Die Fratellis rocken im Kölner Luxor

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Macht nicht viele Worte, sondern spielt lieber: Jon Fratelli beim Konzert in Köln.

Köln - Die Fratellis genießen gerade ihr zweites Leben. Bevor sich die 2005 gegründete Band aus Glasgow nach zwei Alben 2009 schon wieder trennte, hatte sie sich mit dem Song „Chelsea Dagger“, der noch heute in vielen Fußballstadion nach einem Tor eingespielt wird, unsterblich gemacht. Seit drei Jahren ist das Trio jetzt wieder zurück, zwei weitere Platten sind erschienen. In die Charts allerdings sind die Jungs um Frontmann Jon Fratelli nicht mehr so weit vorgestoßen. Dabei hätten die Songs der Band allesamt das Zeug dazu.

Beim Konzert im Kölner Luxor führen Jon, Barry und Mince Fratelli den Beweis an, dass jeder der mehr als 20 Songs des Abends eine Single-Auskopplung und auch einen über die kleine treue Fan-Szene hinausgehenden Bekanntheitsgrad verdient hätte. Der 36-jährige Jon Fratelli, der eigentlich John Lawler heißt, hat ein ausgeprägtes Gespür für die perfekte Melodie, den vielzitierten Ohrwurm, der sich im Kopf festsetzt und auch noch Stunden und Tage später die Lippen zum Pfeifen spitzen lässt.

Dabei packen die Schotten ihre Stücke in ein einfach strukturiertes, abwechslungsreiches Rock-‘n’-Roll-Kleid, trumpfen gleichzeitig aber mit gehörigem Talent an ihren Instrumenten auf. Für die große Show sind The Fratellis dagegen nicht prädestiniert. Jon Fratelli, die hagere Gestalt in Achselhemd und Hut auf dem Kopf, hat einen arg eingeschränkten Bewegungsradius, und seine Ansagen sind äußerst rar gesät. Barry Fratelli, der den Bass bedient, versteckt sich gleich hinter seinem Rauschebart und beschränkt sich aufs Winken. Die Musik muss für sich sprechen.

„Dogtown“ startet als Riff-Monster und entwickelt einen knalligen Refrain, während „Got Ma Nuts from a Hippy“ mit Tempi-Wechsel aufwartet. „Whisky Saga“ glänzt mit dem flinken Klavierspiel von Tourmusiker Will Foster. Nach dem stakkato-artigen Einstieg baut sich das Stück zu einem an Eingängigkeit überbordenden Ganzen auf – ähnlich wie das dramatisch stampfende „Me and the Devil“ oder aber „Baby Fratelli“, das zudem noch eine eifrig hüpfende Fan-Schar heraufbeschwört.

Im Gegensatz zur Aufnahme, die von „A Heady Tale“ auf dem Album „Here We Stand“ erschien, klingt die Live-Version ziemlich countrylastig – wie so einige Nummern an diesem Abend: „For the Girl“ präsentiert sich als perfekte Trucker-Hymne für die Landstraße. Und auch „We Need Medicine“ klingt nach Wüste, Kaktus und Steppenläufer.

Wenn die Band das Tempo drosselt und die Instrumentierung zurückschraubt, offenbart sich etwa „Imposters (Little by Little)“ als eine einprägsame Nummer, die zum Mitsingen animiert. Der bierselige Kneipenschunkler „Whistle for the Choir“, eines der wichtigsten Stücke vom Debütalbum „Costello Music“, steht dem in nichts nach. Mehr noch: Es ist richtig spürbar, wie die Fans an der Absperrung den Refrain förmlich herbeisehnen, um dann einzustimmen.

Den großen Hit „Chelsea Dagger“ servieren die The Fratellis als Zugabe. Die Band verschwindet kurz vorher von der Bühne, und die Fans lassen hören, was sie bei der Rückkehr des Trios hören wollen: Die Melodie, die sie skandieren, ist unverkennbar – und auch nach einer Trennung und vier Platten das Maß aller Dinge.

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