"Urban Lights Ruhr" in Bergkamen

Künstlerischer Abgesang auf den Wohnturm

BERGKAMEN - Die Stadt ist um ein Lichtkunstwerk reicher, wenn auch nur auf Zeit. Am Freitagabend war Premiere der "Urban Lights Ruhr" am Wohnturm, der im Mittelpunkt einer beeindruckenden Laserschau stand. Es war ein künstlerischer Abgesang auf ein ungeliebtes Gebäude.

Wer vor einigen Jahren gesagt hätte, dass der Wohnturm in der City mal Zentrum einer überregionalen Kunstaktion sein würde, wäre vermutlich für verrückt erklärt worden. Jetzt, wo das Ende besiegelt ist, erfolgte die Abschiedsvorstellung. Unter dem Dach von „Urbane Künste Ruhr“ verdeutlichten die Künstlerkollektive „osa“ und „realities:united“, dass das verfallenene und vom Abbruch bedrohte Haus nicht nur ein simpler, hässlicher Klotz, sondern Teil der Stadtgeschichte ist – was letztlich die Intention war, die hinter der Aktion stand.

Mehr Bilder von der Premiere

Lichtzeichen am Cityturm

Lesen Sie dazu auch:

Wohnturm wird zum Kunstobjekt

All diejenigen, die sich schon seit langem den Abbruch des leer stehenden Gebäudes wünschen, bekamen einen Vorgeschmack auf die Citysilhouette ohne Hochhaus. Von zwei Seiten schwarz angestrichen, war das Gebäude in der Dunkelheit kaum wahrnehmbar.. Das ändert sich erst, als per Laserlichtinstallation das Innere nach außen gekehrt wurde. Der Turm legte sein Skelett offen, filigran – er wirkte fast wie ein Rohbau. Zu schön, um wahr zu sein.

Die überwiegende Zahl der Bergkamener dürfte das Gebäude in der Vergangenheit kaum unter künstlerischen Gesichtspunkten wahrgenommen haben. Warum das so war und noch immer so ist, wurde im Radio deutlich: Viele ehemalige Bewohner haben haben halt weniger gute Erinnerungen an die Zeit. Gesendet wurde über Ultrakurzwelle. Per Miniradio, das an die Zuhörer verteilt wurde, erfuhren die Gäste etwas über die Geschichte und über die Geschichten. Die osa-Künstler hatten in den vergangenen Wochen den Kontakt zu Bergkamener Bürgern gesucht. Leider klappte die Funkverbindung nicht immer.

Mit ihr Kunstinstallation „Sender“ läst die Gruppe „realities: united“ einen Industrieroboter mit dem Wohnturm kommunizieren, der auf dem Parkdach der Turmarkaden installiert wurde. Er soll, so die Künstler, das bewerkstelligen, was bislang nie der Fall war: eine echte Verbindung zum Rest der Stadt herstellen. Der Roboter schwingt bei Dunkelheit eine Leuchtröhre, die wie ein Lichterschwert wirkt. Im Hellen schwenkt er mit erschreckender Präzision eine Fahne oder absolviert Hantelübungen.

Während die Künstler am Nachmittag beim Symposium unter sich waren, hatten sich am Abend dann doch zahlreiche Zuschauer auf dem Parkdeck eingefunden. Die Aktion wird im Übrigen morgen sowie am kommenden Freitag und am Samstag wiederholt. Zeitpunkt: Von 15 Uhr bis Mitternacht. - hal

Rubriklistenbild: © Klammer

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare