Soest würdigt Hans Kaiser zum 100. Geburtstag mit einer Schau zur Glasmalerei

Das Selbstporträt Hans Kaisers aus dem Jahr 1952 ist in Soest zu sehen.
+
Das Selbstporträt Hans Kaisers aus dem Jahr 1952 ist in Soest zu sehen.

Von Bettina Boronowsky SOEST -  Kritisch, spöttisch, undurchdringlich blickend, mit Narrenkappe – so sah sich der Künstler Hans Kaiser (1914–1982) auf einem Gemälde aus dem Jahre 1952. Das Selbstporträt schmückt nicht von ungefähr das Plakat zur Ausstellung „Das Glasmalerische Werk“, die am Sonntag im Soester Museum Wilhelm-Morgner-Haus eröffnet wird. Die transparenten Blautöne, die Gestaltung in großen Schwüngen und die schwarzen Umrisslinien kennzeichnen das Werk als Meilenstein zu seiner glasmalerischen Meisterschaft.

Soest feiert Kaisers Jubiläumsjahr – sein 100. Geburtstag jährt sich am 29. April – ausgiebig. Mit der Ausstellung, einer aufwändigen Monografie und einem weitreichenden Programm ehrt die Stadt einen Künstler, der den Nachkriegs-Westfalen den Blick für die internationale Kunstwelt öffnete und gleichzeitig die lokale Kulturszene der 50er bis 70er Jahre entscheidend prägte.

Kaiser war mehr als ein informeller Maler unter vielen, er war eine singuläre Erscheinung, ist Bärbel Cöppicus-Wex vom Hans-Kaiser-Kreis überzeugt: „Er war ein Raumbildner, der Schöpfer einer anderen Realität.“ 1950 hatte die Stadt Soest den Konkurrenzkampf um Kaisers Gunst gegen die Stadt Hamm gewonnen: Die Soester konnten dem Künstler die attraktivere Unterkunft bieten. Mit der Eröffnung seines Ateliers in Hamm trat der gelernte Maler und autodidaktisch ausgebildete Künstler den Weg in die Abstraktion. Raum, Kalligrafie und Zeichnung sind Schlagworte, die sein Werk kennzeichnen.

Der gebürtige Bochumer pflegte weitreichende Kontakte, war bestens vernetzt, wie man heute sagen würde und arbeitete weltweit. Er schuf unter anderem die Fenster für die Washington Cathedral und gestaltete eine Mosaikwand für die Residenz des deutschen Botschafters in Teheran. Hinzu kommen zahlreiche Werke im öffentlichen und sakralen, vor allem westfälischen Raum.

Schon zu Lebzeiten wurde er mehrfach geehrt. 1959 bekam er den Wilhelm-Morgner-Preis. 1973 wurde er mit dem Konrad-von-Soest-Preis ausgezeichnet. Kaiser starb am 2. Oktober 1982 in Soest. Nach dem Tod seiner Witwe Hilde ging sein künstlerische Nachlass in das Gustav-Lübcke-Museum nach Hamm, sein schriftliches Erbe ins Soester Stadtarchiv.

In den Folgejahren erinnerten immer wieder Ausstellungen an Kaisers Wirken. Aber sein glasmalerisches Werk, das in seinem Schaffen eine besondere Stellung einnimmt, wird zum ersten Mal ausgiebig gewürdigt. „Wir haben alle Exponate bekommen, die wir für diese Dokumentation brauchten“, freut sich Ausstellungsmacherin Cöppicus-Wex über die Großzügigkeit der Leihgeber. Gemälde aus verschiedenen Zeiten zeigen Kaisers Entwicklung zur Abstraktion und zur glasmalerischen Meisterschaft. Daneben hängen große Pappen mit Fensterentwürfen. Briefe, Schriftstücke und Texte, unter anderm von Hugo Kükelhaus, ergänzen die Schau. Zu den Schmuckstücken gehört ein typisches, extrem reduziertes Bild, das Kaiser für seinen Künstlerfreund Josef Albers malte, der ihn in der Glasmalerei förderte. Das Wilhelm-Morgner-Haus ist der perfekte Ausstellungsort. Einige der Entwürfe, darunter das berühmte „Schöpfungsfenster“, kann man nebenan im Patrokli-Dom überprüfen. Für den Dom schuf Kaiser 13 Fenster.

19.1.–23.2., di – fr 14 – 17, sa, so 11 – 17 Uhr, Tel. 02921/ 13524, www.soest.de

Kolja Kohlhoff: Hans Kaiser. Lichte Räume. Kerber Verlag, Bielefeld. 128 S., 32,50 Euro

Am 16. Februar eröffnet im Kunstmuseum von Kaisers Geburtsstadt Bochum die Schau „Imaginäre Räume – der Maler Hans Kaiser“

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare