402.09.10|Hamm-Mitte|Hamm-Mitte|3
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HAMM-MITTE ▪ Manch unterirdisches Bauwerk verbleibt aus Kostengründen im Boden, auch wenn direkt darüber neu gebaut wird. Das ist heute so, und das war in früherer Zeit nicht anders. Dumm nur, wenn das Wissen um solch Erd-Ruinen mit der Zeit abhanden kommt.

© Szkudlarek
Das Modell im Gustav-Lübcke-Museum zeigt den alten Hammer Inselbahnhof um 1915. Vorn im Bild ist der Fußgängertunnel mit seinen zwei Auf- und Abgängen (links und rechts) zu erkennen. Die heutige, 1920 eingeweihte Empfangshalle steht östlich des früheren Gebäudes (Gelände rechts oben). ▪
Und so fielen die Verantwortlichen beim Lippeverband aus allen Wolken, als beim Kanalbau in der Unterführung Wilhelmstraße Reste einer 1896 eröffneten Fußgängerunterführung zum Vorschein kamen.
Der Hammer Autor und frühere Mitarbeiter des Stadtplanungsamtes Karl Wulf war es, der den Bauherrn unmittelbar nach der unfreiwilligen Ausgrabung darauf hinwies, um was es sich bei dem Fund handeln könnte. Gestern bedankten sich Projektleiter Thomas Drenks und Kollegin Dorothee Schütte bei ihm mit einem Buchgeschenk. Er habe mit seiner Information dazu beigetragen, einen großen wirtschaftlichen Schaden abzuwenden, hieß es. Interessant: Einen Hinweis auf die Existenz der Fußgängerunterführung gab es auch nur wenige Meter von der aktuellen Baustelle entfernt: im Gustav-Lübcke-Museum.
Dort steht seit der Ausstellung zum 150-jährigen Bestehen der Köln-Mindener Eisenbahn im Jahr 1997 (Titel: „Alle Gleise führen nach Hamm“) ein Modell vom hiesigen Bahnhof, wie er 1915 aussah. Gut zu erkennen im Maßstab 1:160: der Fußgängertunnel. Er führte von der Bahnhof- zur Wilhelmstraße, mittig ging eine Treppe hoch zum damaligen Kaiserlichen Postamt und zum alten Empfangsgebäude des zwischen den Gleisen liegenden Bahnhofs; auch gab es kleine Luftschächte. Ein historisches Bild von der Unterführung wurde in der Begleitpublikation zur Ausstellung veröffentlicht. Autorin ist Dr. Maria Perrefort, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Gustav-Lübcke-Museum.
Zeitgleich mit dem Bau des Fußgängertunnels entstand direkt vorm Bahnhof eine Unterführung für Fuhrwerke; das Gebäude selbst musste umgebaut werden, weil sein neuer Eingang jetzt im Kellergeschoss lag. Kurios: Die beiden Tunnels und der alte Bahnhof waren danach kaum mehr als 20 Jahre in Betrieb, bis der heutige Bahnhof eingeweiht und die Schienen allesamt höher gelegt waren.
Zwar weiß der Lippeverband nun, mit welchen Hindernissen er beim Kanalbau zu kämpfen hat und dass die Arbeiten sich nun bis ins kommenden Jahr hineinziehen. Wie hoch die Mehrkosten sind, steht indes noch nicht fest. „Wir warten noch auf die Kostenaufstellung der bauausführenden Firma“, heißt es. Dr. Perrefort indes kann sich vorstellen, einige alte Bodenfliesen des Fußgängertunnels neben dem Bahnhofs-Modell in die Dauerausstellung des Museums zu integrieren. ▪ jm
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