„Irish Celtic“ in Dortmunds Konzerthaus

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Paartanz auf irisch: Szene aus der Bühnenproduktion „Irish Celtic“ im Dortmunder Konzerthaus.

Dortmund - Der Mittelpunkt Irlands, ach was: der Welt, ist mit Holz vertäfelt. Dazu Kaschemmen-Licht, schwarzes Bier, honigfarbener Whiskey, rührselige Geschichten, Musik und Tanz. „Irish Celtic“ heißt der Pub, um den herum der liebe Gott vor 100.000 Jahren Irland angelegt hat. Behauptet zumindest der Wirt, dessen Name (Paddy) nicht mehr überrascht. An seinem Tresen konzentriert sich alle denkbare Irland-Folklore.

Unter der Tweedmütze steckt Jonathan Agar. Er ist der knorrige Conférencier der „Irish-Celtic“-Show, die bis Silvester im Konzerthaus Dortmund läuft. Über zwei Stunden entfaltet dieser Paddy einen Bilderbogen von Druiden und Elfen aus grauen Vorzeiten bis in die Gegenwart: Paddys paddeliger Sohn (Diarmuid Meade) steppt auf irisch gegen vier Jungs der amerikanischen Show-Schule. Zwischendurch geht das „hoilige Wasser“ aus: Ein neues Whiskey-Fass muss aus dem Keller angerollt werden – Pause!

Die 16 Tänzerinnen und Tänzer bevölkern mit Rüschenblusen, wadenlangen Röcken und gestreiften Hosenträgern Paddys Pub. Sie gruppieren sich zu Hochzeits- und Beerdigungsszenen („Oiner weniger besoffen“) und sind die Kulisse für die Altherren-Witze des Wirts. Aber dann tanzen sie endlich auch: Die Füße in den klobigen Heavy Shoes mit ihren Absätzen und verstärkten Spitzen, klackern und steppen sie mit angelegten Armen rasante Rhythmen in einer Reihe quer über die Konzerthaus-Bühne. Sie trippeln auf Spitze, formieren sich zu Paaren und wirbeln im Viereck. Ihre Knöchel sind unglaublich beweglich, die Sohlen prasseln Stakkato aufs Parkett. Die Elfen, die in hellen Hemdchen über neblig-sumpfigen Untergrund huschen, tragen dagegen die weichen ledernen Soft Shoes, die ihre hohen Sprünge fast unhörbar machen.

Bei „Irish Celtic“ wird Wert gelegt auf die traditionelle irische Schule, in der viele Tänzer schon als Kinder angefangen haben. In der Band erklingen stilecht Gitarre (auch als Sänger mit heller Jungs-Stimme grandios: Daniel Byrne), Dudelsack und Tin Whistle (Kieran Brady), Fiddle (Kristan Harvey) und Akkordeon (Liam O’Sullivan), außerdem mischt Anthony Davis am Keyboard manchmal wohlig wabernde Sphärenklänge unter. Schunkelstimmung ruft „The Wild Rover“ ab, „Whiskey in the Jar“ darf sowieso nicht fehlen, und als „Paddy’s Green Shamrock Shore“ besungen wird, zieht die Flute bauchige Melodielinien in den Gesang, so kompliziert und schön wie ein keltisches Knotenmuster.

Richtig puristisch ist das Programm aber nicht: Einige zentrale Nummern sind auf Filmmusik choreografiert. So taucht ein schottischer Clan in Faltenröcken auf – die „Braveheart“-Mannen waren ebenfalls Kelten und Feinde der Briten, werden also flugs eingemeindet. Richtige Iren hingegen tanzten auf dem Unterdeck der „Titanic“, und die Musik vom „Letzten Mohikaner“ passt einfach so.

Bis 31. Dezember; heute 20 Uhr, morgen 15 + 19 Uhr; Tel. 0231/22696200

www.konzerthaus-dortmund.de

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