte: Noch geht es – aber der Baum muss regelmäßig von der Stadt kontrolliert werden. Gesagt getan, mindestens zweimal jährlich haben die Stadtgärtner zum Schraubenzieher gegriffen, um zu prüfen, ob und wie schnell sich der morsche Kern des Stammes ausdehnt.
Mittlerweile ist der befallene Bereich so groß geworden, dass die Gärtner befürchten, der Baum könne bei Sturm abbrechen und Kinder verletzen.
Die Stadtgärtner werden die Fällung in der nächsten Woche in Angriff nehmen, eingeplant seien zwei bis drei Stunden.
Später soll ein neuer Baum gepflanzt werden. Man habe sich bereits für eine Kastanie entschieden, da durch deren Pflanzung eine einheitliche Baumgruppe entstehe. Ein Kastanienbaum ist nämlich bereits vorhanden. „Ich bin froh über die neue Kastanie“, sagt auch Manfred Kraft, Ehrenvorsitzender der Siedlungsgemeinschaft Ossenbeck, die die Unterhaltung des Kinderspielplatzes übernommen hat. „Außerdem freuen sich besonders die Kinder über die Kastanien“, so Kraft. Allerdings sei Geduld gefragt. Bis der neue Baum Früchte trägt, werden sicher noch einige Jahre ins Land ziehen. Gegen die Pflanzung einer neuen Robinie habe man sich vor allem aus dem Grund entschieden, dass sich die Baumart extrem schnell vor allem durch Wurzelausläufer vermehrt.
Traurig darüber, dass der alte Baum weichen muss, ist Ute Brzoskowski, die ganz in der Nähe im Gartenweg wohnt. Oft besuche sie mit ihrem Enkel Paul den Spielplatz im Fliederweg und freue sich besonders im Sommer über den Schatten, den der große Baum spende. Doch „Sicherheit geht vor“, findet die Drensteinfurterin.
Ähnlicher Meinung ist auch ein anderer Anwohner des Wohngebiets. Natürlich sei es schlimm, wenn Bäume grundlos gefällt werden, doch hinsichtlich der Gefahrenlage sei es für ihn keine Frage, dass die Robinie weg muss. „Man muss Nutzen und Risiken abwägen“, sagt der Stewwerter. ▪ jud
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