Ausverkauftes Haus

Michael Bublé spielt Konzert in Oberhausen

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OBERHAUSEN - Wer den Titelsong des nächsten James-Bond-Films singen darf, sollte nach Michael Bublés Auftritt in Oberhausen keine Frage mehr sein. Zunächst mit "Feeling Good" und zum Ende hin mit "Cry Me a River", im Original von Julie London gesungen, legt der 38-jährige Kanadier vor 9.500 Fans in der ausverkauften Arena eine eindrucksvolle Bewerbung hin. Und auch sonst macht Bublé auf der großen Bühne eine gute Figur: sympathisch, authentisch und immer mit dem Schalk im Nacken.

Von Tim Griese

Das breite Grinsen scheint ihm an den Ohren festgetackert. Und so überbordend sein Enthusiasmus ist, so schnell springt der Funke beim Publikum über. Vor allem die holde Damenwelt hat sichtlich Freude mit dem Auftritt des Sängers, der wie kein Zweiter Swing, Jazz und Big-Band-Musik im 21. Jahrhundert massenkompatibel gemacht hat.

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Michael Bublé in Oberhausen

Die Bühne bietet dem Kanadier viel Freiraum zum He-rumtollen - auch mit dem "Team Bublé" im Rücken, der 13-köpfigen Band, die zwischendurch von einem Damen-Streicher-Ensemble ergänzt wird. Bublé treibt Schabernack, schneidet Grimassen und zeigt keinerlei Berührungsängste: Das Konzert ist noch keine drei Lieder alt, da hat der Sänger den Bühnengraben schon hinter sich gelassen und umarmt seine Fans. Zeit für Fotos bleibt auch noch, ebenso wie für Autogramme und die eine oder andere Plauderrunde, wo der halbwegs frischgebackene Vater die Zeugung des Nachwuchses als die schwierigsten 15 Sekunden seines Lebens bezeichnet.

Neben einem ordentlich sortierten Fundus an Cover-Songs wie zum Beispiel "You Make Me Feel So Good" von Frank Sinatra und Van Morrisons "Moondance" hat der Sänger auch eigene Stücke mitgebracht, etwa die Er-folgssingle "Everything" oder "It's a Beautiful Day" vom aktuellen Album "To Be Loved".

Er sei ein Romantiker, gesteht Bublé zwischendurch. Deshalb gebe es im Liebeslieder-Block die Gelegen-heit, sich aneinander zu kuscheln und Händchen zu halten. "Wer als Single gekommen ist, hat jetzt die Möglichkeit für eine Ménage-à-trois", witzelt Bublé und sorgt für Lacher. "Jetzt seid nicht so schüchtern. Trinkt noch ein Glas Wein." Das zarte "That's All" von Nat King Cole steht ebenso an wie die Feuerzeug-Ballade "Close Your Eyes" oder etwa das rührende "Home".

"Genug mit Lovesongs. Ich kann kein weiteres singen", lässt Bublé schließlich das Publikum wissen. "Ich will tanzen." Wobei, seine Fans müssten schon mitmachen, schließlich sei er ein ganz miserabler Tänzer. Lange Zeit zum Aufwärmen gönnt er den Zuhörern nicht. Aber mittlerweile stehen sowieso schon alle im komplett bestuhlten Saal, da kann man auch ein wenig fußwippen zum Daft-Punk-Cover "Get Lucky", bei dem Bublé eine zweite Bühne im hinteren Teil der Halle entert. Oder die Hüfte schwingen lassen bei "I Want You Back" von den Jackson 5, das der Support-Act Naturally 7 a-cappella und beatboxend unterstützt.

Egal, was Michael Bublé an diesem Abend macht, der 38-Jährige offenbart große Entertainer-Qualitäten. Mit seiner charmant-ehrlichen Art und herausragenden stimmlichen Qualitäten hat er das Publikum rund zwei Stunden fest im Griff. Vielleicht reicht es so nicht nur zum James-Bond-Titelsong, sondern irgendwann auch mal zur Hauptrolle.

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