Filmkulisse Heimat

Komödie oder Krimi: Bayern auf der Leinwand

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Drehort für den neuen ARD Kluftinger-Krimi „Seegrund“ am 28. November um 20.15 Uhr in der ARD.

„Kamera läuft, und Action bitte!“ – dieser Spruch ist im Freistaat oft zu hören. Kein Wunder bei der Kulisse. Nachdem das Produkt über die Leinwand flimmerte, wollen viele Zuschauer die gezeigten Orte selbst besuchen.

„Kamera läuft, und Action bitte!“ – dieser Spruch ist im Freistaat Manche Tourismusverbände werben mit ihren Filmstars, andere dagegen haben lieber ihre Ruhe.

Ohne die traumhafte Kulisse Oberbayerns wäre der Film „Wer früher stirbt, ist länger tot“ vermutlich nur halb so schön. Zum Erfolg der Komödie haben neben der Regie, der Handlung und den Schauspielern garantiert auch die Aufnahmen vom Wendelstein, vom Gasthaus in Oberbiberg und dem Dorfplatz in Grainbach ihren Beitrag geleistet. Wobei gerade letzter Schauplatz eifrigen Fernsehzuschauern bekannt vorgekommen sein dürfte: Im Gasthof Alpenrose werden regelmäßig Szenen für die Rosenheim Cops gedreht.

Kulisse für den Film: Der Alatsee in der Nähe von Füssen diente für den aktuellen Kluftinger-Krimi „Seegrund“, der am 25. November in der ARD ausgestrahlt wird, als authentischer Drehort.

Die Filmkameras laufen oft in Bayern. Nicht nur zur Freude der Zuschauer, sondern auch zum Entzücken der Touristiker, denn manche Fremdenverkehrsorte profitieren von der Präsentation auf der Leinwand. Wenn dann auch noch – wie beispielsweise bei der Krimiserie „Der Bulle von Tölz“ – bereits mit dem Titel der lokale Bezug hergestellt wird und Woche für Woche der Ortsname Millionen Fernsehzuschauern als Gratiswerbung ins Wohnzimmer flimmert, kann doch nichts mehr schief gehen. Sollte man meinen.

Die Krimiserie mit dem schwergewichtigen Hauptdarsteller Ottfried Fischer ist ein Paradebeispiel, wie Anja Metzger vom Bayerischen Filmfernsehfond FFF erläutert: „Der Bulle von Tölz gilt als die Initialzündung für Drehort-Vermarktung.“ Die oberbayerische Kreisstadt als ständig wiederkehrende Kulisse der Serie, der unterhaltsame Charakter der Handlung und die nicht zuletzt durch den Dialekt dokumentierte Heimatverbundenheit seien die Erfolgsgaranten.

„Und dann wollte auf einmal jeder einen Bullen haben“, sagt Anja Metzger. Wenn Gäste kommen, wenn Übernachtungszahlen steigen und wenn Geld da bleibt, ändern auch Traditionalisten, die anfangs den Medienleuten reserviert gegenüberstehen, schnell ihre Meinung. Ähnliche Erfolge erzielten Fernsehproduktionen wie die Rosenheim Cops, Forsthaus Falkenau und Hubert & Staller.

Aber was bringt ein TV-Dreh? Simone Zehnpfennig schätzt, dass als Auswirkung der Kluftingerkrimis, die hauptsächlich in der Region rund um Füssen und Kempten spielen, mehrere hundert zusätzliche Besucher pro Jahr anreisen. „Da kommen manchmal sogar ganze Busse angefahren, die die Drehorte sehen wollen“, sagt die Leiterin der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Allgäu GmbH (siehe auch Interview unten).

Die Allgäu-Krimis mit dem kauzigen Kommissar Kluftinger erfüllen wesentliche Erfolgsfaktoren: Die Drehorte existieren wirklich und sind leicht erreichbar, der Filmstoff ist gut verständlich, man kann dem Hauptdarsteller Sympathie entgegenbringen und die Bücher und TV-Filme erreichen inzwischen ein Millionenpublikum. Die Allgäu-Panoramakarte, auf der die Drehorte und Schauplätze der Kluftinger-Krimis eingezeichnet sind, „ist unser beliebtestes Werbemittel“, sagt Zehnpfennig.

