Liebe auf den zweiten Blick

Renault Kadjar im Alltagstest

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Ganz schön groß: Glücklich, wer in der Stadt einen passenden Parkplatz für den Kadjar findet. Er ist 4,45 Meter lang, 1,84 Meter breit (ohne Außenspiegel) und 1,61 Meter hoch.

Gestatten: Mein Neuer heißt Kadjar. Und es war Liebe auf den zweiten Blick ... Früher auf ökonomisch korrekte Kleinst-Flitzer programmiert, kann es mir neuerdings nicht mehr groß genug sein.

Das alles klingt und ist vielleicht auch alles SSUV (Sehr Sehr UnVernünftig). Aber was soll man tun? Er macht halt so viel Spaß, der Große.

Renault Kadjar vermittelt Ruhe und Kraft

Der erste Eindruck des Kompakt-SUV von Renault entlockt auch männlichen Mitfahrern einen anerkennenden Pfiff: Starke 4,45 Meter lang, 1,84 breit und 1,61 Meter hoch steht er da im weißen Schimmerlack mit Perlmutt-Optik, Außenspiegeln in Klavierlack-Schwarz und mächtigen Reifen auf diamantpolierten 19-Zoll-Leichtmetallfelgen. Ein bärenstarker Auftritt, der sich im Innenraum fortsetzt: Endlich mal richtig Platz für alle Insassen nach allen Seiten – auch nach oben. Im Cockpit: Eleganter Minimalismus, der ohne nervigen Schnickschnack auskommt und dennoch viele Wünsche erfüllt. Im Lederpaket (1390 Euro) sind ultrabequeme anthrazitfarbene, beheizbare Vordersitze enthalten, der Fahrersitz ist elektrisch verstellbar. Wir schließen die Tür und die böse Welt bleibt draußen. Schon auf den ersten Metern vermittelt der Kadjar ein luxuriöses Fahrgefühl, Kraft und Ruhe und verschafft sich schon allein aufgrund seiner Erscheinung Respekt.

Der Kadjar ist sensibel

Sicherheit ist ein großes Thema: Toter-Winkel-Warner in den Außenspiegeln, Notbremsassistent, Berganfahrassistent, Voll-LED-Scheinwerfer und ein Spurhalte-Warner, dessen bedrohlich brummender Warnton quasi ein nahendes Erdbeben ankündigt und die geschätzte Fahrerin beim ersten Mal echt erschreckt hat. Überhaupt die Töne: Die 360-Grad-Sensoren kommentieren in allen Tonarten und unüberhörbar jedes Hindernis, was in den ersten Abfahrten in den Bauch der engen 70er-Jahre-Tiefgarage für mittleres Herzrasen sorgt. Zwei Tage begleitet mich ein penetranter Piepton, dessen Quelle mir trotz Downloads des 298 Seiten starken Manuals zunächst verborgen bleibt. Am Ende war es die Handtasche, die je nach Lage den hypersensiblen Gurtsensor des Beifahrersitzes ausgelöst hat. Darauf muss man erst mal kommen …

Schnörkellos und pur wirkt das Cockpit. Der Touchscreen liefert ein gestochen scharfes Bild.

Die elegante Form mit der nach oben laufenden Seitenlinie bei gleichzeitig leicht abfallendem Dach hat zur Folge, dass die Sicht nach hinten rechts eingeschränkt ist. Beim Einparken macht dieses Problem die gut geführte Rückfahrkamera wett. Überhaupt das Bordsystem: Ein gestochen scharfer 7-Zoll-Touchscreen und sich selbst erklärende Funktionen der Radio-, Telefon- und (TomTom-)Navigationsfunktionen machen die Bedienung zum Kinderspiel. Das Online-Media-System hat – wie immer bei Renault – allerhand Entertainment-Funktionen. Zum Beispiel der Luftqualitätssensor in Form eines Eco-Blättchen, der freundlich mahnt: Ras’ doch nicht so und schalt mal früher.

Liebe auf den zweiten Blick. 

Die Herrschaften möchten verreisen? Bitte sehr: Der Kofferraum fasst bis 1478 Liter. Die Rücksitzlehnen lassen sich getrennt umklappen, die Fernentriegelung Easy Break ist in den Ausstattungen Xmod und Bose Edition (Testwagen) Serie. Seine wahre Stärke zeigt der große Franzose auf der Strecke (190 km/h Höchstgeschwindigkeit). Sind Sie jemals in einem richtig schönen Auto zur Musik von Èdouard Lalo durch das föhnige Allgäu geglitten? Machen Sie das. Es vergoldet den Tag. In der Nacht bewährte sich übrigens der Fernlicht-Assistent – ein weiteres Merkmal von Komfort und Sicherheit. Zusammenfassend ist der Renault Kadjar ein gelassener Partner für Leute mit großem Platzbedürfnis, Freude an langen Fahrten und Besitzer eines festen Parkplatzes am Ziel, falls man in der Großstadt ohne Parkraum leben sollte. Die Parkstadtsuche in der Münchner Altstadt war jedenfalls nicht witzig. Der Vierzylinder läuft leise und ist trotz seiner Größe kein Schluckspecht: 6,0 Liter im Test sind ein sehr gutes Ergebnis. Der günstigste Diesel mit 130 PS kostet 26 990 Euro, mit Vierradantrieb 29 980 Euro. Der großzügig ausgestattete Testwagen mit dem Bose-Soundsystem liegt bei 33 490 Euro.

Nach zwei Wochen beendet der Testvertrag erbarmungslos an einem Montagmorgen unsere glückliche Liaison. Au revoir, charmanter Franzose. Es war schön mit dir! 

Dorita Plange

Renault Kadjar dCi 130

  • Leistung: 130 PS
  • Höchstgeschw.: 190 km/h
  • Max. Drehmoment: 320 Nm bei 1750 U/min
  • Null auf 100 km/h: 9,9 sek.
  • Hubraum: 1598 cm³
  • Verbrauch EU Drittelmix: 4,3 l/100 km (Hersteller)
    6,0 l/100km (im Test)
  • Leergewicht: 1490 kg
  • Kofferraumvolumen: 472-1478 Liter
  • Basispreis: 26 990 Euro

Der neue Renault Kadjar

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