028.01.12|Bergkamen|Bergkamen|
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RÜNTHE ▪ Dass sich jemand mit einem weinenden und einem lachenden Auge aus dem Berufsleben verabschiedet, ist eine häufig gebrauchte Floskel. Bei Gerd Kampmeyer, der in der kommenden Woche als Rektor der Freiherr-von-Ketteler-Schule in den Ruhestand geht, trifft das jedoch voll zu.
„Ich freue mich heute noch, wenn mich Kinder anstrahlen. Das wird mir fehlen“, sagt er im Rückblick auf die fast 40 Berufsjahre als Pädagoge – davon 25 als Leiter der Rünther Grundschule.
Allerdings freut er sich auch auf andere Kinder: „Ich habe zwei Enkelkinder, ein weiteres wird erwartet“, sagt er. Da hat der Opa dann endlich mal mehr Zeit – oder sollte es doch lieber „hätte“ heißen? Denn der Fraktionsvorsitzende der SPD hat bereits angekündigt, sich künftig noch mehr der Politik widmen zu wollen.
Die 40 Lehrerjahre sind nur ein Abschnitt des Berufslebens. Begonnen hat der 1948 in Heeren-Werve geborene Schulleiter als Bauzeichner-Azubi bei der Klöckner-Hauptverwaltung in Unna-Königsborn. „Da habe ich verschiedene Schachtanlagen kennen gelernt“, sagt er.
Den Wandel vollzog er dann nach der Fachoberschulreife und dem anschließendem Abitur auf dem Westfalenkolleg. Eigentlich wollte er Bauingenieur werden. „Durch meine Arbeit als Schwimmtrainer beim SV Neptun Heeren-Werve bin ich schließlich zur Pädagogik gekommen“, sagt der scheidende Schulleiter. Nach dem Studium begann die Lehrerkarriere 1973 an der Gerhart-Hauptmann-Schule, wo er zwischendurch als Konrektor tätig war. 1986 folgte schließlich der Wechsel zur Ketteler-Schule.
Nach so langer Zeit an der Schule stellt sich natürlich die Frage, was sich verändert hat, was zum Positiven und was zum Negativen? „Positiv ist sicherlich, dass die Schule professioneller geworden ist.“ Die Grundschule habe sich auf die neuen Gegebenheiten einstellen müssen, zum Beispiel auf den Einsatz neuer Medien.
Und negativ? „Die Schulen werden mit Dingen überfrachtet, die mit den Kernaufgaben nichts mehr zu tun haben.“ Anstelle der Eltern müssten die Schulen immer mehr erzieherische Aufgaben wahrnehmen. Von übergeordneter Stelle würden den Schulen zudem immer mehr Verwaltungsaufgaben aufgebürdet.
„Die Schüler haben sich geändert“, sagt Gerd Kampmeyer, „es gibt immer mehr Problemschüler“. Was sich oftmals negativ auf den Unterricht auswirke.
Als besonders wichtig sieht Gerd Kampmeyer die Einbeziehung der Eltern an. Die Eltern sollte sich mit „ihrer“ Grundschule identifizieren. „Mir war es von Anfang an wichtig, dass die Ketteler-Schule als Stadtteilschule angesehen wird“, sagt er. Gerne weist er darauf hin, dass er selbst seit Jahrzehnten in dem Stadtteil wohnt.
Vom Blick zurück zur Vorausschau: „Die größte Herausforderung wird der demografische Wandel sein“, sagt er. Noch habe die Ketteler-Schule genug Schüler, das werde auch noch einige Jahre andauern. Der Rückgang hat auch seine Vorteile: „Ich habe 1986 hier mit einem Raumproblem angefangen, jetzt habe ich keines mehr.“ Zweizügigkeit und kleine Klassenfrequenzen – eigentlich ideale Voraussetzungen für gute pädagogische Arbeit.
Von der Arbeit zur Freizeit: Neben Politik und Enkelkinder freut sich Gerd Kampmeyer als Pensionär darauf, mit seiner Frau im Wohnwagen verreisen zu können. Um eines wird ihn das Kollegium beneiden: „Endlich kann ich außerhalb der Ferien Urlaub machen.“ ▪ hal
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