Nachtigall bremst Radweg-Pläne in Stockum aus

Noch gibt’s keine konkreten Pläne zur Fortführung des Zechenbahn-Radwegs in Stockum. Doch bis es so weit ist, soll die Trasse zumindest frei bleiben. Die Beseitigung von Gestrüpp scheiterte zuletzt allerdings, weil sich an zwei Stellen Nachtigallen niedergelassen haben. Nun muss den schützenswerten Vögeln eine Ersatzfläche bereitgestellt werden. Das dauert.
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Noch gibt’s keine konkreten Pläne zur Fortführung des Zechenbahn-Radwegs in Stockum. Doch bis es so weit ist, soll die Trasse zumindest frei bleiben. Die Beseitigung von Gestrüpp scheiterte zuletzt allerdings, weil sich an zwei Stellen Nachtigallen niedergelassen haben. Nun muss den schützenswerten Vögeln eine Ersatzfläche bereitgestellt werden. Das dauert.

Stockum - Die blauflügelige Ödlandschrecke und andere geschützte Tierarten hatten jüngst die Entwicklung auf dem alten Schacht-7-Gelände in Langern mitbestimmt. In Stockum ist es nun die Nachtigall, die Einfluss auf bestehende Planungen nimmt.

Sie hat sich an zwei Stellen entlang der alten Bahn-Trasse niedergelassen, auf der nach Wunsch der örtlichen Politik irgendwann einmal der Zechenbahn-Radweg verlängert werden soll. Die Trasse konnte jüngst nicht mehr komplett freigeschnitten werden – und dies wird wegen des kleinen Singvogels aus der Familie der Fliegenschnäpper auch auf Jahre hin so bleiben. Das sorgt für Unmut.

Im November hatte der Bezirksausschuss die Verwaltung um einen neuerlichen Rückschnitt der Sträucher und Büsche entlang der Trasse gebeten. Die kam dem Ansinnen auch nach. Allerdings blieben auf der 1,3 Kilometer langen Strecke zwei rund 30 Meter lange Abschnitte ausgespart. Warum, das erläuterte am Donnerstag in der Sitzung des Orts-Gremiums Frank Adamietz.

Laut dem Leiter des Kommunalbetriebs Werne (KBW) war der Stadt das Nachtigall-Vorkommen seit zwei Jahren bekannt. Weil die Tiere einen besonderen Schutz genießen, habe es der Abstimmung mit der Unteren Landschaftsbehörde des Kreises Unna bedurft. Diese habe den Freischnitt an den Stellen, wo die beiden Nester entdeckt wurden, untersagt. Zudem, so Adamietz, sei an einer Lösung gearbeitet worden, wie die Trasse dennoch freigehalten werden könne.

So soll in der Nähe eine Ersatz- und Ausgleichsfläche für den „Vogel des Jahres 1995“ geschaffen werden, pro Brutpaar 600 Quadratmeter. Das Areal ist bereits ausgeguckt. „Ein Grundstück am Werthweg, das ehemals für die Friedhofserweiterung gedacht war“, so der KBW-Chef. Seinen Worten nach sind – verteilt auf drei Jahre – Anpflanzungen nötig, die Kosten in Höhe von 4 400 Euro verursachen. In vier bis fünf Jahren käme dann eine Umsiedlung der Nester in Frage.

Die Ausschuss-Mitglieder waren hörbar verärgert über die Nachricht. Man habe immer wieder darauf hingewiesen, dass die Trasse rechtzeitig freigeschnitten werden müsse, konstatierte etwa Theodor Stork von der UWW. Wilhelm Jasperneite (CDU) machte unmissverständlich die Stadt für die unschöne Entwicklung verantwortlich. Zudem zweifelte er an, ob es überhaupt nötig gewesen war, die Unteren Landschaftsbehörde einzubinden. Dort habe man sich „wenig interessiert“, gab der CDU-Fraktions-Chef im Kreistag seinen Eindruck aus Gesprächen mit Verantwortlichen wieder.

Adamietz betonte daraufhin, dass sich eine Verwaltung an Recht und Gesetz zu halten habe. Ausdrücklich gelobt wurde das Vorgehen des Kommunalbetriebs einzig von Grünen-Vertreter Dr. Eberhard Stroben. Es sei „hervorragend“ gewesen.

Wann die Trasse zuletzt vor der jüngsten Maßnahme freigeschnitten wurde, sei nicht bekannt, sagte Adamietz am Freitag auf Anfrage. Der Ausschuss jedenfalls hat die Verwaltung am Ende mit einem jährlichen Schnitt beauftragt. Marita Funhoff (SPD) hatte noch erwähnt, dass sie sich weniger über die zusätzlichen Kosten für die Ersatzfläche ärgere, sondern über die verlorene Zeit.

Die alte Bahntrasse in Richtung Rünthe war nur ab Autobahn vom Regionalverband Ruhr ausgebaut worden, weil es bis dahin Alternativ-Strecken durch den Ort und über den Werthweg gibt. Den Bau der letzten 1,3 Kilometer müsste die Stadt übernehmen. Gelder dafür sind laut Adamietz aber noch nicht in den Wirtschaftsplan eingestellt worden.

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