Über Umwege von Lenningsen auf die Bühne

Bönener Schauspielerin Sinja Dieks: Bergdoktor, Soko und Tatort

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Die zierliche 29-Jährige wirkt sehr mädchenhaft. „Das bringt mir oft jüngere Rollen ein“, sagt Sinja Dieks.

Bönen - Zu Weihnachten lief im Fernsehen der Märchenfilm „Die sechs Schwäne“ – in der Hauptrolle Sinja Dieks. Im Januar ist die Schauspielerin, die in Lenningsen aufwuchs, in einer ARD-Dokumentation zu sehen, im März in der Soko München. Mittlerweile lebt die 29-Jährige in Berlin und ist gefragt am Theater und in Fernsehproduktionen.

„Eigentlich wollte ich Tänzerin werden“, erzählt Sinja Dieks, die ihre ersten 16 Lebensjahre in der ländlichen Idylle von Lenningsen verbringt. „Meine Eltern hatten hier ein Haus gebaut mit einem großen Garten.“ Mit ihrer Schwester wächst sie mit viel Bewegungsfreiheit im Grünen auf. Die ersten vier Schuljahre besucht sie die Ermelingschule. „Ich erinnere mich noch an Herrn Link, meinen Lehrer in der ersten Klasse. Den habe ich sehr gemocht.“

Zum ersten Mal „Bühnenluft“ schnuppert sie im Alter von fünf Jahren. „Meine Mutter machte als Lehrerin mit ihrer Klasse ein einwöchiges Schulprojekt im Zirkus Travados in Unna“, erinnert sie sich. „Da meine Schwester und ich noch klein waren, nahm sie uns mit.“ Sinja Dieks ist gleich fasziniert von der Arbeit in dem Schulzirkus und von der Akrobatik. Für sie steht fest: „Da will ich auch mitmachen.“

Allerdings muss sie sich noch fünf Jahre gedulden. „Bei der ersten Gelegenheit im Alter von zehn Jahren war ich bei der Sommerfreizeit dabei.“ Von da an macht sie regelmäßig bei Travados mit. Die intensive Probenarbeit in der Akrobatik – das ist ihr Ding.

Bis zum 15. Lebensjahr besucht Sinja Dieks das Pestalozzi-Gymnasium in Unna. Als der Entschluss reift, Tänzerin zu werden, wechselt sie an das Musische Gymnasium in Essen-Werden, wo es eine Tanzklasse gibt. „Anfangs fuhr mich meine Mutter täglich zum Bahnhof in Kamen und ich pendelte zwischen Lenningsen und Essen“, erinnert sie sich. „Mit 16 Jahren zog ich dann in eine WG nach Essen.“ Ein früher Schritt in Richtung Erwachsenwerden.

Mit Kopf und Körper

Sinja Dieks als „Frida“ (links) mit Anne Moll als „Marchesa Mathilde“ in „Heinrich IV“ bei den Ruhrfestspielen 2014.

Vier Jahre lang lernt sie vormittags, trainiert nachmittags in der Tanzklasse – und kommt zu dem Schluss: „Das ist nicht mein Weg. Ich wollte auch etwas mit meinem Kopf machen, nicht nur mit meinem Körper.“ Sie beendet die Schule und macht eine extreme Wende: In Hamburg schreibt sie sich für das Studienfach Medizin an der Uni ein. Ähnlich wie beim Tanz ist auch hier große Disziplin nötig. „Das kann ich akzeptieren, wenn ich das wirklich will“, sagt sie. „Aber ich sah, dass ich nicht mit derselben Leidenschaft beteiligt war wie meine Studienkollegen.“

Sie macht noch das Physikum, das erste Examen, weiß aber schon, dass sie nicht weitermachen wird. „Und dann hatte ich ein Schlüsselerlebnis. Ich sprach mit einem befreundeten Journalisten und erzählte ihm, dass ich journalistisch arbeiten möchte, Filmkritiken schreiben, weil mich Film und Schauspielerei faszinieren.“ Seine Antwort ist die Initialzündung zu ihrer Laufbahn: „Ich glaube, du willst eigentlich Schauspielerin werden.“

„Entscheidung nicht so nahe.“

Den Wunsch hat sie sich selbst bis dahin nicht eingestanden. „Meine Familie hat mit Theater und Film nichts zu tun“, sagt sie. „Da liegt die Entscheidung nicht so nahe.“ Dennoch wagt sie den Schritt und bewirbt sich 2008 bei staatlichen Schauspielschulen. Von der Hochschule für Film und Fernsehen in Potsdam wird sie angenommen.

Dort konzentrierte sich die Ausbildung neben dem Theaterhandwerk auch auf die Filmarbeit. Knapp vier Jahre lang erhält Sinja Dieks dort ihr Rüstzeug für den Schauspielberuf und schließt im Sommer 2012 mit der Bachelorarbeit ihre Ausbildung ab. Ein Jahr zuvor stand sie bereits für den Märchenfilm „Die sechs Schwäne“ vor der Kamera, in dem sie die Hauptrolle der Constanze spielt. Eine schauspielerische Herausforderung, da sie, um ihre verzauberten Brüder zu retten, nahezu im gesamten Film nicht sprechen darf.

Regelmäßig im TV

Inzwischen ist sie regelmäßig in beliebten Serien wie „Tatort“ und „Soko“ oder in Fernsehfilmen wie „Ein Sommer in Barcelona“ oder „Mord in bester Gesellschaft“ zu sehen. Aber sie spielt auch regelmäßig Theater – etwa 2014 bei den Ruhrfestspielen in Recklinghausen in „Heinrich IV“. „Theater-Engagements bedeuten allerdings auch, dass man in der Regel für drei Monate gebunden ist“, sagt sie. „Wenn dann währenddessen ein gutes Angebot kommt, sollte man sich nicht ärgern. Schließlich steckt man ja im besten Falle bereits in einem tollen Projekt.“

In der TV-Serie "Der Bergdoktor" spielt Sinja Dieks die Schwester von Marlies Leitner

Der Schauspielerberuf bedeute auch immer eine gewisse Unsicherheit, was Angebote betrifft. „Aber ich genieße das als spannende Herausforderung fernab von Alltagsroutine.“ Bisher kann sie mit dem eingeschlagenen Weg aber gut leben, versichert Sinja Dieks. „Ich spüre die Entwicklung, wie eine Arbeit auf der anderen aufbaut.“ Bisher hat sie Episonden- und Hauptrollen vor allem in Reihen und Fernsehfilmen. Zurzeit genießt sie diese Vielfältigkeit, fände es aber durchaus reizvoll irgendwann als Tatort-Kommissarin zu ermitteln.

Bereits am Montag, 18. Januar, spielt sie in der ARD-Dokumentation „Vater, Mutter, Hitler“ (23.30 Uhr) Ida Zimmer, die in Unna lebte. „Ein Zufall, den ich erst beim Lesen des Drehbuchs entdeckte.“ Am 14. März erscheint Sinja Dieks in einer Folge der Soko München auf dem Bildschirm.

2016 ist für Sinja Dieks gut angelaufen mit verschiedenen Projekten, die sie im Laufe des Jahres umsetzen wird. Die Chancen stehen also gut, sie auch weiterhin regelmäßig auf dem Bildschirm zu erleben.

Schaut sie sich ihre eigenen Filme an? „Auf jeden Fall! Man lernt viel, wenn man sich in dem fertigen Produkt sieht. Da merkt man auch, wo man sich noch verbessern kann.“

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