327.06.10|Bönen
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BÖNEN ▪ Die Definition von „Kitsch“ fällt so schwer wie die von Kunst oder Schönheit. Ist Kitsch etwas, das zu schön ist, um schön zu sein? Oder lässt Kitsch – im Gegensatz zur Kunst – keine Interpretationen zu, bemüht Klischees, ist reproduzierbar?

© Hameister
Das Trio French Kitsch begeisterte beim KlassikSommer im Turm. ▪
Dass der oft negativ belegte Begriff „Kitsch“ jedenfalls nicht immer etwas mit seichter Kunst und oberflächlichen Inhalten gemein haben muss, beweist der Auftritt des überregional erfolgreichen Trios „French Kitsch“ im Rahmen des KlassikSommers am Samstag. Die Musiker zeigten den mehr als 100 Zuschauern im Förderturm, dass klassische Musik durchaus schwelgerisch und melodienselig klingen kann – eben nicht auf den Punkt komponiert. Posaunist Mike Svoboda, Kontrabassist Wolfgang Fernow und Akkordeonist Stefan Hussong entführten ihr Publikum dabei in die musikbeschwingte Welt unter dem Eiffelturm, erkundeten hier den schmalen Grat zwischen Kunst und Kitsch.
„Das Wort ‚Kitsch‘ sollte man nicht allzu ernst nehmen“, machte Mike Svoboda gleich zu Beginn des Klassikkonzertes im Förderturm klar. Das sollte sich allerdings als schwierig erweisen: Immerhin suchte das Trio das ungewöhnliche Spannungsfeld zwischen Komposition und Improvisation immer wieder ganz bewusst auf. Svoboda, Fernow und Hussong beschränkten sich in ihrer Darbietung klassischer französischer Musik nicht etwa auf das Wesentliche, sondern versahen sie durchaus mit allerhand Schnörkeln – den Zuschauern gefiel der lockere Umgang mit der teilweise schweren Kost.
So erklärte Posaunist Svoboda vor „Morceau symphonique. op. 88“ des französischen Organisten Alexandre Guilmant, dass genau dieses Stück oft als Werk einer Abschlussprüfung für eine Pariser Musikhochschule genutzt werde – weil es eben ein typisches Posaunenstück sei. Zu präziseren Angaben der Stücke ließ sich Svoboda nur selten hinreißen – „Sie haben ja ein Programm. Sie können nachschauen“.
Diese unkonventionelle Art, das Schwelgen in „French Kitsch“ und die spielerische Grenzüberschreitung der klassischen Musik überzeugten – immerhin handelt es sich bei den drei Musikern um überaus renommierte: Mike Svoboda, amerikanischer Ausnahme-
Ist „Kitsch“ also reproduzierbar? Das Trio „French Kitsch“ widerlegte dieses Klischee. Immerhin verstanden es die Musiker nicht nur, ihre Instrumente technisch einwandfrei zu bespielen. Das Trio ließ den Funken überspringen. Mitgerissen von den ungewöhnlichen Klassikklängen träumte sich das Publikum im Förderturm in die „Grande Nation“.
Mike Svoboda erklärte seine Komposition so: „Meine Inspiration, dieses Programm zusammenzustellen, war die Gelegenheit, schöne Melodien zu spielen“. Und genau das tat das Trio. Schöne Melodien unter dem Eiffelturm – weit abseits aller Klischees. Ganz ohne Kitsch. ▪ rh
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