Gute Stimmung im Streik-Cafe der Kik-Mitarbeiter

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Über 140 Mitarbeiter im Arbeitskampf versammelten sich am Samstagmorgen in Unna.

BÖNEN - „Montag geht´s weiter!“, gab Gewerkschaftssekretärin Christiane Vogt am Samstag die Entscheidung der Verhandlungskommission bekannt. Die Folge: Jubel und Applaus der 145 Kik-Beschäftigten im Streik-Cafe in Unnas Kurpark.

Die Männer und wenigen Frauen, viele mit Migrationshintergrund, aus dem Zentrallager des Discounters an Bönener Siemensstraße meinen es ernst. Einer von ihnen stimmt mit geballter Faust den simplen Schlachtruf „Verdi“ an, die anderen folgen.

Jeden Morgen treffen sich die Streikenden im „Cafe Bistro im Park“. In Bönen fehlen geeignete Räumlichkeiten, erklärt Streikführerin Christiane Vogt. „Dann beraten wir, was wir machen“, erklärt Timo Melchert. Ihm geht es „um ein bisschen mehr Geld in der Tasche, aber auch um geregelte Arbeitszeiten“. Der Bönener ist seit 2011 im Warenausgang des Konzerns beschäftigt.

Und Melchert ist Single, kommt „bis zum 20. des Monats“ mit dem Lohn aus, braucht keine staatliche Unterstützung als so genannter Aufstocker wie Familienvater Tuncay Saba. Der Hammer steht an der Wickelmaschine, ist schon seit zwölf Jahre im Unternehmen, seit acht Jahren Gewerkschaftsmitglied. „Morgens um vier fängt die Schicht an und geht in der Regel bis 13.45 Uhr“, erzählt er. „In der Frühschicht sind das 45 Minuten mehr als normal, in der Spätschicht eine Stunde – und das ohne Zuschläge.“ Er verzichte am Wochenende durch Samstagsarbeit auf Zeit mit der Familie. Das würde das Unternehmen nicht entsprechend entlohnen. „Im letzten Monat kamen 240 Stunden zusammen, ohne dass wir dafür Zulagen bekommen haben“, erzählte er. „Wenn wir wollen, dass sich etwas ändert müssen wir was tun.“

Angst vor Repressalien und dem Verlust des Arbeitsplatzes haben weder er noch Melchert. Beide haben einen Festvertrag. Auch den Verzicht von etwa 20 Prozent des Nettoeinkommens – das Streikgeld liegt bei 80 Porzent dessen – nehmen sie im Sinne der Sache, nämlich endlich einen Tarifvertrag durchzusetzen, in Kauf.

„Unsere Mitglieder mit Zeitvertrag haben wir gebeten, die Arbeit im Lager fortzuführen“, erklärt Vogt die Situation vor Ort. Insgesamt seien ungefähr die Hälfte der 500 Beschäftigten Verdi-Mitglieder. „Das der Betrieb nahezu reibungslos weiterlaufe, stimmt nicht.“ Durch Leiharbeitsfirmen könne das Unternehmen den Ausfall der Arbeitskraft nicht auffangen. „Die meisten halten sich an das seit 2013 geltende Verbot, ihre Mitarbeiter in bestreikte Betriebe zu entsenden.“

Auch wenn die Kik-Geschäftsleitung mit „sehr subtilen Maßnahmen gegensteuere“, sagt Vogt, sind Melchert wie Saba guter Hoffnung, ihre Ziele durchsetzen zu können. Die Arbeitskampflust der Beschäftigten ist offensichtlich ungebrochen. Großes Gelächter provozierte am Samstag ein Rundbrief der Firmenleitung, der im Unternehmen kursiert. Das Dokument, das viele Vorzüge einer Arbeit bei Kik aufführt, sollen die Beschäftigten unterschreiben. „Ja aber unter den Augen der Vorarbeiter“, kam ein Zwischenruf.

Vor allem der Punkt des Briefes, in dem es heißt: „...denn jede Minute, die wir länger auf der Arbeit sind, sammeln wir und bekommen dafür in ruhigeren Phasen frei....“, sorgte für Heiterkeit. „Lasst euch nicht entmutigen, das geht nur bei gravierenden Verstößen“, erklärte Vogt zu einem Gerücht, dass dem Betriebsrat ein Amtsenthebungsverfahren drohe. Es sah im Cafe Bistro aber gar nicht so aus, als wolle irgendjemand den Arbeitskampf aufgeben. Für Mittwoch hat sich Bönens Bürgermeister Rainer Eßkuchen im Streik-Cafe in Unna angekündigt. - ml

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