Gar nicht gut zu sprechen aufs Fernsehen ist dagegen die Tourismusgemeinschaft Südliches Allgäu. Im vergangenen Jahr machte „Ein Bus voller Bräute“ Station in Seeg. Die heiratswilligen Großstädterinnen und die Crew des Privatsenders VOX nächtigten zwar eine Woche lang im Ort, nervten aber Gemeindeverwaltung und Bewohner mit hohen Ansprüchen, kaum zu realisierenden Forderungen und wenig Einsicht gegenüber behördlichen Auflagen. Die zuständige Tourismusgemeinschaft konnte aber auch über erfreuliche TV-Erfahrungen aus Seeg berichten: „Die Übertragung des Fernsehgottesdienstes wurde sehr gut angenommen.“

Volker Pfau

Die Infos

TERMINE Am Donnerstag, 28. November, läuft um 20.15 Uhr in der ARD der neueste Kluftinger-Krimi „Seegrund“, wiederum mit Herbert Knaup in der Rolle des kauzigen Allgäuer Kommissars.

ANGEBOT Das Akzent Brauerei Hotel Hirsch in Ottobeuren bietet ganzjährig eine viertägige Pauschale an, bei der an einem Tag die Schauplätze und Drehorte der Kluftinger-Krimis besucht werden. Mit 3 Ü/HP, Ausflügen und Besichtigungen ab 189 Euro pro Person. Tel. 083 32/79 67 70, www.hirsch-ottobeuren.de.

FÜHRUNGEN

ALLGÄU: Die Unterallgäuer Gästebegleiter bieten von April bis September Bustouren zu den Tat- und Drehorten der Kluftinger-Krimis für Gruppen sowie regelmäßig Führungen in der Kartause in Buxheim (bekannt aus dem Krimi „Erntedank“) an. Unterallgäuer Gästebegleiter, Tel. 083 94/ 92 68 85, www.unterallgaeuer-gaestebegleiter.de.

KEMPTEN: zweistündige Führungen durch die Innenstadt, von Mai bis Oktober; 6 Euro; Anmeldung bei der Tourist Information unter Tel. 08 31/ 252 55 22, www.kempten.de.

ALTUSRIED: zweistündige Führung in und um Altusried mit Besuch von Milchwerk, Musikheim und Freilichtbühne; 5 Euro; Anmeldung bei der Gästeinformation, Tel. 083 73/ 70 51 www.altusried.de.

AUSSTELLUNG 50 Jahre nach der Uraufführung des Hollywood-Films „Gesprengte Ketten“ mit Steve McQueen, Charles Bronson und James Coburn erinnert das Museum der Stadt Füssen bis zum 5. Januar 2014 mit der Sonderausstellung „Hollywood in Füssen“ an die sechswöchigen Dreharbeiten im Jahr 1963 in der Stadt und im Allgäu. Info: Tel. 083 62/90 31 46, www.stadt-fuessen.de.

LITERATUR Der aktuelle Kluftinger-Krimi „Herzblut“ von Michael Kobr und Volker Klüpfl ist erschienen beim Verlag Droemer Knaur; 400 Seiten, 19,99 Euro, ISBN: 978-3-426-19937-4.

AUSKUNFT In der Karte „Mörderisch spannendes Allgäu“ sind die Schauplätze der Kluftinger-Krimis eingetragen, dazu gibt es zu jedem Band touristische Infos mit Bezug zur Handlung. Die Karte – und weiteres Info-Material – gibt es kostenlos bei der Allgäu GmbH unter der Gratisnummer 08 00/257 36 78 oder unter www.allgaeu.info.

„Da profitiert die ganze Region davon“

Wenn die Kamera läuft – ist das Fluch oder Segen für ein Tourismusgebiet? Wir wollten von Simone Zehnpfennig von der Allgäu GmbH wissen, was ein Filmdreh für eine Region bringt.

