Neue Folgen der BBC-Krimiserie „George Gently – der Unbestechliche“ im ZDF

Ein gegensätzliches Paar, das erfolgreich in Englands Nordosten ermittelt: Martin Shaw als DCI George Gently (rechts) und Lee Ingleby als Sergeant John Bacchus in der Serie „George Gently – der Unbestechliche“.
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Ein gegensätzliches Paar, das erfolgreich in Englands Nordosten ermittelt: Martin Shaw als DCI George Gently (rechts) und Lee Ingleby als Sergeant John Bacchus in der Serie „George Gently – der Unbestechliche“.

Von Ralf Stiftel Der zynische Fernsehregisseur zieht an der Zigarette und sagt: „Kamera auf die Living Dead!“ Und stellt gleich klar, dass er mit lebende Tote die Band meint und nicht den alternden Moderator Tony, dessen Haar sich lichtet und der sich so gern an die Mädchen im Publikum ranwanzt. „Upside Down“ ist eine typische Popshow der 1960er Jahre. Die Living Dead schrammeln ihren Hit wie eine Kopie der Beatles. Die Mädchen kreischen. Der Regisseur schaut wendet den Blick nach oben: „Ein Hauch von Sex!“

Wie trist kann ein Sonntagabend sein, wenn im Fernsehen nur Wiederholungen laufen. Das ZDF immerhin bietet nun etwas richtig Gutes. Heute starten neue Folgen der BBC-Serie „George Gently – der Unbestechliche“. Die Reihe um den Londoner Ermittler, den es in den Nordosten verschlagen hat, hebt sich ab von den Morde-zur-Teatime-Kost, die der Mainzer Sender sonst auf diesem Sendeplatz präsentiert. Die Serie nach Romanen von Alan Hunter spielt in den 1960er Jahren, die mit viel Detailgenauigkeit heraufbeschworen werden. Hier stimmt die Optik: Mode, Frisuren, Autos. Überall qualmen Zigaretten. Wenn man gerade keinen Dialog braucht und keine Stille, kommt ein Hit der Swinging Sixties. Und die Fälle gehen über das bloße „Wer war’s?“ hinaus. Hier entpuppt sich als Schuldiger zuweilen jemand, dem Sympathien zufliegen. Und mancher Übeltäter vom Anfang rückt in die Opferrolle.

George Gently kam nach Durham anfangs, um den Gangster zu fassen, der seine Frau ermorden ließ. Die „Cholera für Londons Ganoven“ nennt ihn in einer späteren Folge eine Kollegin. Vor allem lässt er sich nicht korrumpieren. Das meint nicht nur materielle Bestechung. Auch auf Selbstjustiz lässt er sich nicht ein, oder Rechtsbeugung in vermeintlich guter Absicht. Martin Shaw gibt diesem grauhaarigen Ordnungshüter ein unverkennbares Gesicht, abgeklärt, aber nicht unberührbar, ein Mann mit Manieren und Kanten. Sein Partner ist der arrogante Sergeant John Bacchus (Lee Ingleby), der sich penibel den Pilzkopf kämmt und stets auf eine „scharfe Verabredung“ hofft. Er ist jung und unternehmungslustig, aber beim Blick auf die Fälle lässt er kein Vorurteil und keinen schnellen Schluss aus.

Die Auftakt-Folge „Tödliches Verlangen“ (Regie: Nicholas Renton, Drehbuch: Peter Flannery und Stewart Harcourt) führt ins noch junge Fernsehmilieu. Das Schulmädchen Mary Claverton wird ermordet in den Pinnock Woods gefunden, regelrecht bestattet. Es stellt sich heraus, dass sie mit ihren Freundinnen Hazel und Shelley oft die Show „Upside Down“ besucht hatte. Hat der alternde Moderator Tony, der gern junge Mädchen aus der Show aufreißt, eine Affäre mit ihr gehabt? Oder hatte Mary einen anderen älteren Liebhaber? Gegen den Lehrer David Nugent wurde schon einmal in einer ähnlichen Affäre ermittelt. Aber der Direktor Peter Holdaway stellt sich schützend vor ihn. Der Witwer, der seine Töchter Hazel und Margaret allein großgezogen hat, ist wenig begeistert darüber, dass seine Jüngste ihr Talent in der Pop-Show vergeudet. Dann stellt sich heraus, dass Mary schwanger war. Gently und Bacchus decken ein Familiendrama auf.

Die Serie hat überzeugende Geschichten und besticht mit starken Darstellern. Außerdem aber sieht sie auch grandios aus. Das Opfer Mary stammt aus einer Bergarbeiterfamilie. Der Vater, der auf der Arbeit von ihrem Tod benachrichtigt wird, rennt danach heim, mit dem Kohlestaub im Gesicht durch Straßenzeile um Straßenzeile mit den typischen kleinen Ziegelhäusern englischer Arbeitersiedlungen. Da braucht man kein einziges Wort, um die Tristesse wahrzunehmen, der das Mädchen wenigstens für eine Stunde in der Pop-Show entkommen wollte.

Sonntag, ZDF, 22 Uhr, fünf weitere Folgen

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