Bönener Gastfamilien für minderjährige Flüchtlinge gesucht

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Torsten Göpfert, Christine Becker-Gierke, Eva Berger-Haschke und Gerhard Steiner stellen die Infobroschüre vor.

Bönen - Immer häufiger flüchten Kinder und Jugendliche alleine vor Krieg und Terror aus den Krisengebieten dieser Welt. Auch im Kreis Unna sind inzwischen rund 30 minderjährige Flüchtlinge angekommen, für die das Kreis-Jugendamt nun eine Unterkunft sucht.

Die Minderjährigen werden inzwischen bundesweit in die Obhut der Jugendämter gegeben, also auch in die des für Bönen, Holzwickede und Fröndenberg zuständigen Kreis-Jugendamtes. „Die Frage ist, wo ein Jugendlicher beherbergt und das Schutzziel der Jugendhilfe erreicht werden kann“, sagte Jugenddezernent Torsten Göpfert am Donnerstag in einem Pressegespräch.

Eine Lösung sei es, die jungen Menschen nach dem „Clearingverfahren“, also der genauen Beobachtung in einer Einrichtung, in Familien unterzubringen. Ganz bewusst wählte Göpfert den Begriff Gast- statt Pflegefamilien, denn die Geflüchteten hätten nunmal einen anderen Status als andere Pflegekinder. Die Jugendlichen seien in der Regel zwischen 14 und 17 Jahren alt und suchten nicht unbedingt einen emotionalen Anschluss. „Sie haben ja meistens noch eine Familie in ihrer Heimat“, so der Jugenddezernent. Vielmehr ginge es darum, ihnen für eine absehbare Zeit ein Zuhause und Schutz zu bieten und ihnen zu helfen, Fuß zu fassen. Kinder, die durch die Flucht oder Kriegs- und Gewalterfahrungen traumatisiert sind, würden natürlich nicht in Familien kommen, sondern in Einrichtungen betreut.

Schon jetzt haben sich sieben Familien beim Kreis gemeldet, die einen jungen Geflüchteten aufnehmen wollen, vier davon stammen aus Bönen. Interessenten bekämen innerhalb von einer Woche den Termin für ein Erstgespräch, erklärte Eva Berger-Haschke vom Pflegekinderdienst des Kreises. Anschließend prüfen sie und ihre Kollegen, ob eine Familie oder eine Einzelperson geeignet ist, einen Minderjährigen aufzunehmen. Unter anderem würden die Familien zu Hause besucht, sie müssten ein Führungszeugnis sowie einen Lebenslauf vorlegen und nachweisen, dass sie gesund sind. Für die Jugendlichen sollte ein eigenes Zimmer zur Verfügung stehen, und auch Erziehungserfahrung sollten Interessierte mitbringen. „Arabische oder afrikanische Sprachkenntnisse wären wünschenswert, Türkisch, Französisch oder Englisch sind auch gut“, sagte Eva Berger-Haschke. Melden kann sich jeder, der sich dieser Aufgabe stellen will, zum Beispiel auch Alleinlebende oder gleichgeschlechtliche Paare. Sollte dann ein Jugendlicher bei ihnen einziehen, werden die Gasteltern intensiv vom Jugendamt betreut und bei Krisen sofort unterstützt. Zudem bekommt jedes Kind einen rechtlichen Vormund.

Um Interessierten einen Überblick zu geben, was sie erwartet, wenn sie einen jungen Flüchtling aufnehmen, hat der Kreis ein Faltblatt herausgegeben. Es liegt öffentlich aus, kann aber auch auf der Internetseite www.kreis-unna.de eingesehen werden. Die wichtigsten Voraussetzungen nannte Torsten Göpfert aber schon vorab: „ein Höchstmaß an Toleranz und Offenheit.“ Die Jugendlichen seien überwiegend männlich, Muslime und kämen aus dem arabischen und afrikanischen Raum - zurzeit insbesondere aus Afghanistan und Syrien. Daher könnten sich ihre Wertvorstellungen, Essgewohnheiten und Tagesabläufe von unseren unterscheiden. „Für die Gastfamilien ist es aber sicher eine interessante Erfahrung, die den Horizont erweitert“, ist er sich sicher.

Wer einem minderjährigen Flüchtling ein Zuhause bieten, eine Patenschaft übernehmen oder sich als Dolmetscher betätigen möchte, soll sich bei Eva Berger-Haschke unter der Rufnummer 0 23 03/27 34 51 oder bei Christine Becker-Gierke, 0 23 03/91 39 20, melden.

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