Gersteinwerk stößt weniger Quecksilber aus als andere

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Da liegt was in der Luft, wenn am Gersteinwerk (Foto) und am Steag-Kraftwerk in Heil die Kohlefeuerung raucht: pro Jahr 10,9 Kilo Quecksilber in Stockum und 28,5 Kilo in Heil.

Stockum - Europäische Kohlekraftwerke setzen jährlich tonnenweise hochgiftiges Quecksilber frei. Die Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen hat daher gerade ihre Forderung nach niedrigeren Grenzwerten erneuert. Das Stockumer Gersteinwerk zählt mit einem Ausstoß von zuletzt 10,9 Kilogramm zu den saubersten Kraftwerken.

Insgesamt haben die deutschen Braun- und Steinkohlekraftwerke mit einem Ausstoß von sieben Tonnen pro Jahr einen Anteil von 70 Prozent der Quecksilber-Emissionen hierzulande.

Laut einer Studie im Auftrag der Grünen-Fraktion produziert Deutschland neben Griechenland und Polen die größte Belastung mit dem Gift, das sich unter anderem als Methylquecksilber stärker in Meeresfischen anreichere, als Lebensmittelvorschriften für den Verzehr zulassen. Die Untersuchungen des Instituts für Ökologie und Politik GmbH (www.oekopol.de) beziehen sich auf die veröffentlichungspflichtigen Angaben im Schadstofffreisetzungs- und Verbringungsregister (www.thru.de) aus dem Jahr 2013.

Darin sind alle Anlagen gelistet, die pro Jahr mehr als zehn Kilogramm Quecksilber in die Umwelt blasen. Der RWE-Braunkohlemeiler Neurath steht dabei mit 667 Kilo/Jahr an der Spitze von 50 betrachteten Kraftwerken, der Stockumer Block K belegt mit dem Wert knapp über der Veröffentlichungsgrenze den letzten Platz der Tabelle. Das einzige Kraftwerk, das laut Studie der strengeren als Vorbild angeführten US-Norm genügen würde, ist übrigens das neue, aber stillgelegte Kohlekraftwerk in Datteln.

In Deutschland soll eine deutlich mildere Verschärfung der Quecksilber-Grenzwerte durch den Bund greifen, wenn RWE das Gersteinwerk stilllegen will: im Jahr 2019. Bis dahin könnte es laut Ökopol noch sauberer laufen. Mit einer Nachrüstung gemäß US-Norm ließe sich der Ausstoß am Schlot in Stockum noch um 34,4 Prozent auf 7,1 Kilo pro Jahr senken. In den USA sind 0,8 Mikrogramm pro Normkubikmeter die Obergrenze, vom Gersteinwerk wurden zuletzt 1,2 Mikrogramm Quecksilbergehalt gemeldet. Größter Sünder ist nach dieser Statistik das Eon-Kraftwerk Schkopau mit 20,5 Mikrogramm.

Deutlich schlechter liest sich auch die Bilanz für den nächsten Nachbarn am Kanal: Das Steag-Kraftwerk in Bergkamen-Heil wird mit einem Jahresausstoß von 28,5 Kilogramm Quecksilber gelistet, pro Normkubikmeter Rauchgas wurde eine Konzentration von 2,2 Mikrogramm gemeldet.

Die Studie kommt zu dem Schluss, dass in der Summe von 16 Braunkohle- und 37 Steinkohlekraftwerken in Deutschland 85 Prozent der Quecksilber-Emission vermieden werden könnte.

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