Das Osthaus Museum in Hagen zeigt Druckgrafik von Christian Rohlfs

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Wie ein Indianer: Christian Rohlfs’ Linolschnitt „Der Raucher“ (1935) in Hagen.

Von Marion Gay HAGEN - „Wenn du mir einen großen Gefallen tun willst, so sieh mal zu, ob Du mir 5 – 6 Linoleumstücke verschaffen kannst (…) Ich habe schon auf Cigarrenholzbrettern geschnitten, die sind aber zu klein und das Holz splittrig.“ So schrieb Christian Rohlfs seinem Freund Felix Bahlmann im Juni 1910. Es war der Auftakt einer rund fünfzehn Jahre dauernden Auseinandersetzung mit einer künstlerischen Technik, die Rohlfs malerisches Schaffen begleiten und ihn zu außergewöhnlichen Experimenten verleiten sollte. Unter dem Titel „Das sind so neue, kühne, ernste Sachen, diese Schnitt!“ präsentiert das Osthaus Museum Hagen die größte Privatsammlung druckgrafischer Arbeiten des Hagener Künstlers (1849–1938). Zu sehen sind rund 185 Holz- und Linolschnitte.

Als Rohlfs mit dem Holzschnitt auf Zigarrenkistendeckeln begann, konnte er bereits auf fast 30 Jahre Erfahrung als Maler zurückblicken. Sein Repertoire umfasste den klassisch-akademischen Stil, impressionistische Elemente und eine von van Gogh inspirierte Bildlichkeit. Auffällig ist so auch der malerische Charakter seiner Druckgrafik, viele Bilder sind farbig. Zum Beispiel „Bergpredigt“ (1916). Neben der umbra-farbigen Ausführung existiert auch ein grell gelb-orange-blau koloriertes Motiv, das ungleich lebendiger und exaltierter wirkt.

Eine Reihe Arbeiten beschäftigen sich mit biblischen Themen. So kniet „Der verlorene Sohn“ (1916) nackt und demütig vor dem Vater, ein resoluter Engel mit breit gezackten Flügeln weist die Menschen aus dem Paradies (1915). Einer der frühesten Holzschnitte ist „Landschaft (Polling)“ (1910), genaugenommen ein Weißschnitt, denn nicht, wie üblich, bestimmen die stehengebliebenen Stege das Motiv, sondern die Ausschneidungen. So scheinen die Bäume nahezu kahl und im Nebel, von Einöde umgeben.

Komische Käuze bevölkern Rohlfs druckgrafisches Werk. Da ist der „Lausbub“ (1921), der unter dem Zaubererhut hervorgrinst, der „Mann mit spitzer Nase“ (1921) oder die Hexen, mal mit Raben (1913) oder in nachdenklicher Pose (1910). Auch Gespenster, Tod und Teufel tauchen auf. Etwa im Holzschnitt „Der Tod“ (1912/13), wo dem Blau-Schwarz eine totenköpfige Gestalt entsteigt und sich über die ausgemergelte Figur beugt. Eindringlich auch der „Gefangene“ (1918), der sich mit beiden Händen ans Gitter klammert. Die Technik ist ideal, um die Knochen hervortreten zu lassen und die Verzweiflung des Mannes zu verdeutlichen.

Dennoch sind nicht alle Bilder ernst und dramatisch. Das kleinformatige „Groteske Eheszene, Spaziergang“ (1921) zeigt einen dahineilenden Mann mit wehendem Mantel, seine Frau hinter sich herziehend. Die Beine der Frau schweben in der Luft, sie erinnert an eine fliegende Hexe. Witzig auch das „Pfannkuchenfräuken“ (1920), das Rohlfs Ehefrau Helene mit erhobenem Kochlöffel am Herd zeigt.

Wie experimentell Rohlfs mit der Drucktechnik umgeht, zeigen auch die vielen Variationen des „Rauchers“. Stolz, ein bisschen wie ein Indianer, wirkt er in klarem Schwarz-Weiß (1912). Trotzig und etwas lächerlich mit blauen Linien auf rotem Grund (1912). Und deformiert und kurz vor dem Untergang im Bild von 1935: mit tiefen Schatten im gelbem Gesicht, inmitten vom schwarzen Qualm.

Bis 4.5., di – fr 10 – 17, do 13 – 20, sa, so 11 – 18 Uhr,

Tel. 02331/ 20 73138

www.osthausmuseum.de

Katalog 19,80 Euro

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