Unna zeigt Lichtkunst

Lichtdurchflutet: Dirk Vollenbroich mit seiner Installation „Erleuchtung“, zu sehen im Zentrum für Lichtkunst in Unna.
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Lichtdurchflutet: Dirk Vollenbroich mit seiner Installation „Erleuchtung“, zu sehen im Zentrum für Lichtkunst in Unna.

Von Marion Gay -  UNNA Können unsere Gehirnströme das Licht beeinflussen? Welche Masse hat Licht? Und was ist, wenn wir Licht, das wir sonst nur von der Straße kennen, in die Innenräume holen?

Das Zentrum für Internationale Lichtkunst in Unna hatte gemeinsam mit der RWE Stiftung insgesamt 30 internationale Künstler zu einem Wettbewerb eingeladen, um ihre Visionen zur Zukunft der Lichtkunst vorzustellen. Der „International Light Art Award 2015“ (ILAA) war mit 10 000 Euro dotiert, zusätzlich wurden die erst-, zweit- und drittplatzierten Künstler bei der Realisierung ihrer Konzepte finanziell unterstützt.

Erstmalig in diesem Jahr vergeben, soll der Preis in Zukunft alle 2 Jahre ausgelobt werden. Der Award fällt mit dem von der Unesco ausgerufenen „Internationalen Jahr des Lichts“ zusammen, der an die Bedeutung von Licht für Wissenschaft und Kultur erinnert. Am vergangenen Donnerstag fand im Haus der Berliner Festspiele die Preisvergabe statt, die Festrede hielt der Philosoph Peter Sloterdijk.

Nun präsentiert die beeindruckende Ausstellung „The Future of Light Art“ die Arbeiten der drei Finalisten in den Kellergewölben der ehemaligen Lindenbrauerei in Unna, im weltweit einzigen Museum ausschließlich für Lichtkunst.

Die Gewinner sind die Kölner Künstler Andreas Murxel (geboren 1979) und Martin Hesselmeier (geboren 1978) mit ihrer Arbeit „The weight of light“. Die beiden hatten gemeinsam an der Akademie der Künste in Köln studiert. Ihre meterlange Lichtskulptur schlängelt sich wie eine Achterbahn durch das dunkle Gewölbe. Lichtpunkte bewegen sich darauf wie Murmeln, stürzen abwärts, kriechen hinauf. „Licht, wie wir es gewöhnlich wahrnehmen, besitzt keine Masse und Schwerkraft“, so die Künstler. Um die Lichtpunkte dennoch in Bewegung zu versetzen, nutzen sie eine spezielle Computer-Software. Der mal anschwellende, dann wieder verebbende Sound unterstreicht die irritierende Eigendynamik des Lichts.

Die Jury unter dem Vorsitz des im Sommer verstorbenen Zero-Künstlers und Wegbereiter der Lichtkunst Otto Piene wählte Iván Navarro als zweiten Preisträger. Der in New York lebende Chilene (geboren 1972) beschäftigt sich in seinen Arbeiten mit gesellschaftlich geprägten Symbolen, die er aus ihrem üblichen Kontext greift. So ist die Lichtinstallation „Traffic“ ein Mobile aus sechs amerikanischen Verkehrsampeln, die Navarro über einen Online-Store kaufte. Sie tauchen den Raum abwechselnd in rotes, gelbes und grünes Licht. Die drei Farben haben die Macht, unser Verkehrsverhalten zu kontrollieren. Ob und inwieweit sie uns auch im Innenraum beeinflussen, untersucht Navarro mit dieser Arbeit.

Grundlegend partizipativ ausgerichtet ist die Arbeit „Erleuchtung“ des drittplatzierten Künstlers Dirk Vollenbroich aus Köln (geboren 1969). Der Besucher kann sich im Sessel niederlassen und eine kleine Bügelapparatur auf den Kopf setzen. Diese misst die Gehirnströme und wandelt sie in grünes, blaues oder gelb-rotes Licht um. Erst wenn ein meditativer Zustand erreicht ist, entsteht ultraviolettes Licht, in dem das kosmische Wandbild sichtbar wird.

di-so 13–17 Uhr (nur Führungen), Tel. 02303/10 3770;

www.lichtkunst-unna.de

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