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„Für Gemeinschaftsschule muss in Hamm Platz sein“

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HAMM ▪ Der am Donnerstag vorgestellte Schulentwicklungsplan wird jetzt in den Schulen und den politischen Gremien debattiert. Im Gespräch mit WA-Redakteur Alexander Schäfer erläutert Schuldezernent Jörg Hegemann Hintergründe und gibt Einschätzungen zur zukünftigen Entwicklung ab.

Schuldezernent Jörg Hegemann ▪

© Mroß

Schuldezernent Jörg Hegemann ▪

Welche Ergebnisse des Schulentwicklungsplanes haben Sie am meisten überrascht – positiv wie negativ?

Hegemann: Für mich war erschreckend, in welcher Geschwindigkeit sich die Schülerzahlen in den nächsten Jahren verringern werden. Ich hätte nie damit gerechnet, dass wir schon innerhalb von fünf Jahren bis zu 25 Prozent weniger Schüler haben werden. Die demographische Entwicklung ist bekannt, aber dass es so schnell geht, dass wir so kurzfristig Handlungsbedarf haben, das hätte ich vorher nicht erwartet. Positiv hat sich bestätigt, dass das, was wir in den vergangenen Jahren schulpolitisch in der Stadt umgesetzt haben, nicht ganz falsch war. Der Gutachter hat festgestellt, dass die Versorgung mit Schulangeboten in der Stadt gut ist. Wir haben einen Schwachpunkt, das ist Herringen. Das war uns bekannt. An der Stelle kommen wir dem Nachholbedarf jetzt auch nach.

Weniger Schüler insgesamt, Bildungsgefälle in der Stadt, Hauptschulen unter Druck – das ist doch längst bekannt. Wieso braucht man dennoch solch einen umfassenden Schulentwicklungsplan?

Hegemann: Dieser Plan – und das ist das Besondere an ihm – zeigt die Entwicklung für jede unserer 60 Schulen auf. Wie hat sich die Schule in den vergangenen zehn Jahren entwickelt und wie wird sie sich in den kommenden zehn Jahren entwickeln? Wie viele Schüler sind zu erwarten, welchen Raumbestand gibt es? Wo gibt es Nachholbedarf? Wo läuft es gut? Welche weiteren Entwicklungen zeigen sich auf? Diese Fragen werden beantwortet. Gut ist zum Beispiel der Vorschlag des Gutachters, dass die Zusammenarbeit der Grundschulen auf Stadtbezirksebene untereinander besser werden muss. Das kann man kurzfristig und ohne große Probleme angehen.

Frage an den Kämmerer: Wie teuer war die Erstellung des Schulentwicklungsplanes?

Hegemann: Er hat keinen sechsstelligen Betrag gekostet.

Wie teuer werden die vorgeschlagenen Veränderungen für die Stadt? Oder anders herum: Wieviel lässt sich einsparen?

Hegemann: Ich gehe fest davon aus, dass wir mittelfristig Geld einsparen werden. Natürlich brauchen wir Reserven für den Ausbau des Ganztages oder künftig für kleinere Klassen. Aber es wird unterm Strich so sein, dass wir auf das ein oder andere Schulgebäude verzichten können, beispielsweise die Hardenbergschule in Bockum-Hövel. Für konkrete Zahlen ist es jetzt aber noch zu früh.

Der Gutachter hat im Schulausschuss ausdrücklich betont, dass Herringen bildungspolitisch vernachlässigt worden ist. Fühlen Sie sich da ganz persönlich in einer Mitschuld?

Hegemann: Nein, überhaupt nicht. Das ist historisch gewachsen. Hinzu kommt die soziale Struktur des Stadtbezirks, die es schwer macht, dort die Kinder zu höheren Bildungsabschlüssen zu bringen. Wir widmen uns diesem Thema schon seit einigen Jahren. Das Märkische Gymnasium wird gezielt als Ganztagsgymnasium aufgebaut, um eben insbesondere Kinder mit Migrationshintergrund dort zu fördern und zum Abitur zu bringen. Mit der Gemeinschaftsschule geben wir den Kindern eine zusätzliche Chance. Sie ist der dortigen Problemlage angemessen.

Ihre Einschätzung: Werden Politik und Schule die Vorschläge absegnen?

Hegemann: Ich gehe davon aus, dass die Schulen im Großen und Ganzen diese Veränderungen mitmachen. Es gibt von der Falkschule das Signal, dass man Gemeinschaftsschule werden möchte. Mit allen anderen Schulleitern hat es vorab Informationsgespräche gegeben. Großartige Proteste hat es nicht gegeben. Sicher wird es Änderungsvorschläge geben – beispielsweise bei der Zusammenlegung von Karlschule und Martin-Luther-Schule in Heessen. Es gibt unterschiedliche Ansichten wie man das umsetzt. Da bin ich offen. Wenn man dort zu einer anderen Entscheidung kommt, ist das auch gut. Die Josefschule in Heessen muss auch nicht bereits 2012/13 Teilstandort werden. Das kann auch später sein, wenn die Zahlen zeigen, dass sie doch zweizügig bleiben kann. Die große Umwälzung, wie sie eine Partei des Rates (SPD, Anm. der Red.) Ende des Jahres unter teilweise großem Protest vorgeschlagen hatte, die kommt jetzt an dieser Stelle nicht. Anstatt dessen kommt eine behutsame Anpassung, die alle Optionen offen lässt.

Langfristig empfiehlt der Gutachter die Zusammenarbeit zwischen Haupt- und Realschulen beziehungsweise die Integration der Hauptschulen. Muss man also nicht noch mehr als eine Gemeinschaftsschule schaffen?

Hegemann: Nein. Der Gutachter sieht das nämlich anders. Er sagt, wir haben zwei von den Eltern gewünschte Standbeine in Hamm: Gymnasium und Realschule. Das Gymnasium bleibt unangetastet. Und die Realschule hat einen so hohen Stellenwert in dieser Stadt, dass sie die führende Schulform für die zweite Schulsäule sein muss. Der Gutachter sagt, stärkt alle Realschulen und gebt ihnen für die Hauptschüler einen Hauptschulzweig. Dieser Vorschlag ist nach Schulgesetz im Moment nicht möglich. Umsetzbar ist kurzfristig nur der Schulversuch der Gemeinschaftsschule. Grundsätzlich gilt: Die Realschulen müssen mit den Hauptschulen noch stärker kooperieren, hierfür gibt es schon Beispiele, wie Realschule Mark und Erlenbachschule. Aus diesem mehr an Miteinander können später relativ leicht neue Schulformen entstehen. Wenn das Land dann irgendwann im Extremfall sagt, wir machen nur noch Gemeinschaftsschulen, dann ließe sich auch das kurzfristig umsetzen.

Wird die CDU der Gemeinschaftsschule in Herringen zustimmen?

Hegemann: Ich denke, dass man letztlich dem Schulfrieden in unserer Stadt einen höheren Stellenwert gibt als der Ideologie. Außerdem ist es ein Schulversuch und dafür sollte auch in unserer Stadt Platz sein.

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