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Christoph Neuhaus bringt die Orgel der Alten Kirche auf Vordermann

Orgel in der Alten Kirche wird auf Vordermann gebracht

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BÖNEN ▪ Mit imposanten Klängen fordert sie die Gemeinde allsonntäglich zum Singen auf. Sie begleitet strahlende Frischvermählte aus der Kirche, tröstet Trauernde mit sanften Klängen und sorgt für feierliche Stimmung an den hohen Feiertagen oder bei ganz normalen Andachten: Seit 40 Jahren erklingt die 20-registrige Führer-Orgel in der Alten Kirche.

Kantor Jens-Reinhard Wagenblaß und Orgelbauer Christoph Neuhaus (rechts) überprüfen die Registerschleife der Führer-Orgel in der Alten Kirche. Sie muss gegen ein neues System ausgetauscht werden. ▪

© Flanse

Kantor Jens-Reinhard Wagenblaß und Orgelbauer Christoph Neuhaus (rechts) überprüfen die Registerschleife der Führer-Orgel in der Alten Kirche. Sie muss gegen ein neues System ausgetauscht werden. ▪

Und nach all der Zeit ist sie in die Jahre gekommen. Etliche Teile sind verschlissen, die Pfeifen verstaubt. Außerdem hat sich Schimmelpilz breit gemacht. Orgelbauer Christoph Neuhaus sorgt jetzt dafür, dass das Instrument in etwa sechs Wochen wieder so prachtvoll klingt wie eh und je.

Darauf legen der Fachmann und sein Auftraggeber, die Evangelische Kirchengemeinde, nämlich besonderen Wert. „Der klangliche Charakter soll erhalten bleiben“, sagt Christoph Neuhaus. Und der ist, wie der Experte weiß, „norddeutsch historisierend“. Veranschlagt hat er für die Generalüberholung und Grundreinigung rund 40 Arbeitsstunden. Etwa sechs Wochen lang wollen er und seine Ehefrau und Mitarbeiterin Valentina Neuhaus sich um die Orgel kümmern. Die Zwei arbeiten überwiegend in der Alten Kirche, etliche Teile des Instruments müssen sie aber auch mit in ihre Werkstatt nach Velbert-Langenberg nehmen.

Die Arbeiten an der Orgel, die 1972 von Alfred Führer gebaut wurde, haben bereits am Montag begonnen. Sie sind aufwendig und zeitintensiv. Schließlich muss die Orgel Teil für Teil, Pfeife für Pfeife auseinander genommen werden. Allein die 1326 Pfeifen müssen ausgebaut und gereinigt werden. In den vier Jahrzehnten hat sich ordentlich Staub in ihnen gesammelt.

Die riesigen Prospektpfeifen, die eindrucksvoll über dem Hauptorgelwerk hängen, brauchen eine zusätzliche Befestigung. „Sie neigen dazu, zusammenzustauchen“, hat der Orgelbauer sofort festgestellt. Er zeigt auf eine Wölbung an den großen Metallpfeifen. Eine zusätzliche Aufhängung soll sie künftig stabilisieren.

Derzeit ist Christoph Neuhaus jedoch mit der Registerschleife beschäftigt. Die Lederbälkchen sind defekt, er muss ein komplett neues System in den Pfeifenstock einbauen. An den Leit- und Führungsstiften der Tonventile sind Roststellen zu sehen, sie müssen ebenfalls ausgetauscht werden. Zudem müssen die Pfeifenstöcke modifiziert, die Pfeifen selbst anschließend intoniert, also gestimmt werden.

„Und dann muss die Orgel unbedingt vom Schimmelpilz befreit werden“, sagt der Experte. Unzählige Stellen kann er zeigen, an denen die gräuliche Sporenablagerung deutlich zu erkennen ist – sogar auf der Tastatur. „Wir waschen alles gründlich ab und behandeln dann mit einem Spezialmittel gegen den Pilz“, erklärt Neuhaus. Für ihn sind all diese Arbeiten Routine. Seit 30 Jahren ist er in seinem Beruf, 2004 machte sich der Orgelbaumeister dann selbstständig. Zuvor war er für das Unternehmen tätig, das auch das Instrument in der Alten Kirche einst gebaut hat. Nach dessen Insolvenz gründete er seinen eigenen Betriebe. Aufträge bekommt er aus ganz Deutschland, „von der Nordsee bis zum Bodensee“, so Neuhaus. Etwa drei bis vier Orgeln überholt er im Jahr, hinzu kommen Reparaturen und Wartungsarbeiten. Neue Instrumente baut der Velberter nur selten: „Die Kirchen haben kein Geld dafür.“

Gelernt hat er sein Handwerk von der Pike auf. Voraussetzung für die dreieinhalbjährige Ausbildung sei eine Lehre in der Holzverarbeitung, erklärt Christoph Neuhaus. Schließlich umfasse die Tätigkeit fast 50 verschiedene Handwerkerberufe, etwa aus der Holz- und Metallverarbeitung, Elektrik, dem Textilbereich und vielen weiteren. Und eins ist natürlich wichtig: Die Liebe zur Musik! Auch Christoph Neuhaus ist durch das Orgelspielen zu seinem Beruf gekommen. Ein ausgebildetes Gehör muss er mitbringen, wenn er einen Auftrag entgegen nehmen will. Schließlich soll sein „Patient“ anschließend genauso klingen wie vorher – nur eben „staubbefreit und generalüberholt“.

Das Bönener Instrument bezeichnet der Fachmann als „ganz normales Örgelchen“ mit 20 Registern. Gearbeitet hat er schon an wesentlich größeren Instrumenten. Seine Erfahrung und sein Fachwissen insbesondere über die Führer-Orgeln machten ihn schließlich auch für die Evangelische Kirchengemeinde zum „richtigen Mann“. ▪ fla

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