30. Januar in der Westfalenhalle

Party in Dortmund: Fettes-Brot-Björn im Interview

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König Boris, Doktor Renz und Björn Beton

DORTMUND - Alle wollen "Fettes Brot" sehen: Am 30. Januar sind Björn Beton, Dokter Renz und König Boris in der Westfalenhalle - und zwar aufgrund des großen Andrangs in Halle 1. Dass sie natürlich ihr neues Album "3 is ne Party" vorstellen, ist klar. Im Interview mit Björn Beton (Björn Warns) geht es aber nicht nur um Musik, sondern auch um Videos und um ein Hausverbot mit Folgen.

Von Susanne Fischer-Bolz

Björn, am 30. Januar kommen "Fettes Brot" in die Westfalenhalle - das Konzert wurde aufgrund der großen Nachfrage in Halle 1 verlegt. Da ist Ihre Brust vor Stolz angeschwollen, oder?

Björn Beton: Ja, das hat uns alle sehr gefreut. Insgesamt freuen wir uns. Wir gehen ja sehr gern auf Tour und wenn die Leute dann Tickets kaufen und die Konzerte so gut besucht sind, dann freuen wir uns natürlich doppelt und dreifach.

Was war denn bisher der absolute Wahnsinn auf der neuen Tour, was ist Ihnen vielleicht sogar nahe gegangen?

Björn Beton: Die wirkliche Tour geht ja erst am 18. los. Der Vorteil, wenn man in so riesigen Hallen spielt, ist, dass es nicht so viele davon gibt. Wir spielen im Moment also nicht 30 Konzerte und mehr, sondern eher 15 bis 20 Konzerte, aber dafür in den großen Hallen. Das ist schon sehr beeindruckend. Wir hatten jetzt zwei riesige Konzerte vor Silvester - das war einmal in der Kölnarena und einmal in Hamburg, wo jeweils 12- bis 15.000 Leute reinpassen. Und das ist wirklich der Wahnsinn. Wir waren auch sehr aufgeregt.

Wie ist das bei einer neuen Tour. Probiert man vieles aus, muss man unbedingt Altes und Neues mixen?

Björn Beton: Der Schwerpunkt liegt natürlich auf der neuen Platte, aber wir haben auf jeden Fall auch immer großen Spaß daran, unsere alten Hits zu spielen. Die Leute, die gerne mal "Emanuela" oder noch ältere Sachen hören wollen, bekommen das natürlich auch. Das macht aber auch immer Spaß. Wir sind ja mit einer Liveband unterwegs und haben in den vergangenen Monaten mal hier und da geprobt und da hat es uns auch riesigen Spaß gemacht, die alten Lieder mal etwas umzumodeln, so dass man sich bei den älteren Songs nicht selber langweilt.

Ist das neue Album typisch "Fettes Brot", klassisch oder sucht es neue, zeitgemäße Grenzen?

Björn Beton: Es klingt wie ein Fußballer, den man nach dem Abpfiff fragt, aber ich glaube tatsächlich, dass es beides ist. Ich empfinde es so, dass wir handwerklich viel, viel besser und ausgefeilter geworden sind und dass wir uns mehr trauen und einige Grenzen niedergerissen haben, aber inhaltlich und über das, was wir so reden, ist es ein typisches "Fettes Brot"-Album.

Das Video zu "Echo" hat mich ja umgehauen. So ein armer Kerl mitten in der Einsamkeit des Meeres. Und es gibt kein Happy End, oder?

Björn Beton: Nö. Aber wenn man ganz genau hinschaut, gibt es am Horizont ein Schiff. Aber das war unabsichtlich. Das sollte da eigentlich nicht sein.

Wo wurde das gedreht und wie waren Ihre Erlebnisse?

