Aktionen am Samstag

AB Elektronik: Region soll mobilisiert werden

Großer Andrang herrscht bei der Versammlung von AB-Mitarbeitern, Gewerkschaftsvertretern und Betriebsrat im Werner Kolpinghaus. AB Elektronik hatte gestern bekannt gegeben, die Produktion vom Standort Werne abziehen zu wollen.
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Großer Andrang herrscht bei der Versammlung von AB-Mitarbeitern, Gewerkschaftsvertretern und Betriebsrat im Werner Kolpinghaus. AB Elektronik hatte gestern bekannt gegeben, die Produktion vom Standort Werne abziehen zu wollen.

WERNE - Keiner an den Verhandlungstisch – alle auf die Straße. Das ist die Formel, die der IG Metall-Bevollmächtigte Alfons Eilers gestern in einer „öffentlichen Pressekonferenz“ mit mehr als 200 Mitarbeitern der AB Elektronik GmbH ausgegeben hat.

So soll in einem solidarischen Kraftakt die am Donnerstag überraschend angekündigte Schließung der Produktion in Werne verhindert werden.

Die spontane Zusammenkunft von schätzungsweise einem Drittel der 628 Mitarbeiter im völlig überfüllten Nebensaal des Kolpinghauses war nur der Auftakt der Kampagne, mit der Gewerkschafter Eilers und der AB-Betriebsrat um den Vorsitzenden Rainer Kottmeyer die Region mobiliseren wollen. heute und morgen geht es ab 6 Uhr mit dem Aktionsmobil vor dem Werkstor im Wahrbrink weiter. Es soll den Mitarbeitern und ihren Familien als Anlaufstelle dienen.

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Eilers will zudem einen „Runden Tisch“ mit der Lokalpolitik und dem Bürgermeister ins Leben rufen, um deutlich zu machen „dass dies nicht allein ein Problem der Beschäftigten, sondern für ganz Werne ist.“ Beim Neujahrsempfang des IG Metall-Bezirks Hamm-Lippstadt am Vormittag habe er mit Erfolg die Solidarität der Betriebe in der Region eingefordert. Die würden das Aktionsmobil besuchen. Auch Betriebsräte der deutschen Automobilhersteller – Hauptkunden des Zulieferers AB Elektronik – will die IG Metall als Unterstützer gewinnen. Wie berichtet, will die Geschäftsführung die nicht genannten Details der Verlagerung mit der Arbeitnehmerseite am Verhandlungstisch erörtern. Eilers lehnte entschieden ab: „Wir haben einen Vertrag zur Standortsicherung, der bis zum 31. Dezember 2015 gültig ist. Worüber sollen wir reden?“ Juristen würden den Vertrag vorsorglich noch einmal prüfen. Damit war vor einem Jahr eine Teilverlagerung nach Rumänien aufgehalten worden. Eilers weiter: „Die wollen gar nicht reden, die wollen Asche machen.“ Deswegen sei die „Zahlenspielerei“ mit der Rendite des Standortes Blendwerk. Werne werde schlecht gerechnet, empörte sich Betriebsratschef Kottmeyer. „Man hat uns die profitabelsten Produkte genommen. Der scheinbare Erfolg der neuen Fertigungsstandorte in China und Indien geht auf unsere Kosten.“

Kottmeyer hatte zuvor im WA-Gespräch erklärt, dass die Rendite des Werks in Werne guter Branchendurchschnitt sei. Laut Management hat der Betrieb zuletzt 4,3 Prozent Brutto-Dividende abgeworfen, 2012 gar 7 Prozent. Das vermeintliche Minus habe mit den Auslandsfertigungen zu tun. Und: Den vertraglich vereinbarten Abbau von 52 Stellen in 2013 habe die Geschäftsführung gar nicht genutzt – weil es so viele Aufträge gab.

Der Betriebsrat geht davon aus, dass in etwa 400 Jobs gefährdet sind. Der angekündigte Erhalt der Forschung und Entwicklung binde ca. 200 Arbeitsplätze. Details nennt der Vorstand nicht, das verheißene „Kompetenzzentrum“ – für Kottmeyer „leere Worthülsen“. Eilers mahnte: „Auch diese Arbeitsplätze sind nicht auf Dauer sicher.“ Betriebsrat und Belegschaft fühlen sich getäuscht. „Seit Juli haben wir mehrfach gefragt, wie es um das Werk steht, aber es gab nur Blabal“, so Kottmeyer. „Es kann doch keiner glauben, dass die Pläne nicht bekannt waren.“

Die ABler sind über das Gebahren der Fimenleitung erbost: Die hatte zur Bekanntgabe der Verlagerung die Polizei zum Werk bestellt, ihren Akteuren Bodyguards an die Seite gestellt und lässt seit Donnerstag einen Wachdienst im Werk patroullieren. Aus Angst vor Sabotage. „Da sieht man was die uns zutrauen“, schimpfte einer. „Das ist doch unterstes Niveau“. - bkr

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