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Veranstaltung der Bönener CDU und der Landfrauen dreht sich um Lebensmittel und Tiermast

Sicherheit auf dem Teller - Dr. Renate Sommer referiert

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BÖNEN ▪ Die Entdeckung resistenter Keime im Hühnerfleisch war nur der letzte einer langen Reihe von Lebensmittelskandalen in den vergangenen Jahren. Mit diesen „Unfällen“, vornehmlich in der industriellen Fleischproduktion, stimmte Hausherr Dr. Oliver Bonkamp die mehr als 40 Gäste im Seminarraum 2 des Kompetenzzentrums Bio-Security auf den folgenden Rundumschlag in Sachen Lebensmittelsicherheit ein.

Dr. Renate Sommer sprach über die Lebensmittelkennzeichnung. ▪

© Liesegang

Dr. Renate Sommer sprach über die Lebensmittelkennzeichnung. ▪

„Ich stamme selbst vom Hof“, traf Bonkamp, Leiter Immobilien- und Netzwerkmanagement des Gründerzentrums, den Nerv des Publikums: Die Bönener CDU und die Landfrauen hatten zu der Veranstaltung eingeladen. Als Referenten hatten Fraktionschef Manfred Hübner und Kreistagsabgeordnete Claudia Gebhard mit Dr. Hansjörg Lehnherr und der Europa-Abgeordneten Dr. Renate Sommer hochkarätige Gäste dafür gewonnen.

„Die Skandale verursachen auch bei mir Ekel“, sagte Oliver Bonkamp. Die Häufung des öffentlich bekannt gewordenen Bakterienbefalls, gleich welcher Art, sei aber auch mit wesentlich besseren Analyseverfahren begründet, erklärte er: „Wir hatten noch nie so sichere Lebensmittel, werden aber versuchen, die Sicherheit noch zu erhöhen.“

Damit leitete Bonkamp zum Vortrag von Dr. Hansjörg Lehnherr über. Der Mikrobiologe und Chef der Firma Phage Technology Center (PTC), ansässig im Kompetenzzentrum, stellte überaus anschaulich seine Lösung zum Thema Salmonellenbefall in der Geflügelmast vor. Von Beginn an gäbe es in der Natur den Kampf zwischen Gut und Böse. Die „bösen“ Bakterien würden von den „guten“ Bakteriophagen, ihrem natürlichen Gegenpart, in Schach gehalten. Sie wären im Gegensatz zum Antibiotika „lebendig“ und somit in der Lage, sich auf eine sich entwickelnde Resistenz der Bakterien einzustellen. Die Idee sei nicht neu, sagte Lehnherr. Geforscht wurde auf dem Gebiet jedoch nur im Osten, der Westen habe bislang an die Allmacht des Antibiotika geglaubt.

Das Thema faszinierte die Gäste: „Wir haben einen Phagen-Cocktail aus der ehemaligen Sowjetunion, der MRSA-Keime bekämpft“, erklärte Lehnherr auf eine Publikumsfrage. Allerdings sei die Zulassung des Gegenparts der multiresistenten Krankenhauskeime unglaublich aufwendig, sodass er sich vorerst auf die Salmonellenbekämpfung konzentriere. Es sei möglich, den Bakteriophagenmix für drei Cent pro Küken anstatt für 15 Cent bei Antibiotika-Einsatz anzubieten, erklärte er. Die Hammer Firma Finktec, die Reinigungs- und Desinfektionsmittel für den Lebensmittelsektor herstellt, beteilige sich inzwischen finanziell an der PTC, deshalb sei eine Expansion im geplanten Erweiterungsbau des Bio-Security-Zentrums möglich.

„Eine 100-prozentige Sicherheit gibt es nie“, leitete Dr. Renate Sommer zu ihrem Vortrag über die mehr als dreijährige Geschichte des Kompromisses in Sachen Kennzeichnungspflicht auf Lebensmitteln über. Die Studienkollegin von Claudia Gebhard ist Agraringenieurin und Europapolitikerin. Für Renate Sommer ist es ein guter Kompromiss, wie sie den Zuhörern erklärte. Die geforderte Form der Ampel sei wissenschaftlich nicht begründet und zu unscharf, wandte sie sich gegen die Kritiker und Gegner des Kompromisses. „Aber Verbraucherschutz ist eben auch ein Geschäft“, bemängelte sie die medienwirksamen Kampagnen zur Einführung einer Ampel von „Foodwatch“.

Über 53 Artikel und 13 Anhänge beinhaltet die Lebensmittelinformationsverordnung. Protektionismus einzelner Staaten, das Problem von Schriftgrößen und Platzierung der Schrift sowie über 3000 Änderungsanträge wären einige der Klippen gewesen, die der Ausschuss für Umweltfragen, Volksgesundheit und Lebensmittelsicherheit der EU zu umschiffen hatte. Für den Verbraucher sichtbar wird nun der Nährwertkasten. Er wird an „prominenter“, also gut sichtbarer Stelle platziert – direkt beim Markennamen. Er soll Hinweise auf Allergene und Inhaltsstoffe enthalten. Den sogenannten Analogkäse könne der Verbraucher so demnächst erkennen, erklärte die Christdemokratin. „Wenn er denn weiß, dass echter Käse nicht aus pflanzlichen, sondern aus tierischen Fetten besteht.“ ▪ ml

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