Wird derzeit im Allgäu fürs Kino oder fürs Fernsehen gedreht?

Simone Zehnpfennig: Gerade hat der SWR seine Kameras eingepackt. Das Team um Moderatorin Anna Lena Dörr war bis Ende September hier und hat für die Sendung „Expedition in die Heimat“ gedreht. Die 90-minütige Folge „Unterwegs im Allgäu“ wird am 22. November im SWR Fernsehen ausgestrahlt.

Nach welchem Film hat die Nachfrage nach den Drehorten begonnen?

Das kann man eigentlich nicht an einem einzigen Film festmachen. Natürlich hat es nach der Ausstrahlung der Kluftinger-Krimis „Erntedank“ und „Milchgeld“ eine verstärkte Nachfrage gegeben. Wenn das Allgäu in Fernsehsendungen gezeigt wird, registrieren wir fast immer eine stärkere Nachfrage, egal, ob es sich um die Weihnachtssendung von Marianne und Michael handelt – da sind gleich ganze Fanclubs hinterhergereist – oder um eine Natur-Doku wie „Deutschland von oben“. Bei Fernseh- oder Kinofilmen, in denen nur einzelne Szenen hier gedreht wurden, gibt es nur wenige Nachfragen. Ein Sonderfall ist der Film „Gesprengte Ketten“ mit Steve McQueen. Zum 50. Jubiläum der Dreharbeiten und des Kinostarts kamen einige Reisegruppen aus den USA und besuchten die Drehorte.

Was bietet Allgäu Tourismus filminteressierten Besuchern?

Wir haben eine spezielle Kluftinger-Karte, in der die Dreh- und Tatorte eingezeichnet sind. Dazu bieten Orte wie Kempten und Altusried sowie die Unterallgäuer Gästebegleiter Führungen rund um die Krimis und zu den Schauplätzen an. Den Filmschaffenden nutzen wir auch, da wir mit dem Bayerischen Filmfernsehfond FFF zusammenarbeiten und Unterstützung in verschiedenen Bereichen anbieten. Außerdem führen wir spezielle Exkursionen zur Drehortrecherche durch.

Kann man die Zahl der Besucher beziffern, die nur wegen der Drehorte bzw. den Dreharbeiten ins Allgäu kommen?

Aufgrund der Kluftinger-Karte, die wir verschicken, und den Auflagezahlen der Krimis kommen wohl einige hundert Besucher pro Jahr extra deswegen ins Allgäu; das wissen wir von Busgruppen, die Führungen buchen. Andere Gäste nehmen dies zusätzlich mit. Darüber haben wir keine exakten Zahlen, es dürften aber noch einmal so viele sein.

Welche Vorteile bringt ein Filmdreh? Wer profitiert davon?

Da profitiert die ganze Region davon, denn es ist gut fürs Image, wenn schöne Bilder aus dem Allgäu gezeigt werden. Die Drehorte von Krimis werden oft von Gästen aufgesucht. Wenn ein Gasthaus porträtiert wird, zum Beispiel in einer Kochsendung, oder wenn es ein Dreh­ort beim Kluftinger war, dann kommen hinterher viele Gäste dort hin. Burgen und Schlösser profitieren vor allem, wenn sie Teil einer Musiksendung waren. In der Nachhaltigkeit sind aber Zeitungen noch wirksamer: Da gibt es nach Artikeln konkrete Nachfragen, weil die Printmedien die Kontaktadressen dazu liefern.

... und welche Nachteile haben die Dreharbeiten?

Wenn die Sendungen wenig bis kein Niveau haben oder wenn es sich um düstere Krimis handelt, dann befürchtet man einen Imageverlust. Ärgerlich ist es, wenn die Drehteams unbedingt in ein Naturschutzgebiet wollen und dann drohen, sie würden komplett abziehen, weil wir keine Ausnahmen machen können.

Interview: Volker Pfau

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