„KlassikSommer“ Hamm mit Victor Smolski und LMO

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Gitarrist Victor Smolski und Bassist Peavy Wagner in der Hammer Alfred-Fischer-Halle.

Von Sabine Fischer -  HAMM Die Wechsel sind fließend: Eben noch posierte Victor Smolski heroisch am Bühnenrand. Der Ausfallschritt stützte die E-Gitarre, Spinnenfinger regneten auf das Griffbrett und ließen Arpeggien in Mühelosigkeit perlen. Nun sitzt er da, ein Cello zwischen den Knien, und lässt den Bogen in eleganten Bögen tanzen. Im Hintergrund rockt der Dirigent des Symphonieorchesters Orquestra Barcelona Filharmonia, der mit flinken Bewegungen Rock, Metal und Klassik miteinander verwebt.

An diesem Abend ist alles eins: Es geht um – die großen Gefühle, natürlich, um deren Verstärkung, die Reinheit und Klarheit der Musik, die gradlinigem Rock ebenso innewohnt wie der Frühklassik.

Das Konzept „Metal meets Classic“ ist seit den 90er-Jahren eine beliebte Spielart, die allerdings nur wenige Bands und Orchester beherrschen. Rund 800 Besucher sind in die Hammer Alfred-Fischer-Halle gekommen, um sich auf diese Fusion einzulassen: „Victor Smolskis Rage und Lingua Mortis Orchestra (LMO)“ ist der Abend überschrieben. Metal-Fans in Kutten stehen ihren Mann und schütteln Mähnen und Fäuste. Dazwischen wählt die Mittsechzigerin den Schützenball-Einheitsschritt. Und auch die Mitte der Halle, Abteilung „teilbestuhlt“, gewinnt an Fahrt, klatscht sich warm.

Weltklasse-Gitarrist Smolski hat Rage zwar nicht gegründet, aber der Band in den vergangenen 15 Jahren seinen unverwechselbaren Stempel aufgedrückt. Rage, das sind neben Smolski der Bassist und Sänger Peavy Wagner sowie Schlagzeuger Andre Hilgers. Mit Erweiterungsset nennt sich das Trio „Lingua Mortis Orchestra“ – dazu gehören neben den Symphonikern die Sopranistinnen Jeannette Marchewka und Dana Harnge sowie Sänger Henning Basse, den man aus Formationen wie „Metalium“ kennt.

In Hamm boten die Musiker einen Mix aus Rage-Klassikern und Ausschnitten aus dem Konzeptalbum „LMO“, das sich mit einem Fall von Hexenverfolgung in Hessen auseinandersetzt, darunter „Eye for an Eye“, „Scapegoat“, „Witches’ Judge“, „The Devil’s Bride“.

Vielschichtige Kompositionen wie „No Regrets“, epische Balladen wie „Lament“ oder aber der „Schuh-des-Manitu“-Hit „Straight to Hell“ mit seinem prägnanten Shuffle-Beat lassen keinen Zweifel daran, dass Profis mit Entertainerqualitäten am Werk sind, in deren perfektionistischer Inszenierung ein Unebenheit zum Lichtpunkt gerät wie etwa ein eckig gezupfter Garagenbass.

Das Publikum wird abgeholt, wo es steht oder sitzt. Man muss die Künstler nicht kennen, um mit den Sympathlingen einen grandiosen Abend zu erleben: Moderationen machen das Bühnengeschehen transparent, schaffen eine Atmosphäre der Vertrautheit. Mimik und Körpersprache der Künstler transportieren Leidenschaft. Man mag sie einfach: Wenn Dana Harnge lachend darauf hinweist, dass sie soeben mit ihrer in einer spontan eingelegten Klassik-Nummer voll entfalteten Sopranstimme dem dritten Bühnenstrahler das Licht ausgeknipst hat, Peavy Wagner augenzwinkernd Songs und ihre Bedeutung im Bandkosmos erklärt, oder Victor Smolski das „fantastische Gefühl“, das ihm der Abend schenkt, nicht nur genießt, sondern ausspricht. Das gefällt. Und das brachten die Konzertbesucher zum Ausdruck, indem sie in die Rage-Hymne „Higher than the Sky“ einstimmten. Die Fans natürlich sofort, und jene, die Rage zum ersten Mal erlebten, erst nach dem ersten Hören des Refrains.

Rage-Termine

Am 3. September startet die 30-Jahre-Rage-Jubiläumstour in Osnabrück, Lagerhalle. 24.9. Bochum, Zeche; 3.10. Steinheim, Stadthalle; 8.10. Köln, Essigfabrik (eine Terminauswahl).

Bis Mitte November sind Rage auf Welttournee in Japan, Russland, Tschechien, Slowakei und Weißrussland.

Am 23. Juli spielen Rage ein Konzert im Hammer Cineplex Kino. Außerdem gibt es den Wacken-Doku-Film zum 25. Jahrestag des Festivals zu sehen (nicht in 3D).

Der nächste LMO-Auftritt: 25. Juli, Seebronn (Rock of Ages).

www.klassiksommer.de

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