Neue Schule arbeitet mit einem ausgeklügelten Heizsystem Arbeiten laufen derzeit auf Hochtouren

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    • 31.07.12
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Neues Werner Schulzentrum will Schülerwärme nutzen

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Werne ▪ Die äußere Hülle steht – jetzt geht es darum, das komplexe Geflecht im Inneren bis zum Eintreffen der Schüler funktionsfähig zu machen. Darin unterscheiden sich Gründung und Organisation einer neuen Schule nicht vom Bau derselben.

Hillebrand

© Hillebrand

Mitarbeiter einer Firma laden Dämmmaterial für das Schulzentrum ab.

Nur, dass im Gegensatz zum künftigen Lehrbetrieb vom technischen Innenleben des neuen Schulzentrums bald nur noch wenig zu sehen sein wird. Beispielsweise der enorme Aufwand, den die Ausstattung mit der besonders energiesparenden Passivhaus-Technik erfordert.

Die größte Heizquelle im Haus werden künftig die Schüler sein. Was nicht bedeutet, dass ihnen permanent die Köpfen rauchen müssen, damit niemand friert. Der Wärmeaustausch über die zentralen Lüftungsaggregate nutzt die natürliche Abstrahlung der Menschen im Gebäude. „Eine Klasse mit 25 Kindern hat in etwa einen Heizwert von 3 000 Watt“, erläutert Ingenieur Wendelin Jücker vom Kommunalbetrieb Werne.

Aber warum hängt dann beispielsweise im Physikraum noch ein Heizkörper an der Wand? „Der dient nur dem Vorlauf, wenn morgens noch nicht genug Wärme im Gebäude ist“, so Jücker. Deshalb fällt das Gerät auch vergleichsweise zierlich aus. Die schmale Doppelplatte mit gerade mal 500 Watt Heizleistung würde sonst nie und nimmer reichen, um den ganzen Fachraum warm zu bekommen.

Damit das Konzept aufgeht, werden der Realschul-Altbau wie der Neubautrakt dick eingepackt. Absolut dichte Isolierung ohne jede Kältebrücke ist das oberste Gebot. Und so ruht die Sohlplatte des Neubaus auf einem Bett aus 40 Zentimetern Glasschaum-Schotter. „Der alte Kriechkeller der Realschule wird vollständig mit Polysterolresten verblasen“, berichtet Jücker von den Dämmmaßnahmen im Verborgenen.

Zu sehen und dieser Tage auch zu hören sind dagegen die Arbeiten zur Isolierung der Fassade. Mit 26 Zentimeter starken Polysterolplatten mit dem aktuell geringsten Wärmeleitwert 0,32 haben die Mitarbeiter von Willi Schlagheck und Junior Christian das Bauwerk verklebt (Standard bei Wohnhäusern sind 18-Zentimeter-Platten mit 0,35).

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Das ist für den Malerbetrieb aus Dülmen schon eine Hausnummer, wie Christian Schlagheck vorrechnet. 3 500 Quadratmeter Fassade hat seine Mannschaft vor der Brust. Das sind 1 750 Kubikmeter oder nicht ganz 20 Lkw-Ladungen Dämmmaterial, das an allen Ecken und Kanten mit dem Heißdracht millimetergenau zurechtgeschnitten und verklebt werden muss.

Wenn die Platten samt Armierung verspachtelt sind, folgt eine wahre Sisyphos -Arbeit. Die Styropor-Packung muss mit speziellen Ankern mit dem Mauerwerk verdübelt werden, damit sie später das Gewicht der darauf zu verklebenden Klinker-Riemchen hält. Das macht auf die gesamte Fläche 21 000 Dübel, also 21 000 Bohrlöcher und Schraubenköpfe, die wiederum großflächig verspachtelt werden müssen.

Und dann sind da eben noch 3 500 Quadratmeter Riemchen, die für die Klinker-Optik verklebt werden müssen. Nicht einfach so, sondern in „floating buttering“, wie der Fachmann heute sagt. Dazu wird nicht nur Kleber auf die Wand gezogen, sondern auch auf die Rückseite jedes einzelnen Riemchens, damit es wirklich hält. Auch das ein Job für Männer mit Geduld.

Männer mit Durchblick sind dagegen gefragt, wenn das Kabelwirrwarr an der Steuerzentrale geordnet und so verdrahtet werden muss, dass die Luftumwälzung bis in den hintersten Winkel reguliert werden kann. Drei große Aggregate mit einer Leistung von 12 000 beziehungsweise 13 600 Kubikmeter pro Stunde sorgen dafür, dass die Abluft kontrolliert nach außen geführt und die Frischluft mit mehr als 90 Prozent Wärmerückgewinnung bedarfsgerecht angeheizt die Räume erreicht.

Dafür ist jeder Raum bis zur kleinsten Besenkammer über das Kanalsystem in den Decken mit einer Be- und Entlüftung versehen. Dazwischen sitzen mehr als 50 Brandschutzklappen und etliche Volumenstromregler, die alle einzeln ansteuerbar sind. „Viel sehen wird man davon nachher nicht mehr“, sagt Jücker mit Blick auf hunderte Kabelenden. „Es genügt dann ein kleiner Kontrollbildschirm.“

Eines ist dann absolut tabu, damit das System funktioniert: mal eben lüften. Die dreifach verglasten Fenster mit ihrem massiven Holzrahmen für die Passivhaustechnik dürfen nicht geöffnet werden – auch wenn’s draußen noch so schön ist. „Ich bin mal gespannt, wie sich das einspielt“, so Jücker. „Ich schätze, dass wir ein gutes Jahr brauchen, bis wir mit der Anlage ausreichend Erfahrungen haben.“ ▪ bkr

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