Was macht Rumänien so interessant für AB Elektronik?

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AB eröffnete 1987 das Werk II im Wahrbink. Im Hintergrund ist das Amazon-Betriebsgelände zu sehen.

WERNE - Die AB Elektronik GmbH will ihre Produktion ins Ausland verlagern. Wohin, darüber schweigt sich die englische Konzernmutter TT electronics nach wie vor aus. Vieles spricht indes dafür, dass es zumindest in Teilen erneut nach Rumänien geht.

Dort lassen sich Güter ungleich billiger herstellen als hier, wie die Zahlen der „Germany Trade & Invest“ nahelegen, einer bundeseigenen Gesellschaft für Außenwirtschaft und Standortmarketing.

Erst vor wenigen Monaten wurden Maschinen von Werne ins TT-Werk im rund 1 500 Kilometer entfernten Timisoara im Westen Rumäniens gebracht. Der Betriebsrat hatte unter Zusage einer Standortsicherung bis Ende 2015 sein Okay gegeben. Ob sich diese und womöglich eine nächste Verlagerung für TT jedoch auszahlen, ist aber auch eine Frage der Qualität.

Bilder der letzten Betriebsversammlung:

Betriebsversammlung von AB-Elektronik

Qualifizierte Fachkräfte seien in Rumänien wegen des mangelhaften Bildungssystems und einer hohen Abwanderung schwer zu finden, heißt es bei der „Trade & Invest“. Diese Zahl dürfte in den Vorstandsetagen vieler global agierenden Unternehmen die Fantasie beflügeln: Bei umgerechnet gerade einmal 500 Euro lag 2013 der durchschnittliche Monatslohn in Rumänien, eingerechnet des üblichen Jahresbonus, der in Höhe von bis zu einem Monatsgehalt zumeist im Sommer und zu Weihnachten gezahlt wird.

Das Gehalt-Niveau schwankt dabei nicht nur in Abhängigkeit von der Position, sondern auch von der Region und vom Unternehmen sowie dessen Größe und Herkunft. Ein angelernter Arbeiter in der Autoindustrie bekommt nach Auskunft der „Trade & Invest“ zwischen 180 und 480 Euro im Monat. Da kann es ein Arbeitgeber wohl verschmerzen, dass die Sozialversicherungsbeiträge in Rumänien im Europa-Vergleich recht hoch sind.

Mit Stand Mitte 2013 lag der Arbeitgeberanteil für die Sozialversicherung je nach zugrunde liegendem Berufsrisiko zwischen 27,75 und 38,45 Prozent des Bruttolohns. Der Arbeitnehmeranteil betrug 16,5 Prozent. Die Reallöhne in Rumänien waren 2012 um 1,3 Prozent gestiegen, nachdem sie in den beiden Jahren zuvor krisenbedingt gesunken waren. Für 2013 war eine 2,4-Prozent-Steigerung erwartet worden. Die Arbeitslosenquote liegt geschätzt bei 7,3 Prozent.

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Gleichwohl gab es Regionen, aus denen dank boomender Industrie Vollbeschäftigung gemeldet wurde. Positiv dürfte sich in der Unternehmensrechnung widerspiegeln, dass die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall in Rumänien gerade einmal fünf Tage beträgt; gegenüber sechs Wochen hierzulande. Zwar gilt der Kündigungsschutz in Rumänien als hoch, laut „Trade & Invest“ wurden aber jüngst für Unternehmen Erleichterungen etwa hinsichtlich Zeitarbeit, Probezeit und Befristungen geschaffen.

Zudem hat der Arbeitgeber bei Problemen ökonomischer, technischer oder ähnlicher Art die Möglichkeit, einseitig eine Viertagewoche einzuführen – mit entsprechender Gehaltskürzung. Nicht nur in punkto Lohnzahlung, sondern auch steuerlich scheint Rumänien attraktiv zu sein, wie Zahlen des Bundesfinanzministeriums verdeutlichen: So lag die Belastung des Gewinns von Kapitalgesellschaften in Rumänien 2012 bei nominal 16 Prozent.

Zum Vergleich: In Deutschland entfielen 29,83 Prozent des Gewinns auf Körperschaftsteuer, Gewerbeertragsteuer und vergleichbare andere Steuern. Was die Qualifizierung von Arbeitskräften in Rumänien angeht, so entstanden auf Initiative deutscher Unternehmen unter anderem erste Modell-Berufsschulen mit dualer Ausbildung – eine davon steht in Timisoara. - am

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