So schwierig ist der Weg in den Job

Traumberuf Fluglotse

Fluglotsen arbeiten selbstverantwortlich, haben viel Freizeit und hohe Einkommen. Kein Wunder, dass die Flugsicherung sich die Bewerber aussuchen kann. Ihr Weg wird in den kommenden Jahren noch steiniger.

Fluglotse ist für viele junge Leute ein Traumberuf: Eine vergleichsweise kurze, von Beginn an bezahlte Ausbildung führt in einer krisensicheren Beruf mit hoher individueller Verantwortung und zahlreichen Annehmlichkeiten. Doch die zur Verfügung stehenden Ausbildungsplätze werden nach einem Boom derzeit wieder knapper. Nur rund 60 Plätze hat die bundeseigene Deutsche Flugsicherung (DFS) für 2015 im Programm. Trotzdem werden sich am Samstag rund 1500 junge Leute im Kontrollzentrum Langen bei Frankfurt über den möglichen Einstieg in die Welt der Luftfahrt informieren.

Kurioses zwischen Himmel und Erde

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Die DFS hat ihre ausgedünnte Personaldecke in den vergangenen Jahren wieder mächtig auf rund 2100 Lotsen verstärkt. Bis zu 200 Männer und Frauen begannen jährlich die zweistufige Ausbildung mit Theorieblock und Training im Job. 2013 waren es noch 160 Anfänger, für 2014 sind die 120 Stellen bereits komplett vergeben, sagt DFS-Sprecher Axel Raab. 2015 kehre man mit 60 Neu-Lotsen auf das „normale Maß“ zurück.

Die Gewerkschaft der Flugsicherung (GdF), die schon mal mit einem Überstundenboykott gedroht hat, lobt die Einstellungspolitik ihres Hauses. „Die jungen Leute kommen jetzt in den Towern und Kontrollzentren an. Das hilft uns sehr“, sagt Sprecher Marcus Garske.

Schon vor dem Eignungstest fallen viele Abiturienten durch das Raster. Der Beruf verlangt unter anderem hohe Fitness, einwandfreies Farbsehen sowie uneingeschränkte Hör- und Sehkraft. Brillen bis zu einer bestimmten Stärke dürfen getragen werden und die Bewerber dürfen höchstens 24 Jahre alt sein.

Die höchste Hürde ist dann der Einstellungstest, den in der Vergangenheit bestenfalls 5 Prozent der Angetretenen bestanden haben. Vorbereiten kann man sich auf den einwöchigen Prüfmarathon in Hamburg nur eingeschränkt, sagt DFS-Mann Raab. „Natürlich kann man Englisch pauken, aber in erster Linie geht es um persönliche Eigenschaften.“ Als da wären: Konzentration, Teamfähigkeit, Entscheidungsfreude, Multi-Tasking, räumliches Vorstellungsvermögen und noch einiges mehr.

Enttäuschungen für besonders motivierte Luftfahrt-Freaks sind da programmiert. „Entweder man hat es - oder eben nicht“, sagt nicht nur die Langener Center-Lotsin Lisa Büsch (23). Auch Raab hält nur einen schwachen Trost bereit: „Wer den Test nicht besteht, würde in dem Beruf auch nicht glücklich.“

Der Einstieg läuft relativ flott: Schon nach einem guten Jahr an der DFS-Akademie in Langen wechseln die Schüler in die vier Kontrollzentren oder an einen Tower der 16 internationalen Verkehrsflughäfen, um den Lotsenjob im praktischen Betrieb unter Aufsicht zu erlernen. Schon in dieser Stufe gibt es je nach Belastung am Standort zwischen 3550 und 4800 Euro Bruttogehalt.

Fertige Fluglotsen steigen laut Gewerkschaft innerhalb von elf Jahren nach dem Senioritätsprinzip auf die maximale Gehaltsstufe von etwa 9500 Euro brutto auf. Zu diesem Jahresgehalt von annähernd 124 000 Euro kommen noch Zulagen. Spätestens mit 55 Jahren gehen die Lotsen in den Vorruhestand.

Trotz der attraktiven Konditionen und des zeitweise hohen Andrangs ist Raab überzeugt, dass die DFS ständig weiter Werbung für den Beruf machen muss. „Die Leute kommen sonst nicht auf uns.“ Sobald die Flugsicherung in der öffentlichen Diskussion steht - wie etwa nach der isländischen Aschewolke oder bei Streikdrohungen der GdF - steigen die Bewerberzahlen. Und die DFS will auswählen können, um nur die Besten an die Kontrollschirme zu lassen.

dpa

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