Abschied mit Wehmut vom Werner Solebad

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Noch einmal animierte Marion Lohrsträter zur Wassergymnastik.

WERNE - Für einen Apriltag herrschte am Sonntag ideales Badewetter. Die Sonne schien und der etwas kühle Wind störte nicht, denn im Sole-Außenbecken herrschte wie gewohnt eine angenehme Wärme. Trotzdem stiegen viele Badegäste mit Wehmut ins Wasser. Über jedem Schwimmzug hing der Gedanke „zum letzten Mal“.

Insgesamt nahmen am Sonntag etwa 2.000 Besucher Abschied vom Natur-Solebad Werne, das sie in dieser Form nicht mehr wiedersehen. „Ich bedauere das mehr als etwas“, sagte eine Schwimmerin aus Bockum-Hövel, die regelmäßig ins Solebad gekommen ist. „Da wird uns etwas Schönes genommen.“ 35 Jahre sei sie Stammkundin im Werner Bad gewesen, ihre Tochter habe noch im alten Freibad das Seepferdchen gemacht. „Ein Besuch hier war wie ein Urlaubstag, die Mitarbeiter waren immer zuvorkommend und vor dem Schwimmen sind wir in Werne immer noch ein Häppchen essen gegangen.“

Auch für Roland Reitzig bedeutet der Bad-Umbau das Ende einer Tradition. Der ehemalige Wasserballer von Westfalia Wethmar kennt das Solebad noch aus seinen aktiven Zeiten. Inzwischen wohnt er praktisch neben dem Bad, kommt regelmäßig zu Fuß dorthin. „Für die nächsten zwei Jahre habe ich noch keine Alternative, zumal es etwas Vergleichbares in der Umgebung nicht gibt.“

So sieht es auch eine Stammkundin aus Lünen: „Ich habe mir schon zig Thermen in Deutschland angesehen, aber so ein schönes Außenbecken wie in Werne habe ich nirgendwo gefunden. Das war ein richtiges Sommerparadies.“

Abschied vom Solebad

Geschäftsführer Jürgen Thöne versteht die Wehmut. „Zwei Jahre sind schon eine lange Zeit.“ Trotzdem freue er sich auf den Umbau, auf das, was am selben Standort neu entsteht. Die Entscheidung, das Bad für zwei Jahre zu schließen, um den Standort zu halten, ist aus seiner Sicht richtig. „Die Innenstadtnähe ist einfach ideal.“ Und Erfahrungen aus anderen Städten hätten gezeigt, dass die Stammgäste nach einem Umbau wieder kommen würden.

Natürlich werde die Wasserfläche verkleinert. „Aber es wird immer noch ausreichend Sole im Außenbereich zur Verfügung stehen, so dass Werne größtes Solebad im Ruhrgebiet und Münsterland bleibt.“ Durch einen neuen Kleinkinderbereich und eine Rutsche sollen außerdem Familien stärker angesprochen werden. „Wenn es eine Rutsche gibt, komme ich wieder“, freut sich der zwölfjährige Pascal aus Oberaden.

Tränen erlebte dagegen Marion Lohrsträter, als sie am Donnerstag ihre vorletzte Wassergymnastik leitete. „Gerade für viele Ältere war das eine Anlaufstelle“, erzählt sie. Am Sonntag rief sie vorerst zum letzten Mal ihre Anweisungen vom Beckenrand. Er werde seine Schwimm-Clique vermissen, sagte ein Bergkamener. „Man kam ja auch wegen der Kommunikation hierher.“ - asz

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