EM 2016

Im Büro am Ball bleiben: Darf ich am Arbeitsplatz die EM verfolgen?

panthermedia / werner.heiber

Gespräche über Fußball gehören in vielen Büros zum Alltag - dort auch Fußball zu schauen dagegen weniger. Wenn am Freitag in Frankreich die Europameisterschaft beginnt, bringt die zeitliche Überschneidung von Arbeit und Anstoß so manchen in die Zwickmühle.

Wer während eines Spiels arbeiten muss, muss deshalb aber nicht automatisch auf Fußball verzichten. Ein Überblick, was am Arbeitsplatz erlaubt ist:

RADIO

Ein Spiel am Radio zu verfolgen, ist aus Arbeitnehmersicht die unproblematischste Art, im Büro am Ball zu bleiben. Grundsätzlich dürfen die Geräte mit zur Arbeit gebracht werden. Allerdings kommt es ebenso grundsätzlich darauf an, woraus genau die Arbeit besteht und ob sie durch das Zuhören beeinträchtigt wird: Ein Pförtner zum Beispiel kann eher mal ein paar Minuten dem Kommentator folgen als ein Bereichsleiter einer Bank, der konzentriert einen Fall bearbeitet. Auch Kollegen oder Kunden dürfen nicht gestört werden.

Am besten ist es, vorher mit dem Chef abzuklären, ob Radiohören erlaubt ist. Verbieten Vorgesetzte es, müssen sie vorher den Betriebsrat informieren - ansonsten ist das Verbot unwirksam.

FERNSEHER

Schwieriger gestaltet sich das Fußballgucken am Fernseher. Kein Chef muss sich bieten lassen, dass Angestellte 90 Minuten gebannt vorm Bildschirm hocken. Allerdings hat die Rechtslage sich hierbei zugunsten der Arbeitnehmer verschoben. Drohte früher beim Fernsehgucken während der Arbeit noch eine Kündigung, so wird inzwischen erst einmal eine Abmahnung fällig, sagt der Kölner Arbeitsrechtler Michael Felser.

Hintergrund ist eine Entscheidung des Arbeitsgerichtes Frankfurt. Dieses erklärte ein Kündigung für ungültig, die einem Verkäufer eines Elektromarktes ausgesprochen wurde. Der Mann hatte während der Arbeit ein Spiel der WM 2010 auf einem Fernseher laufen lassen und sollte deshalb gefeuert werden. Das Gericht klassifizierte Fußballgucken während des Turniers jedoch als sozial angemessenes Verhalten, weswegen mit einer Abmahnung gewissermaßen nur eine "gelbe Karte" als Sanktion zulässig sei.

INTERNET

Spiele per Live-Ticker oder Stream im Internet zu verfolgen, wird dank der Vielfalt an Angeboten immer einfacher - und für eingefleischte Fans auch immer verlockender. Hat der Arbeitgeber jedoch die private Nutzung des für dienstliche Zwecke bereitgestellten Internetzugangs verboten, kann ein Verstoß zur Kündigung führen. Auch wenn kein ausdrückliches Verbot ausgesprochen wurde, ist Vorsicht geboten: Einem Urteil des Bundesarbeitsgerichtes zufolge kommt dies einem Verbot gleich. Und selbst bei erlaubter Privatnutzung des Internets kann ausschweifendes Online-Surfen schlimmstenfalls zum Jobverlust führen.

LAPTOP und HANDY

Mitgebrachte Laptops oder Smartphones mit eigenem Internetzugang können nach Einschätzung von Arbeitsrechtler Felser womöglich eine Alternative sein: Wird mit den Geräten Radio gehört, dürfte dieselbe Rechtslage gelten wie bei einem herkömmlichen Radiogerät. Auch das Abfragen von Spielständen per Live-Ticker kann wegen der verhältnismäßig geringen Ablenkung geduldet werden. Wird aber die Aufmerksamkeit durch große Anspannung oder Euphorie gestört, dürfte auch die Nutzung eines privaten Netz-Zugangs eine Verletzung der Arbeitspflicht bedeuten und könnte nach Abmahnung zur Kündigung führen.

UNPÜNKTLICHKEIT

Auch wer etwa am Vorabend zu Hause oder in den Pausen Spiele verfolgt, muss auf die Erfüllung seiner Arbeitszeit achten: Wiederholtes Zuspätkommen ist ein Kündigungsgrund. Gleiches gilt, wenn während der EM "krank gefeiert" wird. Kommt heraus, dass der Arbeitnehmer stattdessen Fußball geschaut hat, kann nach Abmahnung die fristlose Kündigung folgen.

AFP

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