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„Turtle Island Quartet“ begeistert Publikum im Hammer Kurhaus

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HAMM ▪ Violinist und Komponist David Balakrishnan hatte einen Traum: Ein Streichquartett mit Musikern, die in der Lage sind, klassische Technik und Jazz-Improvisation gleichermaßen umzusetzen. Nach ersten Versuchen wie dem Mitschnitt der vier von ihm selbst gespielten Instrumente, formte er 1985 das „Turtle Island String Quartet“. „String“ wurde schließlich gestrichen – und am Donnerstagabend gastierte die aktuelle „Turtle Island Quartet“-Besetzung im Kurhaus.

Szkudlarek

Das „Turtle Island Quartet“ begeisterte im Zusammenspiel der Solisten und dokumentierte auf der Bühne eine Art musikalische Evolution. ▪

Von Werner Lauterbach

Neben Balakrishnan und Gründungsmitglied Mark Summer (Cello) spielten Mads Tolling (Violine) und Jeremy Kittel (Viola), die für ein, zwei Stücke auch mal ihre Instrumente tauschten. Am Anfang stand der Jazz: Ein Stück Paquito D’Riveras und „Model Trane“, der selbstverfasste Tribut an die stilbildende Saxophonlegende John Coltrane, dessen eigene Musik später den Grundstoff für Improvisation und brillante Quartettpassagen lieferte. Respekt vor dem Material und den Mitmusikern hatte oberste Priorität, perfektes Zusammenspiel und exzellente Arrangements brachten die Virtuosität jedes einzelnen prächtig zur Geltung. Gleich drei Parts übernahm Mark Summer – und das gleichzeitig: Perkussion, Bass und Cello, alles vereint in einem Instrument. Gezupfter Basslauf, dazu die Saiten, Hals und Korpus mit der Hand geschlagen und – ganz klassisch – das gestrichene Violoncello: Dieses Klangfeuerwerk verlangte nach einer Soloeinlage, die dann auch in Form des Hendrix-Klassikers „Little Wing“ gereicht wurde. Das aktuelle Projekt der Männer von der Schildkröteninsel (indianische Bezeichnung des Kontinents) stellt Jimi Hendrix’ Musik in den Fokus.

„Have you ever been (To Electric Ladyland)“: Die Suite mit vier Stücken vom wohl perfektesten Album des Soundmagiers startete als Rubato-Traum – bis zum Staccato-Rhythmus von „House burning down“. Phrasiert wie eine elektrisierende Leadgitarre rauschte die Solovioline durch Bluesskalen – sogar die typischen Hendrix-Gitarren-Effekte schienen präsent. „Voodoo Chile“ beschloss die Suite, doch da war ja noch mehr vom Alten Meister: Zwar schrieb Bob Dylan „All along the watchtower“, doch die Streicher hielten sich hier eng an die Hendrix-Version.

„Ashwattha“ – Balakrishnans indischer „Baum des Lebens“ kontrastierte mit allem bisher Gehörten. Der Komponist hatte den Gästen vorab eine wahre Stil-Schublade beschrieben, deren Elemente hier enthalten seien, doch tatsächlich vereinten sich indische Klassik, Jazz, Blues, Stravinsky, amerikanische und europäische Folklore und mehr zu etwas erregend Neuem. Das war keine Collage diverser Stile, vielmehr wirkte der musikalische Fluss wie zwingend logische Evolution. Kompetenz und Klasse der Instrumentalisten verhalfen zu einem erfrischend neuen Blick auf musikalische Vielfalt und war gleichzeitig Fingerzeig auf die Universalität echter „Seelenmusik“.

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