1505.05.10|Werne|Werne|
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WERNE ▪ Es sind die schwersten und gleichzeitig die schönsten Momente im Leben von Eltern: Die Geburt des eigenen Kindes. Zur Seite stehen den Vätern, vor allem aber den Müttern die Hebammen. Für viele Mütter ist diese Hilfe von unschätzbaren Wert, die Hebamme eine echte Vertraute und Ansprechpartnerin vor, während und nach der Geburt. Kein Wunder, dass ihre Arbeit für die meisten Hebammen deshalb so viel mehr ist als nur ein Job.

Die Hebamme Angelika Brümmer-Becker leidet ebenfalls unter der derzeitigen Situation. ▪
Doch nun sehen die Geburtshelferinnen ihren Beruf gefährdet. Ab 1. Juli steigt die Haftpflichtprämie der Freiberuflerinnen um ein vielfaches, etliche Existenzen sind dadurch gefährdet. Heute, am Tag der Hebammen, machen zahlreiche Geburtshelferinnen aus NRW ihrem Unmut Luft – mit einer Demonstration auf dem Roncalliplatz in Köln. Zu dem drastischen Einschnitt durch die neue Haftpflichtreglung kommen nämlich noch andere Erschwernisse hinzu, die viele freiberufliche Hebammen aufgeben lassen, wie Angelika Brümmer-Becker weiß. Seit etlichen Jahren führt sie in Werne ihre Hebammenpraxis. „Bereits ausgehandelte Gebührenänderungen werden einfach nicht umgesetzt“, beklagt sie. Nach einer Berechnung aus dem vergangenen Jahr bekommen sie und ihre Kolleginnen für einen Hausbesuch pro Stunde 26,52 Euro. „Davon bleiben nach Abzug aller Kosten 7,50 Euro übrig. Das ist einfach zu wenig, um vernünftig davon leben zu können“, so Brümmer-Becker. Hat sie bislang 1200 Euro Haftpflichtversicherungsbeiträge bezahlt, muss sie ab Juli 4 000 Euro jährlich überweisen.
Hinzu kämen noch die Fortbildungsverpflichtungen. „Angestellte bekommen dafür Bildungsurlaub und die Kosten erstattet. Wir Selbstständige müssen die Kosten und den Verdienstausfall selbst tragen.“ Besonders denjenigen, die keinen Zweitverdiener im Haus haben, stehe das Wasser bis zum Hals. Die Abwanderungen von Hebammen in anderen Bereiche habe enorm zugenommen. „Das bekommen auch die Kliniken zu spüren, da sie immer weniger mit angestellten Hebammen und dafür mit freiberuflichen Beleg-Hebammen arbeiten“, erklärt sie. Die 58-jährige will trotzdem weiter machen. „Ich liebe meinen Beruf nach wie vor, obwohl die Zufriedenheit immer geringer wird.“ Steigende Kosten, weniger Verdienst und ein wachsender Verwaltungsaufwand: „Es ist schon ein ziemlicher Frust da“, räumt sie ein.
Der diesjährige Hebammentag steht unter dem Motto „Die Welt braucht Hebammen, mehr denn je“ und so hoffen die Geburtshelferinnen in Köln auf die Unterstützung von Eltern, Großeltern und allen, die sich für ihren Berufsstand einsetzen wollen. Wer es nicht nach Köln schafft, kann ihr Anliegen dennoch unterstützen. Der Landesverband der Hebammen startet heute eine E-Petition. Bis zum 25. Mai müssen 50 000 Unterschriften gesammelt werden, die dann den Bundestag zum Handeln auffordern. ▪ fla

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