Björn Beton: Gedreht wurde das in Sealand. Das ist ein eigenes Land. Genau das, was man im Video sieht, ist Sealand. Es liegt zehn Seemeilen vor der englischen Küste. Und da es eine Gesetzeslücke gibt, hat dort ein Mann in den 60er Jahren diese Insel besetzt und da ein eigenes Land gegründet. Es ist nicht so ganz einfach, dort hinzukommen. Wir sind mit dem Speedboot eine halbe Stunde hingeschifft worden. Die einzige Möglichkeit, dort auf die Insel zu gelangen, ist mit einer Seilbahn. Wir waren zwei Tage dort und hatten Glück mit dem Wetter. Also, bei schlechtem Wetter möchte ich dort nicht sein. Luxus und Komfort sind etwas anderes. Aber die Leute, die da sind, waren wirklich sehr zuvorkommend, total nett und die wollen uns jetzt in Hamburg auch besuchen.

Im Video zur Single "KussKussKuss" werden Drogen konsumiert. Hatten Sie Bauchschmerzen dabei?

Björn Beton: Da werden natürlich keine Drogen konsumiert. Im Bier war natürlich Brause und das vermeintliche Kokain war Brausepulver. Ich habe da keine Drogen gesehen - im ganzen Video nicht.

Aber ein normaler Betrachter könnte schlucken?

Fettes Brot bei einem Live-Auftritt.

Björn Beton: Das ist natürlich eine gezielte Provokation. Ich bin verwundert, dass die Leute über so eine leichte Falle stolpern, wenn man Kinder vermeintlich Bier trinken sieht. Das ist ja der Job eines Künstlers, solche Sachen zu überspitzen. Aber im künstlerischen Zusammenhang ist das eigentlich zu verstehen. Dass das echtes Bier ist, das wir Kindern geben, glaubt doch keiner. Die Schweinereien sind doch die, die in der Realität passieren, wo es eben halt nicht ein Künstler ist, der absichtlich provoziert, sondern die Wirklichkeit. Wenn man einfach nur mal am Bahnhof längs geht und sieht, was für arme Hunde da rumhängen, dann ist das die Wirklichkeit. Darüber müsste man sich viel, viel mehr wundern und ärgern und empört sein.

Ja, aber das ist doch gut, wenn man über das Video ins Gespräch kommt...

Björn Beton: Nee, leider nicht. Das wäre sehr wünschenswert, aber ich habe eher die Reaktion wahrgenommen, dass Leute sich darüber aufregen, dass wir so ein Video machen und wir damit Kinder zum Biertrinken verleiten. Nein, das tut es natürlich nicht. Das wäre wohl etwas zu kurz gegriffen.

Im November 2013 spielten "Fettes Brot" im Zentrum Rote Flora in Hamburg, um es zu unterstützen. Der Eigentümer hatte aber ein Hausverbot ausgesprochen. Jetzt haben Sie eine Anzeige wegen schweren Hausfriedensbruchs am Hals, oder?

Björn Beton: Ja, das ist genau so. Wir wissen noch nicht, was passiert. Es ist bei der Staatsanwaltschaft, die überlegt, ob sie darauf reagiert und es vor Gericht bringen möchte oder nicht. Bis jetzt haben wir von der Staatsanwaltschaft nichts gehört. Ich glaube aber auch, dass da nichts weiter nachkommen wird.

Nach diesem Auftritt lieferten sich "Linksautonome" Auseinandersetzungen mit der Polizei. Die Polizei spricht von rund 400 Personen, die zum Teil vermummt gewesen seien. 120 Polizisten waren im Einsatz. Was denken Sie darüber?

Björn Beton: Ich habe die entstandenen Krawalle ganz anders wahrgenommen, als es in der Presse dargestellt wurde. Grundsätzlich finde ich eine gewalttätige Auseinandersetzung negativ. Das ist keine gute Idee und lehne ich ab. Ich möchte nur darauf hinweisen, dass wir an dem Abend überhaupt keine Gewalt gesehen haben. Uns ging es darum, zu beweisen und zu zeigen, dass wir solidarisch sind mit der Besetzung, dass wir es für richtig halten, dass es ein freies und unabhängiges Kulturzentrum in Hamburg gibt und dass das die Stadt aushalten muss. Und wir wollten zeigen, dass es schon längst eine Kulturspielstätte ist. Es waren mehr als 3000 Leute da und es war eine friedliche Veranstaltung. Was danach passiert ist, kann ich nicht auf uns beziehen.

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