Steuersparmodell für Sportstätten zu gewagt

WERNE ▪ Das 2010 eilig konstruierte Steuersparmodell für die Werner Sportanlagen hat sich bei näherer Betrachtung als Milchmädchenrechnung erwiesen. Unterm Strich stehen bei weitem nicht die Einnahmen aus Vorsteuerabzügen beim Fiskus, die den dafür gegründeten Betrieb gewerblicher Art (BgA) Sportstätten zunächst lukrativ erscheinen ließen.

Für diese Beträge mag sich die Stadt Werne erst gar nicht mit dem Finanzamt in Lüdinghausen anlegen.

Denn der Fiskus verfolgt landesweit mit Argusaugen, was die Städte da aushecken. Deshalb soll der Rat den BgA-Sportstätten aufgeben. Das haben Kämmerer Marco Schulze-Beckinghausen und Frank Adamietz, Leiter des Kommunalbetriebs Werne (KBW), gestern der Presse bestätigt. Am Dienstagabend waren, wie berichtet, bereits die Sportvereine darüber informiert worden, dass die Rechnung nicht aufgeht.

Denn die Vereine waren es, die für den ins Auge gefassten 19-prozentigen Abzug von der Umsatzsteuer auf die Aufwendungen für Bau und Betrieb der Anlagen in Vorleistung getreten waren. Ende 2010 stellte der BgA rückwirkend für das gesamte Jahr Gebühren für die Nutzung der Sportstätten in Rechnung, wie mit den Vereinen ausgehandelt. Dieser Umsatz ist Voraussetzung dafür, den Steuerabzug geltend machen zu können. Damit die Vereine nicht draufzahlen, wurden die Zahlungen über den Stadtsportverband mit Sponsorenhilfe ausgeglichen.

Lohnenswert ließ das Ganze damals allein schon die Investition von 1,4 Millionen Euro in den Kunstrasenplatz am Lindert und die Leichtathletikanlage im Dahl erscheinen. Nach Berechnungen der Berater lockten hier 200 000 Euro Ersparnis zugunsten des Sportbudgets. Weil dafür aber die Betriebsgründung noch vor der Inbetriebnahme der Anlage im Oktober erfolgen musste, wurde das Projekt am Ende übers Knie gebrochen, wie der Kämmerer heute einräumt. Von den Beratern hat sich die Stadt getrennt, ein Werner Steuerberater regelt nun alles.

„Mit etwas mehr Zeit hätten wir Chancen und Risiken sicher besser abgewogen. Denn die Zweifel waren ja da“, so Schulze-Beckinghausen. Sie waren immerhin so groß, dass die Stadt Werne gar nicht mehr versucht hat, das Modell anzuwenden. Als Ende 2011 die Steuererklärung für 2010 fällig war, hat der Kämmerer vorsorglich darauf verzichtet, den Vorsteuerabzug anzumelden.

Die Schwelle zum Straftatbestand sei bei einer Beanstandung durch den Fiskus nicht überschritten, versicherte er. „Aber wir bewegen uns in einer Grauzone, in der wir nicht ins Dunkelgrau gehen wollen. Die Werner Verhältnisse bieten nicht das Potenzial, dass dies lohnt“, sagte Schulze-Beckinghausen mit Blick darauf, dass größere Städte den Schritt wagten. Da entgegen erster Annahmen der von der Stadt finanzierte Schulsport nicht angechnet werden konnte, seien 50 Prozent der Einnahmen weggebrochen. Das Sportbudget werde aber gehalten; die Entlastung soll nun an anderer Stelle erfolgen.

„Wir hatten mit dem Finanzamt gute Gespräche und haben den Kompromiss geschlossen, dass die Zahlungen aus 2010 nicht rückabgewickelt werden müssen. Der Betrieb, im Übrigen nur ein steuerrechtlicher Begriff, wird nicht fortgeführt. Wichtig ist: es ist kein Schaden entstanden.“ J bkr ‘ Sport

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