Gebrauchter Luxus

Große Autos für kleines Geld

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Münchner Flaggschiff: Der BMW 7er Modell 2012 stand als Neuwagen ab 74.900 Euro auf der Liste.

Eine Luxuslimousine als Neuwagen kaufen? Dazu fehlt vielen das nötige Geld. Aber als Gebrauchte sind die Luxusliner attraktiv. Wer wirklich ein Schnäppchen machen möchte, muss aber Geduld haben.

Eine neue Mercedes S-Klasse kostet mindestens 80.920 Euro, ein Audi A8 startet bei 76.700 Euro. Und einen 7er BMW gibt es nicht unter 74.200 Euro. Da muss man schon Firmenchef oder Sehr-viel-besser-Verdiener sein, um sich solch eine Luxuslimousine leisten zu können. Oder etwas Geduld haben. Denn als Gebrauchte werden die Oberklassemodelle erschwinglich: Die S-Klasse aus dem Jahr 2000 ist im Schnitt für 6.765 Euro zu bekommen, ein 14 Jahre alter 7er für 7.250 Euro, der A8 dieses Jahrgangs für 5580 Euro - Michael Gebhardt vom Onlinemarktplatz Autoscout24 kann dafür zahlreiche Beispiele nennen.

Wertverlust nach drei Jahren

Die üblichen 50 Prozent Wertverlust in drei Jahren fallen bei einem sehr hohen Neupreis erheblich mehr ins Gewicht als bei einem niedrigen, erläutert Morvarid Talaei-Außenhof vom Marktbeobachter Schwacke. Neben dem absoluten Wertverlust gehen bei Autos der Oberklasse tendenziell die prozentualen Werte in die Höhe, weil nicht zuletzt die meist üppige Ausstattung stark an Wert verliert.

Auch der Zeitgeist macht den Dickschiffen zu schaffen, sagt Dieter Fess vom Restwertspezialisten Bähr & Fess: „Schluckspechte sind außer Mode gekommen.“ Oberklasse-Limousinen mit acht und mehr Zylindern stünden sich als Gebrauchte die Reifen platt, und selbst großvolumige und leistungsstarke Diesel verlören deutlich mehr an Wert als moderater motorisierte Varianten: „Da kann es schon mal sein, dass ein Modell mit V12 plötzlich billiger ist als der Sechszylinder.“

Schluckspechte sind aus der Mode

Dies gilt auf dem Gebrauchtwagenmarkt laut Fess nicht nur für die Motorisierungen, sondern auch für ganze Modellreihen: „Die BMW X5, Audi Q7 und Mercedes ML dieser Welt liegen bei den Restwerten mit bis zu vier Prozentpunkten schlechter als die kleineren Modelle X3, Q5 oder GLK.“ Schlecht für den Vorbesitzer, gut für Schnäppchenjäger.

Wer von dieser Entwicklung profitieren möchte, dem geben die Experten ein paar Tipps: „Egal, in welchem Segment: Am besten fahre man mit Gebrauchten, die mindestens fünf Jahre alt sind, wenige Kilometer und möglichst viel Ausstattung haben, sagt Fess. „Denn in den ersten Jahren ist der Wertverlust am größten.“ Paradebeispiel dafür seien in der Luxusliga die Modelle der gerade ausgelaufenen Mercedes S-Klasse: „Exemplare mit deutlich unter 80.000 Kilometern und sehr guter Ausstattung sind bereits für 25.000 Euro zu haben.“

Fünf Jahre alt und wenig Kilometer

Weil das aber viele wissen, gehen die Modelle von Mercedes oder auch BMW in der Regel schneller vom Hof als die der Mitbewerber, sagt Malte Krüger, Geschäftsführer der Gebrauchtwagenplattform Mobile.de. Er rät deshalb, mal einen Blick auf den VW Phaeton zu werfen: Der koste halb so viel wie ein durchschnittliches Oberklasseauto und warte vergleichsweise lange auf einen Käufer. „Auch das ist ein Grund, mit dem Händler noch einmal über den Preis zu diskutieren.“

Noch günstiger kann es laut Krüger werden, wenn man den Blick etwas weiter fasst: Es muss ja nicht immer deutsch sein. Der Mobile-Chef nennt beispielhaft die Modelle Cadillac CTS, Lexus LS und Maserati Quattroporte. „Hier ist das Angebot zwar meist überschaubar, aber exotische Fabrikate sind aufgrund der geringeren Nachfrage oft deutlich günstiger zu haben als die deutsche Konkurrenz.“

Luxus bleibt Luxus - auch beim Unterhalt

Doch Vorsicht: Ob deutscher Platzhirsch oder Importmodell - auch die Luxusschnäppchen vom Gebrauchtwagenmarkt können gehörig ins Geld gehen, warnt Autoexperte Gebhardt: „Oberklasse bleibt auch gebraucht Oberklasse“, sagt der Experte hinsichtlich hoher Fixkosten und Ersatzteilpreise. „Deshalb gelten auch beim Kauf von Luxusschnäppchen die üblichen Kriterien: Probefahrt vereinbaren, Karosserie auf Rost prüfen, Motor in Augenschein nehmen.“

Von Thomas Geiger, dpa

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