Film „Die Rebellen von Oberhausen“ erinnert an Aufbruch des Autorenkinos

Jackettzwang: Der Regisseur und Produzent des Films „Rebellen von Oberhausen“, Hansjürgen Pohland (Mitte) 1962, mit den Unterzeichnern Rolf Strobel und Alexander Kluge (rechts) auf den Internationalen Kurzfilmtagen. ▪
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Jackettzwang: Der Regisseur und Produzent des Films „Rebellen von Oberhausen“, Hansjürgen Pohland (Mitte) 1962, mit den Unterzeichnern Rolf Strobel und Alexander Kluge (rechts) auf den Internationalen Kurzfilmtagen. ▪

Von Achim Lettmann ▪ Regisseur Volker Schlöndorff spricht als erster in dem Dokumentarfilm „Die Rebellen von Oberhausen“. Dabei zählt der Oscar-Preisträger („Die Blechtrommel“, 1978) gar nicht zu den Unterzeichnern des Oberhausener Manifestes von 1962. Was haben die 26 Produzenten, Regisseure, Kameraleute und Schauspieler mit ihrem Aufruf während der Kurzfilmtage in Oberhausen erreicht?

Hansjürgen Pohlands Film gibt Antworten, und er zeigt Filmbeispiele („Tobby“, „Katz und Maus“, „Abschied von gestern“) aus jenen Jahren, als das neue deutsche Autorenkino in Bewegung kam.

Ein Wir-Gefühl entstand unter jungen Filmemachern, die die Tradition der Ufa-Filmproduktion beenden wollten („Papas Kino ist tot“). Sie gründeten nach dem Manifest Produktionsfirmen. Und die Filmförderungsanstalt (FFA) entwickelte sich, weil Alexander Kluge und andere Kontakt zu Politikern in Bonn aufnahmen. Die FFA sollte zur Institution werden, die Geld für den jungen Film zur Verfügung stellte. Nur so konnten später Talente wie Schlöndorff, Fassbinder, Wenders und Herzog ihre ersten Filme machen. Das Oberhausener Manifest war der Anfang. Die Internationalen Kurzfilmtage Oberhausen (26. April bis 1. Mai) erinnern in ihrem Programm an den Aufbruch vor 50 Jahren.

„Wir hatten ein Problem mit unseren Vätern“, sagt Edgar Reitz, der heutzutage an seiner „Heimat“-Reihe arbeitet, „ihr seit verkappte alte Nazis.“ Als Vordenker wird Haro Senft genannt, der die Heimat-Filme der 50er Jahre geißelte („billiger Unterhaltungsschrott“). Er forderte Orte für Filmkunst und Ausbildungsstätten.

Neue Bilder mussten her. Peter Schamoni drehte einen Doku-Film über die NS-Architektur von Albert Speer („Brutalität in Stein“, 1961). Die Kamera führte Wolfgang Wirth. Endlich gab es nicht nur Propaganda-Material zur NS-Gigantomanie.

Dokumentarfilme wie „Graustein“ (1962) wurden mit O-Ton aufgenommen. Vorher waren Tonsequenzen immer nachträglich aufgesprochen worden. Das Filmemachen wurde authentisch. Schauspielerin Vera Tschechowa schwärmt am Set („Das Brot der frühen Jahre“, 1962), dass im Filmteam erst diskutiert und dann gedreht wird: „Es waren keine Greise.“ Regie führte Herbert Vesely. Produzent war Hansjürgen Pohland. Heute vermittelt Pohland mit „Die Rebellen von Oberhausen“, dass es damals eine strukturelle Notwendigkeit war, zu fordern und zu kämpfen. Die ästhetische Kinorevolte war von der französischen Nouvelle Vague und dem US-Independent-Film ausgegangen.

Von den 26 Unterzeichnern des Manifestes leben heute nur noch zehn. Sie haben noch alle mit Filmen zu tun. Und Produzent Robert Houwer erinnert sich gern an den Skandal von 1970, als Michael Verhoevens Film „OK“ die Berlinale kippte. Der Film thematisierte ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit, das amerikanische GIs an einem vietnamesischen Mädchen verübt hatten. Solche Themen gibt es auch heutzutage, aber ein Filmfest würde deshalb nicht mehr ausgesetzt.

http://www.kurzfilmtage.de

Der Dokumentarfilm „Die Rebellen von Oberhausen“ von Hansjürgen Pohland (52 Min.)

▪ Oberhausen, Theater-b.a.r. Schauspielhaus, 20 Uhr.

▪ Arte zeigt den Film um 22.15 Uhr, danach ca. 23.10 Uhr der Film „Abschied von gestern“ von Alexander Kluge

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