Das Osthaus-Museum Hagen zeigt Werke von Ren Rong

+
Ren Rongs Markenzeichen sind rankenartige, lachende Pflanzenmenschen, die sich über Motive wie den Bundesadler ausbreiten.

Von Marion Gay HAGEN - Zwanzig große Kugeln liegen nebeneinander, überzogen mit chinesischem und europäischem Zeitungspapier, Reis und Symbolen wie Pfeilen, Autos und Telefonen. Scheren, Menschen und Fischen. Spielerisch vereint die Installation „Universum“ (2016) Ost und West.

Das Osthaus-Museum Hagen präsentiert in der großartigen Retrospektive mit dem Titel „Lasst hundert Blumen blühen“ rund 150 Werke von Ren Rong, der aktuell zu den international anerkanntesten Künstlern chinesischer Herkunft zählt.

Die Ölgemälde, Papierschnitte, Wachsobjekte, Holzreliefs, Frottagearbeiten, Prägedrucke und Stahlskulpturen stammen aus den letzten 30 Jahren und zeigen die Vielseitigkeit des jeweils halbjährig in Bonn und Beijing lebenden Künstlers. Es ist seine bisher größte Ausstellung, die anschließend im Museum Angerlehner/Österreich, im White Box Museum of Art in Beijing und dem United Art Museum im chinesischen Wuhan Station macht.

Empfangen wird der Besucher von der großformatigen Arbeit „Große Familie“ (2005), die den Künstler als Kind zusammen mit den Eltern, drei Geschwistern und der Großmutter zeigt. Ren verwendet ein bearbeitetes Foto, das er lackiert und auf Holzträger montiert hat. Ein Strauß Blumen ist in das Holz eingeschnitten. Ren und seine Mutter halten ihn wie eine Standarte.

Der Strauß mit Wurzeln und menschenähnlichen Blütenköpfen durchzieht Rens Werk als Chiffre. Seine „Pflanzenmenschen“ sind männlich und weiblich, erinnern an asiatische Schriftzeichen und verstehen sich als Symbole der Metamorphose. Mit rankengleichen Körpern und meist lachenden Gesichtern wirken sie wie Naturgeister, ursprünglich und unbezähmbar. So umzingeln sie den Bundesadler („Pflanzenmenschen – Bundestag“, 2004), schweben über der chinesischen Mauer und umtanzen die Atombombe.

Ren wurde 1960 in Nangjing/China geboren, studierte an der dortigen Kunstakademie und kam 1986 nach Deutschland. Er setzte sein Studium an der Kunstakademie Düsseldorf fort und wurde Meisterschüler von Fritz Schwegler. Seine chinesische Abschlussarbeit „Auf eigener Erde“ von 1985 zeigt die Porträts einer alten Frau und eines Mannes noch recht konventionell. Es folgen surrealistisch anmutende Bilder. Im monumentalen Werk „Zeitalter des Tätigkeitswortes“ (1987–88) lassen sich die Pflanzenwesen in den herumwirbelnden Reifenformen bereits erahnen. Power und Bewegung charakterisieren die Werke. Die Wandinstallation „Gelber Fluss“ (1997–99 und 2016) besteht aus 144 Holzboxen, auf denen sich die Pflanzenmenschen in wilden Posen verrenken.

Beeindruckend die 28 Stahlskulpturen, die als Armee der Pflanzenwesen das grell-bunte Porträt Maos bewachen („Genesis-Gruppe“ 2015). Ausdrücklich dürfen sie als Instrumente benutzt werden, soll man sich zwischen ihnen bewegen. Unter den Augen Maos, dessen Kopf wie von einem Heiligenschein umrahmt wird.

Ren verwendet dasselbe Foto wie Andy Warhol in seiner ikonischen Darstellung, nur dass Mao bei Ren noch glanzvoller erscheint. Selbst im Meer schwimmend, umgeben von lachenden Pflanzenmenschen, verteidigt er seine machtvolle Aura (Bild von 2007). „Lasst hundert Blumen blühen, lasst hundert Schulen miteinander wetteifern“ forderte er 1956 und wird dafür noch heute in China verehrt. In Rens Bildern bekommt er als übertrieben strahlende Ikone etwas Lächerliches.

20.2. bis 15.5.,

di – so 11 – 18 Uhr,;

Tel. 0 23 31/ 20 73 138, www.osthausmuseum.de

Katalog in Vorbereitung

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare