Die Operette „Frau Luna“ ist in Münster zu sehen

Großer Auftritt: Frau Luna (Henrike Jacob) spricht mit Fritz Steppke (Boris Leisenheimer). Lämmermeier (Birger Radde, ganz rechts) und das Tanztheater Münster beobachten die beiden in der Operetten-Premiere „Frau Luna“ in Münster.
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Großer Auftritt: Frau Luna (Henrike Jacob) spricht mit Fritz Steppke (Boris Leisenheimer). Lämmermeier (Birger Radde, ganz rechts) und das Tanztheater Münster beobachten die beiden in der Operetten-Premiere „Frau Luna“ in Münster.

Münster - „Das ist die Berliner Luft“: Als der Ohrwurm an der Reihe ist, drängt alles auf die Bühne. Solisten, Opernchor und Tänzer mischen sich in einer Woge aus Knickerbockern und Tüll des Fin de Siècle. Fast ist es zu voll für eine ansteckende Choreografie. Also macht man einige Schritte vor und zurück, ein paar Luftsprünge, schwenkt Röcke oder Hüte.

Der Reiz des Neuen fehlt ihr, der „Frau Luna“ am Theater Münster. Es liegt nicht unbedingt daran, dass Regisseur Holger Seitz ausdrücklich auf Regietheater verzichtet hat. Das kann ganz erfrischend sein. Doch in Münster zündet der Funke der über 100 Jahre alten Ausstattungsoperette nicht – trotz zahlreicher Gassenhauer von Paul Linke wie „Lass den Kopf nicht hängen“ oder „O Theophil“. Am Bühnenbild (Herbert Buckmiller) und an den Kostümen (Götz Lanzelot Fischer) liegt es nicht. Die sind gut anzusehen. Anfangs reibt sich Alt-Berliner Romantik an einer scherenschnittigen Dächerlandschaft. Das Luftschiff von Steppke ist eine Kreuzung aus VW-Käfer und Fisch und auf dem Mond glitzern die Kostüme um die Wette.

Die Dialoge funkeln weniger. Den Wortwechseln fehlt das Tempo und Berliner Dialekt allein ist kein Garant für Komik. Mehr als ein Darsteller scheint sich im Plot nicht zurechtzufinden. Deklamierte Texte verglimmen zum Stichwort für den nächsten Schlager. Ein paar aktuelle Anspielungen irrlichtern durch die Revue, Seitenhiebe auf Vorstandsvorsitzende in Wolfsburg oder auf das Berliner Flughafendebakel: „Ein Bauprojekt, das man nicht ablehnen kann.“

Das Burleske der Operette bleibt in Münster harmlos. Hier ein Griff ans Knie, dort eine eindeutige Beckenbewegung im Takt der Musik. Prinz Sternschnuppe hat zwar einige als Politessen verkleidete Gogo-Girls im Schlepp, aber auch die lassen das Luder nicht raus. Überhaupt wagt die Choreografie wenig und beschränkt sich auf einfache Schrittfolgen, ungeachtet der Musik. Es ist, als sei „Frau Luna“ in den Orchestergraben abgetaucht. Dort wirbelt, gleitet, träumt es. Unter der straffen Leitung von Stefan Veselka schmiegt sich die Musik in Walzertakte, lockt und kokettiert.

Nicht alle Akteure auf der Bühne lassen sich davon antreiben. Das hölzerne Auftreten von Boris Leisenheimer (Fritz Steppke) bekommt im 2. Akt etwas Sinn und Zweck, als er sich mit seinen beiden Kumpanen Lämmermeier (Birger Radde) und Pannecke (Peter-Uwe Witt) den schillernden Hofstaat des Mondes als biederer Berliner konterkariert. Ansonsten weiß nur die Regie, was Frau Luna an Steppke findet. Eva Bauchmüller als Marie und Youn-Seong Shim als Prinz Sternschnuppe können die Oper nicht abstreifen. Sie singen wunderschön, aber zu vollmundig für die leichtfüßige Operette. Lisa Wedekind, eine columbinenhafte Stella, und Eberhard Francesco Lorenz, ein etwas alberner Theophil, beherrschen die Komik der Comedia dell’Arte, kommen aber gegen die Klischees ihrer Figuren nicht an.

Im 2. Akt geben die Auftritte von Frau Luna der Revueoperette etwas Glamour und Frivolität zurück. Henrike Jacob glänzt nicht nur in mindestens drei verschiedenen Kostümen. Wenn sie die Showtreppe hinunter schreitet, in der Menge badet und ihren Verehrer nachäfft, ist sie von Kopf bis Fuß die extravagante Mond-Diva. Ein Getue, das sie beim Singen mit schrill geträllerten Koloraturen vergnügt unterläuft.

Auch Barbara Wurster fühlt sich wohl in ihrer Rolle als Frau Pusebach. Der Gaststar parodiert mit keifendem Diskant und knurrender Angriffslust, ist optisch das Pendant zu Frau Luna, sobald sie die Treppe in Pluder-Unterhosen herunter stampft. Und wenn sie singt, wird der Schlager zum Chanson. „Dann mach’ ich Krach, dat der janze Mond wackelt“ – ihr glaubt man das.

Anke Schwarze

Die Operette

Ein glitzerndes Musiktheater, das nicht in Fahrt kommt. Zu wenig Ideen, zu wenig Burleske für eine Revue. Aber die Musik lockt und kokettiert im Walzertakt.

Frau Luna am Theater Münster: 2.,4.,12.,24.3.; 3.,15.,19., 24.4.; 3., 8., 28., 31.5.; 8. 6.

Tel. 02 51/ 59 09 100

www.theater.muenster.de

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