19.000 Fans in der Lanxess-Arena

Muse liefern Wahsinns-Show beim Konzert in Köln

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Köln - Vor seinem Auftritt in Köln hat das britische Rock-Trio Muse an sechs Tagen in Folge in Paris gespielt. Mitgebracht aus der französischen Hauptstadt hat die Band die intensiven Personen- und Taschenkontrollen am Eingang. So stehen sich die rund 19.000 Fans vor der ausverkauften Lanxess-Arena in ellenlangen Schlangen zunächst die Füße platt. Dafür werden sie später durch eine beeindruckende Show belohnt.

Mit einer Sache kann die Gruppe um Sänger und Gitarrist Matthew Bellamy nämlich nichts anfangen: Understatement. Über die Jahre hat sie einen ausgeprägten Hang zu Pomp und Dramatik entwickelt. Mit seinen opulent-verschachtelten Songs ist das Trio damit längst zur großen Arena- und Stadionband aufgestiegen, was ihm den Ruf als moderne Queen-Variante verschafft hat.

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Konzert von Muse in der Lanxess-Arena in Köln

Mit einer Sache kann die Gruppe um Sänger und Gitarrist Matthew Bellamy nämlich nichts anfangen: Understatement. Über die Jahre hat sie einen ausgeprägten Hang zu Pomp und Dramatik entwickelt. Mit seinen opulent-verschachtelten Songs ist das Trio damit längst zur großen Arena- und Stadionband aufgestiegen, was ihm den Ruf als moderne Queen-Variante verschafft hat.

„Uprising“ mit seinem hochmelodischen Aufbau zum Beispiel ist in Köln an Theatralik kaum mehr zu überbieten – außer vielleicht vom Stück „The Globalist“, einer zehnminütigen Progrock-Hymne, die wie ein Italo-Western-Soundtrack startet, sich mit dem lieblich klingenden Falsettgesang Bellamys steigert und schließlich in einen heftig-chaotischen und wild voranpolternden Industrial-Song übergeht, ehe die Band das Stück als Feuerzeug-Ballade enden lässt.

Das alles spielt sich – stilecht – auf einer gigantischen 360-Grad-Bühne ab, deren Plattform sich dreht, so dass die Fans den Musikern ganz nahe sein können. Zu den langen Seiten der Halle reichen rund 40 Meter messende Stege bis an den Rand. Über allem hängt bedrohlich ein riesiges metallisches Gebilde, das einerseits für eine turbulente Lichtshow sorgt, andererseits aber auch Ausgangspunkt anderer effektvoller Einlagen ist.

So werden zum Beispiel immer wieder durchsichtige Vorhänge daran hinabgelassen, die als riesige Projektionsfläche für Filme dienen und das Dreiergespann dabei ins Geschehen integrieren, etwa wenn überdimensionale Puppenspieler ihre Fäden ziehen und es den Anschein hat, als steuerten sie die hinter den Vorhängen stehenden Musiker beim Verrichten ihrer Arbeit.

Die mächtigen Kugeln, die von der Decke baumeln, sind ein ebenso stetig wiederkehrendes Motiv der Show. Sie fliegen förmlich durchs Hallenrund und senken sich bisweilen tief über die Köpfe der Zuhörer nieder. Einmal stellen sie Planeten dar, die durchs Weltall kreisen, ein anderes Mal sind sie Drohnen auf Mission.

Apropos: Nicht erst seit dem aktuellen Konzeptalbum "Drones", dem siebten Longplayer der 1994 gegründeten Band insgesamt, sondern schon seit einigen Jahren setzen sich Muse in ihren Songs verstärkt mit politischen Themen auseinander. Vieles dreht sich um Unterdrückung, Aufbegehren und Widerstand. Beim düsteren "The Handler" etwa geht es um den Kontrollwahn von Geheimdiensten, die Menschen zu ihren Marionetten degradieren. "Reapers" ist eine Hardrock-lastige Wutrede mit ausgiebigen Gitarrensoli gegen die Zerstörung durch Drohnen-Kriege, gleichzeitig aber auch gegen die vernichtende Kraft, mit der sich Menschen untereinander bekriegen. Nicht nur hier, aber besonders bei diesem Song wird deutlich, welche Fähigkeiten Matthew Bellamy an seinem Instrument besitzt.

Der schmächtige 37-Jährige mit der Stachelfrisur gniedelt sich rund zwei Stunden lang in beeindruckender Manier über die Saiten seiner Gitarre. Rastlos pendelt er zwischen den beiden Stegen, springt dazwischen wie ein Gummiball umher und geht auch mal in die Knie, um seinem Spiel besonderen Ausdruck zu verleihen. Bassist Chris Wolstenholme dagegen gibt mit seinem beleuchteten Instrument eher den stoischen Part ab, während Schlagzeuger Dominic Howard in der Bühnenmitte Platz genommen hat und dort unentwegt und mit Nachdruck die Drumsticks wirbelt.

Zwischen den neuen Stücken, die in der Setlist die stärkste Fraktion bilden, bekommen die Hits der Band ebenso ihren verdienten Raum. "Plug in Baby" gibt es schon recht früh, später dann "Starlight" und "Hysteria". Zum Abschluss spielen Matthew Bellamy und Co. natürlich auch den wohl besten Song ihrer Karriere: "Knights of Cydonia" beginnt mit einem Ennio-Morricone-Western-Intro und entwickelt sich zu einem waghalsigen Ritt durch die Rockmusik-Welt von Muse.

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