Werner Schützen integrieren Frauen

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Ingrid Nägeler sicherte sich 2010 den Titel der Sommerkönigin im Schützenverein Horst und Wessel. 

Werne - Ein Finanzamt im Sauerland drohte einem Schützenverein die Gemeinnützigkeit abzuerkennen, weil keine Frauen aufgenommen werden. In Werne ergibt sich eine solche Situation gar nicht erst - aus vielerlei Gründen.

Reinen Männer-Schützenvereinen droht die Aberkennung der Gemeinnützigkeit – diese Nachricht mit Ursprung im Sauerland beunruhigte zuletzt die Schützen. Gestern schließlich ruderte NRW-Finanzminister Norbert Walter-Borjans zurück. In Werne sind Frauen schon länger in die Vereine integriert, trotzdem reagieren die hiesigen Schützen zum Teil mit Kopfschütteln auf die angedrohte Maßnahme. 

Lediglich Frohsinn 07 und die Schützengilde an sich haben in Werne den Status der Gemeinnützigkeit inne. „Wir sind schon seit einiger Zeit der einzige gemeinnützige Schützenverein, weil wir das sportliche Schießen betreiben“, erklärt der Vorsitzende Wolfgang Schmidt. Voraussetzung dafür ist eine Mitgliedschaft im Westfälischen Schützenbund, der die Vereine dazu verpflichtet, die Gleichberechtigung in der Satzung zu berücksichtigten.

"Verstaubte Ansicht"

Seit 1963 also dürfen Frauen am sportlichen Wettkampf bei Frohsinn teilnehmen, im Hauptverein sind sie seit vier Jahren als mögliche Mitglieder zugelassen. „Dass Frauen nicht im Schützenverein mitmachen dürfen, ist eine verstaubte Ansicht von früher. Wir machen ohnehin alles mit den Frauen“, sagt Schmidt. 18 weibliche Mitglieder zählte er für die jüngste Bilanz. „Es ist nur zeitgemäß, die Vereine für Frauen zu öffnen. Ansonsten halte ich die Maßnahme für ein probates Mittel“, so Schmidt. 

In der Satzung der Werner Schützenvereine ist verankert, dass auch Frauen der Weg an den Schießstand möglich sein muss. „Es sind alle Mitglieder willkommen, solange sie 18 Jahre alt sind“, sagt Tobias Ogonek, 1. Vorsitzender des Bürgerschützenvereins. Vielfach seien weibliche Mitglieder schon durch die Spielmannszüge bei den Schützen angemeldet.

Wiederholt erfolgreiche Frauen in Werne

Von ihrem Recht machen die Werner Frauen regelmäßig Gebrauch. Beim Schützenverein Horst und Wessel etwa machte sich Petra Wüstefeld schon im Jahr 2000 zur Königin, 2006 trat Sandra Reckers in ihre Fußstapfen. Ingrid Nägeler wurde 2010 Sommerkönigin. „In Werne hatten wir schon häufiger Schützenköniginnen“, sagt Ogonek und erinnert an das Schützenfest der Freiwilligen Feuerwehr. 

Sanktionen durch den Fiskus hätte in der Lippestadt also kein Schützenverein befürchten müssen. Trotzdem reagiert Ogonek mit Unverständnis auf die Nachricht aus dem Sauerland: „In meinen Augen ist die Aberkennung der Gemeinnützigkeit nicht gerechtfertigt. Die Vereine sind für die Allgemeinheit tätig, denn auch Frauen dürfen an den Schützenfesten teilnehmen.“

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